Das Kabinett des Dr. Parnassus (DVD)
 
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Das Kabinett des Dr. Parnassus

Rezension von Bine Endruteit

 

Dr. Parnassus ist schon seit vielen Jahren mit seiner Tochter Valentina, dem jungen Anton und dem kleinwüchsigen Percy in seinem Wandertheater unterwegs. Allerdings fehlen ihnen die Zuschauer und das altertümlich wirkende Kabinett wird von niemandem mehr richtig ernst genommen. Parnassus verfällt zusehend dem Alkohol und scheint immer kränker zu werden. Dabei sollte es ihm eigentlich gut gehen, hat er doch vom Teufel persönlich Unsterblichkeit verliehen bekommen. Dieser tritt hier als Mr. Nick auf und fordert nun seine Bezahlung für eine Wette ein, die er erst vor wenigen Jahren mit Parnassus abgeschlossen hat. Dieser hatte sich in eine Frau verliebt und Mr. Nick ein unwiderstehliches Äußeres abgerungen. Der Preis dafür soll allerdings seine Tochter, die schöne Valentina sein. Noch weiß die jedoch von nichts.

 

Drei Tage bevor das Schicksal sie ereilt geschehen jedoch eine Menge die, die alles zu verändern vermögen. Zum einen schließt Mr. Nick eine neue Wette mit ihrem Vater ab, bei der sie der Gewinn ist und es darum geht, wer von ihnen als erster drei Seelen sein eigen nennen kann. Um Seelen gespielt wird mit Hilfe des Kabinetts, das Teil von Parnassus Bühnenshow ist. Ein Zuschauer kann durch einen geheimnisvollen Spiegel in eine zauberhafte Welt eintreten, in der seine kühnsten Fantasien Wirklichkeit werden. Am Ende sieht er sich jedoch seinem größten Laster gegenüber und muss ihm widerstehen. Schafft er es, ist das eine gerettete Seele für Parnassus, schafft er es nicht, wird er von Mr. Nick persönlich in dessen Welt gebracht. Hilfe erhält die Truppe von dem geheimnisvollen Tony, der sein Gedächtnis verloren zu haben scheint und in den sich Valentina im Handumdrehen verliebt. Er soll in dem Geschehen um die Wetten zwischen Dr. Parnassus und Mr. Nick eine große Rolle spielen. So entsteht ein ungewöhnliches Wettrennen, bei dem es nach und nach immer weniger um die besagten fünf Seelen, als um die Protagonisten selbst geht.

 

Rezension:

"Das Kabinett des Dr. Parnassus" ist ein Film, den man intensiv auf sich wirken lassen muss. Wer den Fehler macht, ihn als Popkorn-Kino genießen zu wollen, wird garantiert enttäuscht werden, denn auch wenn er phänomenale Specialeffekte zu bieten hat, ist es doch kein Film der großen Szenen. Alles Wichtige spielt sich eher unterschwellig ab und regt zum Nachdenken kann. Man bekommt auch nicht alle Antworten auf verschiedene Fragen auf dem Silbertablett geliefert, sondern muss bereit sein, tief in die Geschichte einzutauchen und sich mit ihr zu beschäftigen, um sie zu verstehen. Das ist eindeutig kein Film für Nebenbei. Am intensivsten entfaltet er seine philosophische Kraft, wenn man ihn gemeinsam mit Freunden genießt und später über das Gesehene spricht und Diskussionen entstehen lässt.

 

Auf den ersten Blick scheint man es mit einer leicht verständlichen Story zu tun zu haben, bei der Gut und Böse leicht zu durchschauen sind, aber so einfach wird es dem Zuschauer nicht gemacht. So haben "die Bösen" hier ihren ganz eigenen Charme oder Dr. Parnassus, den man eindeutig zu den Guten zählen würde, hat einige Charakterschwächen. Er ist zum Beispiel Alkoholiker und in der Lage seine eigene Tochter als Wetteinsatz zu missbrauchen. So entsteht ein sehr realistisches Bild der einzelnen Figuren, auch wenn es sich bei ihnen um fantastisch anmutende Wesen wie den Teufel persönlich handelt.

 

Die Welt, in der der Film spielt, zeigt starke Gegensätze. Die reale Welt, wie wir sie kennen, wird in düsteren Grautönen gezeigt, in der sich das Wandertheater mit seinem Kabinett wie ein altmodisches Accessoire ausnimmt. Wird die fantastische und knallbunte Fantasiewelt hinter dem Spiegel lebendig, wirkt selbst der ausgefallendste Bühnenaufbau nur noch albern und kaum der Rede wert. Trotzdem fragt man sich immer, was nun wirklich wichtig ist: Das imaginierte Seelenleben oder die Realität. Es gibt zahlreiche Schlüsselmomente, die es zu entdecken gibt und die teilweise sogar erst nach mehrmaligen Anschauen des Films realisiert werden. Aber genau das macht erst seinen Reiz aus.

 

In die Medien geraten ist "Das Kabinett des Dr. Parnassus" zusätzlich durch die spektakuläre Vierfachbesetzung der Schlüsselfigur Tony. Ursprünglich wurde er von Heath Ledger verkörpert, der jedoch noch während der Dreharbeiten verstorben ist. An seiner statt wurden drei weitere Schauspieler eingesetzt, die ihn in den unterschiedlichen Fantasiewelten verkörpern. Tony wird also zusätzlich von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farell gespielt. Auch wenn dieser Wechsel aus einer Not heraus entstanden ist, verleiht er dem Film eine zusätzlich mystische Komponente.

 

Fazit:

"Das Kabinett des Dr. Parnassus" ist ein magischer Film, der viel zu bieten hat, wenn man bereit ist, tief in ihn einzutauchen. Fans dürften sich besonders über die zweite DVD freuen, die zahlreiche Specials wie ein Making Of, Interviews, Audiokommentare, entfallenen Szenen, Trailer und vieles mehr zu bieten hat.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240418124652e4c7e89b
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MEDIUM: DVD

Das Kabinett des Dr. Parnassus

Regie: Terry Gilliam

Concorde Video, 1. Juli 2010

Spieldauer: 117 Minuten

Anzahl Disks: 2

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Darsteller: Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell, Christopher Plummer, Lily Cole, Verne Troyer, Andrew Garfield

Synchronsprecher: Simon Jäger, David Nathan, Florian Halm, Markus Pfeiffer, Lothar Blumhagen, Santiago Ziesmer, Konrad Bösherz

ISBN-10: B003JEYI7K

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 17.07.2010, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 10738