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Das Lied der Dunkelheit von Peter V. Brett

Reihe: Dämonen-Trilogie Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Der heute mit seiner Familie in Brooklyn, New York lebende Autor Peter V. Brett wurde 1973 geboren. Er studierte englische Literatur und Kunstgeschichte, arbeitete gut zehn Jahre als Lektor für medizinische Fachliteratur, bevor er sich dazu entschied, phantastische Literatur zu verfassen und ein Vollzeit Schriftsteller zu werden. Schon sein Debüt, „Das Lied der Dunkelheit“ wurde von Lesern wie Kritikern begeistert aufgenommen und ist bereits in verschiedenen Sprachen veröffentlicht worden. Er ist auch der Auftakt der „Dämonen“-Trilogie.

 

Schon seit vielen Generationen leben die Menschen von Thesa in Städten und Dörfern zusammen. Das Land ist in viele kleine Herrschaftsbereiche zerfallen, denn die Tatsache, dass das Land von Dämonen verseucht ist, die sich sehen lassen, sobald es dunkel wird und zu deren Lieblingsspeisen Menschenfleisch gehört, macht es unmöglich, ein größeres Herrschaftsgebiet zu beherrschen. Schon wer nur von einem Ort zum anderen reisen und dabei außerhalb eines Hauses übernachten muss, spielt mit seinem Leben. Die Menschen schützen sich und ihre Heimat mit Bannzeichen, aber wirklich gegen die Kreaturen zu kämpfen – seien es nun die immer hungrigen Horclinge oder Baumdämonen – das wagen sie nicht.

In diese Welt werden drei Kinder hinein geboren. Arlen wird schon früh von einem schrecklichen Ereignis geprägt, das sein ganzes Leben überschattet. Bei einem Dämonenangriff wird seine Mutter schwer verletzt und stirbt. Da der Vater nur resigniert und nichts gegen die Kreaturen unternimmt, erwacht in dem Elfjährigen, der Wunsch, ganz anders zu werden. Er läuft davon und beginnt in der nächsten Stadt eine Bannzeichner-Lehre. Als er auch dort die Grenzen seines Handelns erkennt und sich von den strengen Regeln eingeengt fühlt, sucht er abermals sein Glück in der Ferne und schließt sich den Kurieren an, die den Kontakt zwischen den Enklaven aufrecht erhalten. Seinen Traum vergisst er jedoch nie. Und er scheint ihm einen Schritt näher zu kommen, als er schließlich heraus findet, dass die Monster und Kreaturen zu verletzen und sogar zu töten sind. Nach und nach experimentiert er immer mehr mit den Bannzeichen und den tragbaren Zirkeln und findet für sich einen Weg um endlich Rache für den Tod seiner Mutter zu nehmen.

Leesha ist bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr eigentlich ganz zufrieden damit, eines Tages ein Leben wie die anderen Frauen zu führen und an der Seite eines Mannes viele Kinder zu bekommen. Doch einige schicksalhafte Ereignisse öffnen ihr die Augen und sorgen dafür, dass sie sich schon bald als Schülerin der resoluten aber fähigen Kräutersammlerin Bruna wiederfindet und dort erkennt, wo ihre eigentliche Berufung liegt.

Rojer schließlich wird als Kind von einem herumziehenden „Jongleur“ in die Lehre genommen, einer Art Gaukler und Spielmann, der für die Unterhaltung der Menschen sorgt, aber auch Neuigkeiten aus anderen Landstrichen mit sich bringt. Als er eines Nachts seinen Lehrmeister verliert, muss er sich von nun an alleine durchschlagen und entdeckt dabei, dass er mit seiner Musik einen überraschenden Einfluss auf die Dämonen ausüben kann...

 

„Das Lied der Dunkelheit“ mit dem „Herrn der Ringe“ zu vergleichen wirkt seltsam, da Peter V. Brett weder so episch schreibt wie Altmeister Tolkien noch es darauf anlegt, seine Figuren zu heroischen Heldengestalten zu machen. Arlin, Leesha und Rojer sind eher ganz normale Menschen, die durch die Umstände in ihre Rolle gedrängt werden, und nach und nach für sich selbst die Fähigkeiten entdecken, die sie zu Anführern machen und aus der Masse heraus heben, die bereits resigniert hat. Auch besondere Kreaturen und andere kulturschaffende Rassen tauchen nicht auf, das einzige Fantasy-Element des Buches, in dem es mehr oder weniger um den täglichen Überlebenskampf geht, sind wirklich die Dämonen, die halb Geister, halb Monster zu sein scheinen und die Bannsprüche mit denen man sie sich vom Leib halten kann.

Ansonsten nimmt sich der Autor sehr viel Zeit, um den Hintergrund vorzustellen und die Hauptpersonen in einem vertrauten Umfeld agieren zu lassen. Er bedient sich dabei durchaus an Versatzstücken aus Western, denn die Bewohner der Dörfer zeigen durchaus die Mentalität von Siedlern. Die Gemeinschaften in den Dörfern und Städten sind so konzipiert, dass Individualismus gleich zum Außenseitertum führt.

Es tauchen immer wieder traditionelle Werte auf, die an das 19. Jahrhundert erinnern. So werden Außenseiter misstrauisch beäugt und gefürchtet, auch wenn man sie braucht – so wie etwas die Kräuterheilerin und „Hexe“ Bruna, die sich gegen die großmäuligen Patriarchen selbstbewusst behauptet. Ebenso schnell kann ein Mädchen in Verruf geraten und aus dem Dorf gejagt werden, wenn ihre Techtelmechtel mit Jungen vor der Ehe Folgen zeigt, während die Jungen sogar noch dazu ermutigt werden. Diese eher reaktionäre Gesellschaft passt dennoch sehr gut zu der düsteren und schmutzigen Atmosphäre des Buches.

Alles in allem liest sich der Roman recht spannend, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass die ein oder andere Aussage nicht zu einer anderen passen will – einerseits können die Bannzeichen der Schutzkreise durch die Menschen leicht verwischt werden, andererseits kommen die Horclinge nahe genug an diese heran, um sie mit Erde und Steinen abzudecken und dadurch ebenfalls den Magiefluss zu stören. Die Geschichte macht durch die unzähligen Andeutungen, dass früher einmal mehr da gewesen ist und die Dämonen auch besiegt werden konnten, neugierig auf mehr , da der Autor nicht zu viel oder zu wenig verrät und die Handlung baut sich langsam aber stetig auf.

So bleibt abzuwarten, welche Geheimnisse die beiden Folgebände bieten werden, auch wenn gewissen Ähnlichkeiten zu irdischen Gegebenheiten wie etwa die sogenannten „Fürsorger“ den Verdacht stärken, dass man es unter Umständen wieder einmal mit einem postapokalyptischen Nordamerika zu tun hat.

 

Wer abenteuerliche, aber realistische Fantasy sucht, in der die Menschen und nicht die Umgebung die Hauptrolle spielen, die Spannung stetig aufgebaut und am Ende nicht ganz aufgelöst wird, und deren bedrohliche Atmosphäre deutlich spürbar ist, der kann ruhig zu „Das Lied der Dunkelheit“ greifen, denn dem Roman gelingt es viele Klischees des Genres zu umschiffen, auch wenn er sich hin und wieder in Kleinigkeiten selbst widerspricht.

 

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Buch:

Das Lied der Dunkelheit

Autor: Peter V. Brett

Reihe: Dämonen-Trilogie Band 1

Original: The Warded, Painted, 2008

Taschenbuch, 797 Seiten

Heyne, Mai 2009

Übersetzerin: Ingrid Hermann-Nytko

Titelbild und Illustrationen: Lauren Cannon, Karte von Andreas Hancock

 

ISBN-10: 3453524764

ISBN-13: 978-3453524767

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.07.2009, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13