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Der letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski

Reihe: Geralt-Saga Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Unfruchtbare Zauberinnen, fromme Ritter, grobschlächtige Drachenjäger, magische Lindwürmer, hartgesottene Zwerge, gewitzte Barden, streitsüchtige Könige, die elfische Version vom Märchen der Schneekönigin, geschäftstüchtige Halblinge und gewitzte Doppler, städtische Steuereintreiber und zwergische Bankiers, Basilisken, Dryaden und Druiden, verliebte Fürsten und Sirenen, schmerzhafte Liebesbeziehungen, dunkle Sehnsüchte, Magie und die allenthalben wirkende Kraft der Vorsehung – und mitten drin der weißhaarige, bleiche Geralt von Riva, seines Zeichens Mutant, Monsterjäger und Hexer.

 

Alle reden über europäische Fantasy aus England, neuerdings mit Vorliebe noch Russland und Italien – Zeit, dass wir über den polnischen Superstar der dortigen Szene reden! In Polen nämlich ist Andrzej Sapkowskis Hexer längst Kult. Nachdem Ende der 1990er eine Veröffentlichung bei Heyne scheiterte, hat sich hierzulande inzwischen dtv der Saga angenommen und nun zunächst die beiden Kurzgeschichtenbände veröffentlicht.

 

Hinter den Kurzgeschichten nun verbirgt sich nicht nur eine beliebige Verquickung von Märchen und Fantasy – in erster Linie beinhalten die Abenteuer des Hexers, Vorlage für Filme und Videospiel, europäische Ausnahme-Fantasy vom Feinsten, wie auch dieser zweite Band wieder eindrucksvoll unterstreicht. Vertraute Gesichter wie Rittersporn oder Yennifer aus dem ersten Teil machen die Lektüre der Fortsetzung zusätzlich interessant – und sollten Hexer-Neulinge zunächst zum ersten, nicht weniger lesenswerten Taschenbuch greifen lassen. Alle anderen wissen längst, was sie erwartet und an Sapkowski haben - und werden auch diesmal nicht enttäuscht.

 

Erneut bietet der Pole angenehm lakonische, dreckige, derbe, fantasievolle, clevere, knackige und bei Zeiten sogar lüsterne, nachdenkliche oder brutale Sword & Sorcery-Storys, die aus bekannten Märchen und Mythen sowie den gängigen Mustern des Genres das Bestmögliche herausholen. Meisterhaft reiht Sapkowski pulpige Genre-Klischees aneinander, bis am Ende gute Geschichten heraus kommen. Selbst sein Protagonist, der rein äußerlich und natürlich von seiner inneren Seelenpein her stark an Michael Moorcocks LSD-Albino Elric erinnert, fügt sich perfekt in diese eigenwillige Mischung ein und dient als pragmatischer Sympathieträger mit ordentlich Antihelden-Potential, obwohl Geralt gegen Ende dieses Bandes einmal mehr die Kontrolle über das Geschehen verliert und ein Spielball des Schicksals zu sein scheint. Da sieht man dann auch gerne darüber hinweg, dass das stilistisch manchmal alles ein bisschen zu lässig wirkt, was Sapkowski da macht. Aber an den meisten Stellen passt der mal üppige, mal ruppig-abgehackte Stil, hat die Geschichte um Geralt ihren eigenen Rhythmus und vor allem stets ihre eigene Stimme.

 

dtv kündigte schon vor einiger Zeit an, den Zyklus in den nächsten Jahren komplett zu veröffentlichen - also auch die restlichen fünf, nach Erfolg der Kurzgeschichtenbände geschriebenen Romane um den Weißen Wolf, wie die baumliebenden Dryaden Geralt nennen.

 

Bis dahin sind die ersten beiden Story-Sammelbände Pflichtlektüre für Genre-Fans.

 

 

 

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Das Schwert der Vorsehung

Reihe: Geralt-Saga Bd. 2

Autor: Andrzej Sapkowski

Taschenbuch, 460 Seiten

dtv, Juni 2008

ISBN: 3423210699

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.06.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13