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Das Siegel der Finsternis von Marcus Reichard

Rezension von Julia

 

In den letzten Jahren ist die Liebe zu fantastischen Geschichten neu entflammt und viele Verlage lassen sich auf dieses Thema ein. Dazu gehört nun auch der Verlag Hoffmann und Campe, der fantastischen Romanen ebenfalls eine Chance geben möchte. Mit „Das Siegel der Finsternis“ liegt damit ein Debüt-Roman von Marcus Reichard vor.

 

Tenan ist ein Comroi der vierten Stufe, erlernt die Wassermagie und hat vor, mit seinen Fähigkeiten viel zu bewirken. Umso empörter ist er, dass er sie momentan nur dazu einsetzen darf, die nasse Kleidung der Dorfbewohner zu trocknen, was ihm dank mangelnder Leidenschaft und Konzentration nicht einmal gelingen möchte. Vor allem sein Lehrmeister Osyn hat immer wieder unter Tenans Eskapaden zu leiden und als dieser eines Tages wieder einmal nicht bei der Sache ist und einen Feuerzauber ausprobiert, verbrennen all seine wichtigen Kräuter. Um den Schaden wieder gutzumachen, wird Tenan ausgeschickt, um die Kräuter zu ersetzen. Auf seinem Streifzug stößt der Junge auf ein Schiffswrack, das offensichtlich dem letzten Sturm zum Opfer gefallen ist und erkundet es. So findet er einen geheimnisvollen aber offensichtlich magisch-mächtigen Kristall, den er mit sich nimmt und seinem Meister zeigt. Noch hofft Tenan, dass sich ihm hier eine Welt der Abenteuer offenbaren wird und scheinbar werden diese erfüllt, als Osyn ihn auf eine weite und gefährliche Reise ausschickt. Er hat sofort erkannt, welch magisches Artefakt vor ihm liegt und das es so schnell wie möglich dem Hochkönig übergeben werden muss.

Währenddessen ist der finstere Bash-Arak und Herr der Schatten, schon auf der Suche nach dem Kristall. Da er an dem Schicksal des Vorbesitzers maßgeblich beteiligt war, weiß er auch, wo er suchen muss und kommt dem Jungen gefährlich nahe. Der Stein kann die Geschicke des Landes und vor allem den Ausgang des Krieges zwischen Licht und Dunkelheit entscheiden und ist aus diesem Grund wertvoll für alle Parteien, die sich auf der Suche nach diesem befinden. So muss Tenan überstürzt aufbrechen, begleitet von dem Kesselflicker Chast, der ihn auf seiner Suche nach einem Schiff unterstützt und ihm noch viele weitere Dinge beibringt sowie Kapitän Harrid, dem Besitzer des Schiffes, mit dem er fährt. Die Gefahr ist jedoch noch lange nicht gebannt, das letzte Wort noch nicht gesprochen und es warten weitere Widersacher auf Tenan, um ihm den Stein zu entreißen und das Schicksal umzuschreiben.

 

Aktuell ist es schwierig ein Buch zu schreiben, das wirklich begeistern kann, zu viele fantastische Romane gibt es inzwischen auf dem Markt, man hat nahezu alles schon einmal gehört und ist dementsprechend nur noch selten positiv überrascht. Die vorliegende Geschichte macht da leider keine Ausnahme. Der Stil des Autors ist in Ordnung, sein Konzept aber noch etwas naiv. So kann es vorkommen, dass einem Mann die Hand mit einem Dolch durchstoßen- und als Grund so etwas wie „mir war, als würdet Ihr in Schwierigkeiten stecken“ angegeben wird. Man versteht den Hintergrund, warum das getan wurde, aber es wirkt leider auch ein wenig lächerlich. Diese Szenen ziehen sich durch das gesamte Buch, was einen alteingesessenen Fantasy-Leser einfach gelegentlich stutzen oder den Kopf schütteln lässt. Ich vermute aber, dass dies jenen, die vorher noch keine Lektüre dieser Art zur Hand genommen haben, nicht auffällt, oder es ihnen gleichgültig ist, sodass sie sich von der Geschichte, die durchaus Potential hat, mitreißen lassen.

Der Handlungs-Aufbau ist logisch und ansprechend, ebenso die vorkommenden Charaktere, auch die Feinde wirken mächtig und rücksichtslos, sodass man die Gefahr durchaus er- und anerkennt. Ein großes Manko von meiner Seite aus, ist aber Tenan selbst, mit dem ich bis zum Schluss nicht warm geworden bin. Zu sehr erinnert er an einen jungen Mann, der sich selbst überschätzt und nicht bereit ist etwas zu leisten, sondern annimmt, dass ihm alles in den Schoß fällt. Zwar kann man gegen Ende eine gewisse Entwicklung absehen, aber die macht es zu diesem Zeitpunkt nur bedingt besser. Die Geschichte selbst bringt im Grunde alles mit, was sie benötigt, um ihre Leser zu fesseln: Die archetypische Hauptfigur, die Gefährten mit entsprechenden Fähigkeiten und mystischen Hintergründen, einen bösen Feind, der durchaus gefährlich wirkt und eine interessante und vielfältige Welt. Es ist nur schade, das dies nicht wirklich genutzt wurde, um eine vollkommen eigenständige, von anderen Vorbildern losgelöste und in sich selbst stringente Handlung zu schaffen, die von Anfang bis Ende überzeugt.

 

Das Ende dieses Buches lässt darauf schließen, dass weitere Bücher folgen werden, da die Geschichte nicht zu ihrem Abschluss gekommen ist. Man darf also gespannt sein, ob die Fehler, die man hier noch findet, im nächsten Band verschwunden sind. Zu wünschen wäre es, da die Geschichte selbst und auch der Stil nicht schlecht sind. Solange ist dieser Band jenen zu empfehlen, die vorher noch keine Fantasy-Lektüre zur Hand genommen und dementsprechend wenige Vergleichsmöglichkeiten haben. Sie werden sicherlich spannende Momente erleben. Für alle anderen ist die doch recht flach vorkommende Figurenausarbeitung und die Geschichte mit den teilweise unlogischen Momenten nur bedingt zu empfehlen.

 

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Das Siegel der Finsternis

Autor: Marcus Reichard

Broschiert: 528 Seiten

Verlag: Hoffmann und Campe (16. Februar 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3455400876

ISBN-13: 978-3455400878

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.03.2009, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13