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Das Vermächtnis von Erdsee von Ursula K. Le Guin

Reihe: Erdsee

 

Rezension von Christel Scheja

 

Der „Erdsee“-Zyklus von Ursula K. Le Guin gehört seit dem Erscheinen der Romane in den späten 1960er Jahren wohl zu den Klassikern der Fantasy-Literatur. Magisch aber nicht märchenhaft oder episch führte die Autorin damals in eine Welt ein, die gleichermaßen phantastisch, wie auch sehr menschlich war und ging damit einen Weg, der unter den unzähligen Tolkien und Howard-Epigonen deutlich auffiel.

Und wie so viele andere Autoren kam auch sie nach über zwanzig Jahren auf den Geschmack, noch einmal in die Erdsee zurück zu kehren und die Welt weiter mit Leben aufzufüllen, wie durch diese Kurzgeschichtensammlung, die vor zehn Jahren bereits bei Heyne erschien.

 

In einer Zeit, in der ein mächtiger Pirat und Kriegsherr die Welt von Erdsee unter seine Kontrolle bringen will, wächst Otter als Sohn eines Schiffsbauers auf. Aber er besitzt auch eine besondere Gabe, durch die er unangenehm auffällt, ist der doch „Der Finder“. Doch anstatt in Sklaverei zu enden, geht der junge Mann schließlich einen ganz eigenen Weg und wird zu einem der Gründer von Rok.

„Schattenrose und Diamant“ erzählt von einer Liebe unter ungünstigen Vorzeichen, während es in „Die Gebeine der Erde“ wesentlich rustikaler zugeht. Und „Im Hochmoor“ suchen gleich zwei Fremde in einem abgelegenen Dorf Zuflucht, auch wenn der eine nur gekommen ist, um den anderen von einer Last zu befreien.

„Schwebender Drache“ erzählt von Irian, die zwar ihren wahren Namen wie jeder andere in einem bestimmten Alter erhält, sich aber sicher ist, dass dieser nicht richtig ist. Deshalb macht sie sich schließlich auf die Suche nach ihrem wahren Ich und fordert auch Einlass in die Zaubererschule von Rok.

 

Ergänzt wird das ganze dann auch noch von einer „Beschreibung von Erdsee“ in der die Autorin selbst die wichtigsten Stichpunkte zu Landschaft, Kultur und Geschichte der Völker zusammenfasst und ein wenig über das Verständnis der Magie verrät.

Die Geschichten sind so gehalten, dass sie auch unabhängig von den Romanen gelesen werden können, auch wenn man natürlich mehr von den Details versteht, wenn man zumindest die Trilogie kennt und weiß, auf was manche Andeutungen anspielen.

Ansonsten sollte man nicht all zu viel Action erwarten und schon gar keinen Pathos. Ursula K. Le Guins Geschichten sind sehr geerdet, sie drehen sich um Menschen mit Stärken aber auch genau so vielen Schwächen, die auch schon mal unsympathische Seiten zeigen können. Aber das macht sie zu den Trägern der Handlung, die immer wieder überraschend bleibt.

Dazu kommt eine klare, leicht poetisch angehauchte Sprache, die vor allem der Magie der Welt zugute kommt. Man fühlt sich tatsächlich in die Welt versetzt, wenn man in die Geschichten eingetaucht ist, die doch zauberhafter sind, als man erwartet. Gerade in den beiden langen Erzählungen am Anfang und am Ende kommt das besonders zum Tragen.

Das gesellschaftliche Bild mag zwar sehr mittelalterlich angehaucht sein, aber bei der Autorin sind die Geschlechter gleichermaßen stark und schwach vertreten – unabhängig von ihren klassischen Rollen. Gerade dadurch durchbricht sie so manches Klischee des Fantasy-Genres ohne es extrem zu revolutionieren.

 

Alles in allem merkt man auch dieser Sammlung an, dass sie Autorin auch nach über zwanzig Jahren nichts von ihrer Liebe zur „Erdsee“ verloren hat. Vor allem Fans werden sich freuen, erweitert sich die Welt doch so bisher um bisher unbekannte Facetten.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Vermächtnis von Erdsee

Original: Tales from Earthsea, 2001

Autorin: Ursula K. Le Guin

Übersetzerin: Barbara Kleiner

Karte: Erhard Ringer

Piper Verlag, März 2015

Taschenbuch, 384 Seiten

 

ISBN-10: 3492280188

ISBN-13: 978-3492280181

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00ME8LKE6

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 12.10.2015, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13