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Das Versprechen der Wölfe von Dorothy Hearst

Reihe: Die Wolfs-Chroniken, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Schon immer übten Wölfe eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Das mag daran liegen, dass die beliebtesten Haustiere unserer Zeit direkte Nachfahren der grauen Jäger sind und bereits vor mehr als zehntausend Jahren domestiziert wurden, aber immer noch Züge von Wildheit tragen.

Mit Wölfen verbinden wir die ungezügelte Wildheit der Natur und das noch immer ungebändigte Raubtier in den Hunden – aber auch uns selbst. Dorothy Hearst, selbst eine Wolfsexpertin, hat nun ihre Erfahrungen, Fantasien und Träume in eine spannende Geschichte umgesetzt.

 

„Das Versprechen der Wölfe“ führt zurück in die Dämmerung der menschlichen Zivilisation. Den sich zurückziehenden Eismassen folgend dringt der Mensch immer weiter in die Täler vor, die bisher nur den wilden Tieren vorbehalten waren, vor allem den Wölfen. Ein Konflikt ist unvermeidlich, es sei denn sie werden an einen noch älteren Pakt erinnert, den ihre Vorfahren einmal miteinander schlossen, und der längst vergessen zu sein scheint.

Kaalas Mutter begeht eines Sommers das Verbrechen, sich ohne Erlaubnis der Anführer mit einem fremden Wolf, der nicht aus dem Rudel vom schnellen Fluss stammt, zu paaren und dann auch noch Welpen auf die Welt zu setzen.

Als es darum geht, die Kleinen in die Gruppe aufzunehmen, überlebt nur die kleine Kaala, die mutig genug ist, um sich zu wehren. Sie erkämpft sich damit das Recht, aufzuwachsen, wenngleich auch nicht die Achtung der anderen. Nur zwei Welpen, die es ebenfalls der Gnade der Anführer verdanken, zu überleben, halten in den kommenden Monaten zu ihr. Alle anderen zeigen der jungen Wölfin mit der Halbmondzeichnung auf dem Fell, dass sie nicht erwarten kann, jemals als vollwertiges Mitglied des Stammes anerkannt zu werden. Vor allem einer verweigert ihr das Recht, die Jagd auf größere Tiere zu erlernen.

Doch Kaala gibt nicht auf. Sie geht weiterhin ihren eigenen Weg und eignet sich die Fähigkeiten an, die sie braucht, um weiter zu machen. Und dazu gehört es auch, sich trotz aller Warnungen und eigener Erfahrungen mit einer Jagdgruppe der Menschen, sich schließlich mit einer von ihnen näher zu beschäftigen. Nachdem sie die junge TaLi vor dem Ertrinken gerettet hat, und diese sich als sehr dankbar erweist entwickelt sich zwischen beiden eine ebenso enge wie ungewöhnliche Freundschaft.

Kaala erkennt, dass vieles von dem, was ihr ihre Lehrer erzählt haben nicht ganz der Wahrheit entsprochen hat und die Menschen nicht nur Feinde sein müssen. Sie wird in ein Vermächtnis eingeführt, das viele Generationen zuvor seinen Anfang genommen hat und nur noch von wenigen bewahrt wird. Sie soll die erste einer neuen Generation werden, die einen Schritt weiter gehen soll.

 

„Das Versprechen der Wölfe“ wird vollständig aus der Sicht der jungen Wölfin Kaala erzählt, deren erste Lebensmonate damit ausgefüllt sind, am Leben zu bleiben und sich gegenüber den Älteren, die sie verachten und die ihr misstrauen, zu behaupten. Dorothy Hearst lässt gerade im ersten Teil des Buches sehr viel von ihrem Wissen über das Verhalten und die Lebensweise der Wölfe einfließen. Das verbindet sie geschickt mit einer spannenden Geschichte und sympathischen Charakteren, die in ihrem Wesen gleichermaßen menschlich wie wölfisch wirken.

Nach und nach kommt auch der mystisch-magische Hintergrund immer deutlicher zum Vorschein. Zusammen mit Kaala entdeckt der Leser, das Menschen und Wölfe einander eigentlich sehr ähnlich sind und sich im Grunde viel geben können – und das es auf beiden Seiten die Unverbesserlichen gibt, die auf ihrem Standpunkt und ihrer Feindseeligkeit beharren.

Fantastisch ist an der Geschichte eigentlich nur, dass zumindest einige von beiden Völkern verstehen, was die anderen sagen und sogar miteinander reden können. Dennoch stört der Mangel an Fantasy wenig. Die Geschichte bietet genügend Überraschungen und bindet den Leser durch die so lebendigen wie liebenswerten Figuren an sich, dass man es fast bedauert, wenn man die letzte Seite erreicht hat. Zwar ist der Roman in sich geschlossen, bietet aber genügend Anknüpfungspunkte für eine Fortsetzung.

Auch wenn Dorothy Hearst sich die Beschreibung blutiger Kämpfe erspart, so klammert sie doch die verschiedenen Aspekte des Todes nicht aus. Allerdings verzichtet sie dabei auf Effekthascherei und Schockeffekte.

 

Das macht „Das Versprechen der Wölfe“ zu einem All-Age-Roman, der auch die Leser ansprechen dürfte, die eigentlich eher Tierbücher mit einer abenteuerlichen Handlung schätzen. Ebenso wenig enttäuscht er diejenigen, die fantastische Elemente in ihren Geschichten mögen.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

iceangel
Freitag, 14. September 2012 21:48 Uhr
Ich finde das Buch sehr schön,es ist fesselnd. Am liebsten würde ich das nie weglegen *-*

Player
Dienstag, 12. Mai 2009 20:35 Uhr
Good

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Buch:

Das Versprechen der Wölfe

Reihe: Die Wolfs-Chroniken, Bd. 1

Autorin: Dorothy Hearst

broschiert, 446 Seiten

Fischer, erschienen November 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Ane Dahm

Titelbild von n.n.

ISBN-10: 3596181585

ISBN-13: 978-3596181582

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 21.12.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13