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Deep Black

Rezension von Cronn

 

Ich schwimme mittels meiner Steuerdüsen flott durch die unterirdische Kaverne, die bis zur Decke mit Wasser gefüllt ist.

Hier und da leuchten kleine Lampen, an Stelen befestigt, und kreisrunde Riesenrohre führen hinweg in andere, noch unerforschte Bereiche. Vor mir befindet sich ein Betonrondell.

Plötzlich steigt ein Froschmann daraus empor und beginnt mit seiner Unterwasser-MP auf mich zu feuern. Die Kugeln ziehen wirbelnde Spuren durch das Wasser, schlagen hinter mir im Fels ein.

Ich weiche geschickt aus und nehme eine abgebrochene Stützsäule als Deckungsschutz in Beschlag. Mit dem Rücken an den Beton gelehnt überlege ich mir meine Gefechtstaktik. Soll ich hervorpreschen oder erst einmal abwarten? Ich entscheide mich für letzteres.

Da erkenne ich, dass die Feuersalven aufhören. Der Feindtaucher muss nachladen. Das ist meine Chance. Ich lehne mich aus der Deckung und ziele auf den Gegner. Dieser ist zwar ins Betonrondell abgetaucht, aber nicht tief genug – sein Scheitel ist noch über dem Rand zu erkennen.

Exaktes Zielen ist nun gefragt, ein kurzes Verharren in Position – und dann – Schuss!

Meine Garbe wühlt sich pfeilschnell durch das Wasser und trifft. Mit einem Gurgeln versinkt der Feindtaucher im Rondell. Der Weg ist frei.

Als nächstes schwimme ich durch das große Verbindungsrohr und komme in einem unterirdischen Hafenbecken an. Als ich nach oben blicke, erkenne ich durch die Wasseroberfläche eine Gangway. Leider ist sie hochgezogen und reicht nicht ins Wasser hinab. Aber dafür habe ich ja meinen ferngesteuerten Haken. Doch bevor ich ihn einsetze, checke ich noch die Lage nach Feinden.

Ein Kerl steht direkt neben der Gangway. Er hat mich noch nicht bemerkt. Langsam schwimme ich näher, verbleibe aber sicherheitshalber unter Wasser. Dann ziele ich auf den Gegner. Ein Schuss später ist die Bedrohung erledigt und ich kann den Haken einsetzen.

An einem Seil schießt der Haken an den Schaltknopf der Leiter, diese wird „gehackt“ und umgangen, so dass mit einem Brummen der Hydraulik die Gangway ins Wasser gesenkt wird.

Ich steige an Land und verstecke mich hinter einigen Kisten.

Der Weg durch die Feindbasis wird sich von nun an erstmal innerhalb des Höhlensystems abspielen. Ich bin mir sicher, dass auch hier genügend Gegner auf mich warten werden...

 

DEEP BLACK heißt das neueste Produkt des Biart Studios. Inhaltlich einem 3D-Person-Shooter zuzurechnen ist DEEP BLACK gleichzeitig das nächste große Projekt des Studios, das international vermarktet wird. Hierzulande bringt der Publisher „Just A Game“ den Titel heraus.

Das russische Studio hatte mit „Diver“ im Jahr 2009 einen respektablen Erfolg. Die selbstentwickelte Grafikengine von Biart – biEngine genannt – brachte schöne Unterwasserwelten auf den PC. Auch DEEP BLACK bleibt dem Unterwasser-Szenario treu, wobei Ausflüge an Land nun auch mit von der Partie sind und sogar einen Großteil der Action bestimmen.

Doch worum geht es in DEEP BLACK?

 

Hintergrund:

Der Spieler verkörpert in DEEP BLACK den Elite-Tiefsee-Kampfsoldat Syrus Pierce. In einer zukünftigen Welt, die vor allem von einigen Machtblöcken beherrscht wird, die sich neu zusammengeschlossen haben, geht die Bedrohung scheinbar von der Terror-Organisation Al-Azrad aus.

Syrus Pierce soll in eine Unterwasserbasis der Gruppe eindringen, um Geiseln zu befreien. Doch als er ankommt, sind dort weder Geiseln noch Terroristen sondern die Handlanger der geheimen Forschungseinrichtung des Ishiguro-Himmel-Systems, einer Rüstungsfirma.

Diese erforschen das Erz Ignotium, um es für die Waffenproduktion zu nutzen. Aber auch die Auftraggeber von Syrus Pierce scheinen ein doppeltes Spiel zu spielen.

Die Story von DEEP BLACK ist recht komplex von der Hintergrundgeschichte angelegt und wird mittels Ingame-Zwischensequenzen fortgesponnen. Nicht immer ist der rote Faden klar erkennbar und es braucht schon einen aufmerksamen Spieler, der alle Hintergründe im Kopf behält.

Zudem werden nicht alle Hintergründe im Spiel erläutert. Es ist also ratsam die Hintergrund-Informationen im Begleitheft zu studieren. Nur dann entfaltet sich die Story von DEEP BLACK gänzlich.

 

Gameplay:

DEEP BLACK ist ein 3D-Person-Shooter und somit vergleichbar mit „Just Cause“ oder „Total Overdose“. Am ehesten passt noch der Vergleich mit dem Game „Killswitch“. Auch in DEEP BLACK wird ein Deckungssystem verwendet. Aus der Deckung kann man sich dann herauslehnen und feuern. Auch ist es möglich blind aus der Deckung zu feuern, was aber nicht besonders effektiv ist.

Als Spieler arbeitet man sich mittels dieses Deckungssystems von Kiste zu Kiste, von Stellwand zu Stellwand und bekämpft die typischen Soldaten-Feinde. Übermäßig brutal ist DEEP BLACK aber nicht, was auch die Freigabe ab 16 Jahren zeigt. Ab und an kämpft man auch gegen Geschütztürme und andere automatische Waffensysteme. An einigen Stellen kann man sogar selbst Geschütztürme bemannen und dann in Moorhuhn-Manier die Gegner beharken.

Die Vorgehensweise und das Deckungssystem machen einen spielerischen Designmangel deutlich. Sobald man in einen Raum kommt, in dem haufenweise Kisten und andere Deckunsmöglichkeiten stehen, kann man davon ausgehen, dass man gleich auf Feinde trifft. Dieser Automatismus war schon in „Mass Effect 2“ vorhersehbar und ist es in DEEP BLACK leider auch.

Die Feinde verhalten sich zumeist wenig klug. Sie nehmen zwar Deckung, versuchen aber nicht zu kooperieren. Manchmal strecken sie auch Teile ihres Körpers aus der Deckung, ohne zu bemerken, dass sie getroffen werden können. Man muss also nur abwarten, bis sie nachladen, dann sind sie meist wehrlos.

Das eigene Waffenarsenal ist einerseits shooter-typisch mit z.B. Sturmgewehren und Schrotflinten bestückt. Es existieren aber auch utopische Waffen, wie ein EMP-Gewehr oder eine Railgun. Zudem kann man EMP-Granaten werfen. Dies funktioniert so, dass man zunächst beim Drücken der G-Taste eine Parabelbahn angezeigt bekommt, die man korrigieren kann und erst beim Loslassen der Taste die Granate geworfen wird, die dann auch an Untergründen haften bleibt. Diese Wurfmechanik ist insgesamt sehr gut gelöst.

Das Spiel wechselt die Kampfumgebung ab. Nicht nur an Land ist man unterwegs, wobei man hier durch die Höhlensysteme der Forschungseinrichtung sich bewegt, sondern auch unter Wasser.

Im feuchten Nass ist man frei beweglich und mittels einer Art Jet-Pack kann man auch schneller vorankommen. Auch hier warten Gegner auf einen. Diese müssen nicht immer menschlich sein, sondern es können auch Maschinen den Spieler bekämpfen, wie beispielsweise Dronen und Haftminen, sowie Bewegungsminen und andere Robotertypen.

Mittels eines Greifhakens kann der Spieler an bestimmten Stellen die Spielumgebung manipulieren. So lässt er Gangways herunter oder öffnet Gittertore.

Aus dem Wasser heraus kann man auch mittels automatischem Lock-On-Zielerfassung die Feinde unbemerkt ausschalten.

Ab und an sind noch Bugs zu bemerken. So bleiben manchmal Gegner in Türen kleben oder es gibt andere Clipping-Fehler. Auch ist das Spiel mehrfach abgestürzt. Ein neu erschienener Patch verspricht Abhilfe. Vorsichtshalber sollte man vor dem Aufspielen des Patches kein Savegame angelegt haben, bzw. dieses gesichert haben.

Der Spielablauf ist nach einiger Zeit repetitiv, Abwechslung bieten die Zwischensequenzen.

Dennoch macht es durchaus Spaß DEEP BLACK zu spielen. Man muss sich nur der Mängel bewusst sein. Als Spieler kann man Gefallen finden am Spielfluss, den DEEP BLACK bietet. Zudem ist das Gefühl der eigenen Überlegenheit gegenüber den KI-Soldaten auch ein Grund, DEEP BLACK zu spielen. Erfolgserlebnisse sind damit auch Gelegenheitsspielern sicher.

Recht ordentlich gefallen kann auch der Multiplayer-Bereich. DEEP BLACK bietet Internet-Multiplayer und auch LAN-Support. Hier können sich bis zu 8 Spieler gegenseitig beharken. Zur Verfügung stehen aber lediglich zwei Modi – Deathmatch und Teamdeathmatch. Es wäre wünschenswert, dass Biart per Patch weitere Modi hinzufügt. Die Anzahl der Maps ist mit 5 auch recht überschaubar.

 

Grafik und Sound:

DEEP BLACK kann grafisch in der Oberliga mitspielen. Bis zur Spitze reicht es aber nicht ganz, doch was die biEngine von Biart auf den Bildschirm zaubert ist nicht zu verachten.

Die Texturen sind hoch aufgelöst und verbinden dies mit einem gut austarierten Bump-Mapping. Farbige Leuchtquellen erstrahlen intensiv und überstrahlen zumeist nebenliegende Bereiche. Im Zusammenspiel mit den Texturen ergibt sich somit ein stimmungsvolles grafisches Gesamtbild in den Überwasserabschnitten.

Unterwasser legt die Engine von Biart sogar noch eine Schippe drauf. Hier dümpeln Fässer und andere Gegenstände (wie z.B. Bierflaschen) auf der Wasseroberfläche, selten sind kleine Fische zu sehen, Luftblasen perlen und Unterseevulkane speien heißes Wasser aus. Zudem überzieht ein Unschärfeeffekt die distanzierten Gegenstände und Wände und Böden sind mit sich bewegenden Wasserschatten bedeckt. Hier lässt Biart es ordentlich grafisch krachen und überzeugt mit einem atmosphärischen Gesamtbild.

Die Animationen der Gegner sind ordentlich, weisen dennoch einige Macken auf. So ist die Bewegungsfähigkeit recht eingeschränkt und die Gegner vollführen immer die gleichen Moves. So wirken die Animationen an einigen Stellen im Spiel recht marionettenhaft.

Einschusslöcher in Oberflächen werden lobenswerterweise grafisch dargestellt, verschwinden aber sehr schnell wieder, was den realistischen Eindruck schmälert.

Der Sound von DEEP BLACK ist als ausreichend gelungen zu bezeichnen. Die Musik wirkt beim ersten Hören sehr gut, ist orchestral ausgelegt und soll Hollywood-Blockbuster-Atmosphäre erzeugen. Leider wiederholt sich das Thema sehr schnell, so dass sie bald nervig aus den Lautsprechern knarzt. Da hilft nur – Abdrehen.

Die übrigen Sounds sind gelungen und passen sehr gut zu den betreffenden Geräuschquellen, seien es die Waffensounds oder andere.

Die Synchronsprecher machen ihren Job überzeugend und hauchen mit ihren Stimmen den Charakteren Leben ein. Dies wird in den Zwischensequenzen durchaus recht eindrucksvoll gezeigt.

 

Fazit:

Biart ist mit DEEP BLACK eine kleine Überraschung geglückt. Zu einem Zeitpunkt, an dem niemand damit rechnete, erscheint das Spiel und überzeugt in vielen Bereichen. Die Grafik ist atmosphärisch, das Gameplay bemüht sich weitgehend erfolgreich um Abwechslung und auch der Multiplayerpart ist mit Internet- und LAN-Support vorhanden. Auf der anderen Seite werden auch Mängel deutlich, wenn man beispielsweise an das Repetetive beim Gameplay denkt, an die Bugs und KI-Schwächen.

Doch DEEP BLACK macht vor allem eines – Spaß. Das Deckungssystem funktioniert wunderbar, die Granatenwurf-Mechanik ist gelungen und mitsamt der hübschen und stimmungsvollen Grafik entwickelt sich ein Spiel-Flow-Gefühl, das überzeugt.

Auch wenn DEEP BLACK nicht in der Spitzenliga zu finden ist, gute Oberklasse ist es allemal und somit eine Kaufempfehlung wert.

 

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Game:

Deep Black

von EuroVideo Bildprogramm GmbH

Plattform: Windows 7 / Vista / XP

USK-Einstufung: USK ab 16 freigegeben

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.06.2011, zuletzt aktualisiert: 18.06.2019 11:05