Defiance (DVD)
 
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Unbeugsam - Defiance

Rezension von Björn Backes

 

Daniel Craig lässt sich auch nach dem zweiten 007-Streifen nicht auf die Rolle des Geheimagenten reduzieren – warum auch, schließlich ist das schauspielerische Potenzial des Bond-Mimen viel zu umfassend, als dass er sich in die festgefahrenen Charakterschemen des berühmten Leinwandspektakels pressen lassen müsste. Unter der Regie von Edward Zwick spielte Craig im letzten Jahr eine seiner wichtigsten Parts ein und veredelte damit einen der wichtigsten, sicher aber auch diskussionswürdigsten Streifen der Saison 2008. Mit ein bisschen Verspätung erscheing „Unbeugsam – Defiance“ nun auch im digitalen Medienbereich – und sorgt hier einmal mehr für viele eiskalte, emotionsbedingte Schauer.

 

Story:

Die drei Bielski-Brüder Tuvia, Zus und Asael werden sehr früh von den Gräueln der Judenverfolgung des zweiten Weltkriegs heimgesucht. Die Nazis haben ihre Eltern auf dem Gewissen und löschen im Zuge des Holocausts ihre gesamte Gemeinschaft aus. Auf der Flucht landen die Brüder in den Wäldern Weißrusslands, in denen sie seinerzeit aufgewachsen waren. Getrieben vom Hass, den das sinnlose Morden in ihnen geweckt hat, setzen sie sich alsbald zur Wehr und starten eine Partisanenbewegung, die sich dem rassistischen Massenmord entgegenstellt. Immer mehr Juden flüchten in das Lager die Bielskis und sehen besonders in Tuvia den Heilsbringer und Retter. Je härter der Widerstand wächst, desto größer wird jedoch auch die Last auf den Schultern des bescheidenen Anführers. Und als dieser das Zepter an seinen Bruder Asael weitergibt, kommt es zu ersten internen Konflikten, die den Frieden innerhalb der jüdischen Partisanenbewegung auf eine harte Probe stellt. Doch letzten Endes kämpfen alle gemeinsam für ein einziges Ziel: Das nackte Überleben!

 

Rezension:

Im Grunde genommen könnte es kaum besseren Stoff für einen Antikriegsfilm geben als die Materie in „Defiance“: Der unvergleichbar brutale, von den Nazis inszenierte Massenmord wird auf ewig ein Thema sein, dass die Menschheit bewegt und auch in der cineastischen Megainszenierung für Erschrockenheit und Betroffenheit sorgen wird. Dennoch spielt die Ernsthaftigkeit und der Hang zu theatralischen Darbietungen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle bei der Qualität des Materials – und gerade wenn man bedenkt, dass in „Unbeugsam“ mit harten Waffen zurückgeschossen wird, war es für Regisseur Zwick eine unglaublich schwierige Aufgabe, das Drama an sich einzufangen, die Spannung aufrechtzuerhalten und zu guter Letzt, wenn man es denn so sagen darf, auch noch zu unterhalten.

 

Die Geschichte selber beruht unterdessen auf einer wahren Begebenheit, war bislang aber lediglich Thema der Insider-Literatur. Schändlich, wenn man bedenkt, welche Bedeutung die Partisanenbewegung der Bielskis für einen kleinen Teil der jüdischen Gemeine seinerzeit hatte. Dieser Aspekt macht es gerade für Hauptdarsteller Craig nicht leichter, den Part des Tuvia authentisch herüberzubringen, da der leicht verschüchterte Zentralcharakter des Streifens weitaus mehr verlangt als die knallharte Ausstrahlung eines James Bond. Wer Craig jedoch schon aus früheren Produktionen kennt, weiß um dessen Qualitäten und wird hier Augenzeuge einer weiteren schauspielerischen Steigerung. Überraschend für viele wird hier in erster Linie das Wechselspiel der Emotionen sein, mit dem Craig alias Tuvia die Zuschauer in seinen Bann zieht. Alles dreht sich um seine Person, er ist der Chefdenker und Lenker, der Anführer der Mission, insgeheim aber doch ein unsicherer, nicht immer entschlossener Rebell, dem seine Position mehr und mehr über den Kopf wächst. Die daraus resultierende innere Zerrissenheit, die später auch zum internen Familienzwist führt, ist dabei der eigentliche Clou in der Performance des Superstars – und rechtfertigt seinen Status in jeder einzelnen Sekunde dieses Films. Craig alleine ist schon Wert, „Defiance“ anzusehen.

 

Doch was geschieht unabhängig von der namhaften Besetzung? Nun, hier beginnt „Defiance“ einzelne kleine Schwierigkeiten zu entwickeln. Während der Plot in den ersten Kapiteln wirklich noch sehr glaubwürdig und authentisch wiedergegeben wird, verliert er seinen Fokus im Laufe der Story immer mal wieder. Zwick möchte zwar in erster Linie das Drama um die Familie und die flüchtenden Juden in den Mittelpunkt stellen, pendelt hierbei aber manchmal zu stark in Richtung Rachefeldzug und Hollywood-Bombast. Die Geschichte bleibt im Zuge dessen immer noch sehr bewegend, gerade bei den dramatischen Wendungen die sich innerhalb des Juden-Camps ergeben. Doch hin und wieder wird nicht wirklich klar, wo der Schwerpunkt bei der Grundaussage der Produktion liegen soll. Ist es nun doch vorrangig die Action? Soll es das historische Event sein, das hier zum ersten Mal spektakulär aufbereitet wird? Oder geht es doch um die Emotionen, die in dieser Extremsituation entstehen. Einen Mittelweg zu finden, war die Hauptaufgabe des Regisseurs, und das ist ihm über weite Strecken auch gelungen. Doch in einigen Passagen spürt man schon, dass es sich um einen Hollywood-Streifen handelt, der gelegentlich Kollisionen mit dem Independent-Inhalt hervorruft- und das darf man bei der Gesamtbetrachtung dieser an sich wirklich sehr starken Story nicht außer Acht lassen!

 

Fazit:

“Unbeugsam – Defiance“ zeigt einerseits das unverblümte Bild des Holocausts und dessen Folgen, ist andererseits aber auch zu einem Teil eine reine Action-Produktion mit einigen zweifelhaften moralischen Nuancen. Dank des fabelhaft aufgelegten Daniel Craig verdient der Film aber flächendeckende Aufmerksamkeit und zudem eine Menge Applaus!

 

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240418164337043052cb
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DVD:

Unbeugsam - Defiance

USA, 2008

Regisseur: Edward Zwick

Komponist: James Newton Howard

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: 12

Paramount, 1. Oktober 2009

Spieldauer: 132 Minuten

 

ASIN: B0026ZPM4Q

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Daniel Craig

Jamie Bell

Liev Schreiber


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Erstellt: 02.10.2009, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 9287