Der Baader-Meinhof-Komplex (DVD)
 
Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Der Baader-Meinhof-Komplex (DVD)

Rezension von Cronn

 

Vieles ist in Dokumentationen verfilmt und noch mehr ist geschrieben worden über die Bildung und den Kampf der RAF im Deutschland der 60er und 70er Jahre. Das wohl umfangreichste und mit dem größten Einblick verfasste Werk dürfte Stefan Austs Der Baader-Meinhof Komplex darstellen.

Zuerst 1985 erschienen, später immer wieder überarbeitet, stellt das Werk von Stefan Aust, selbst Mitarbeiter von „konkret“ und damit Zeitgenosse und Kollege von Ulrike Meinhof, einen Meilenstein in der Auseinandersetzung mit dem Thema „RAF“ dar.

 

Nun hat im Jahr 2008 Regisseur Uli Edel, bekannt durch Filme wie Christiane F., und Produzent Bernd Eichinger den Stoff mit großer Starbesetzung fürs Kino verfilmt und bringt einen 150-Minuten-Streifen im Jahr 2009 auf DVD heraus.

 

Das Werk erscheint bei Constantin Film.

 

Inhalt:

Die Bundesrepublik Deutschland in den 70er Jahren: Die radikalisierten Kinder der Nazi-Generation, angeführt von Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), der ehemaligen Starkolumnistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) kämpfen gegen das, was sie als das neue Gesicht des Faschismus begreifen: die US-amerikanische Politik in Vietnam, im Nahen Osten und in der Dritten Welt, die von führenden Köpfen der deutschen Politik, Justiz und Industrie unterstützt wird. Die von Baader, Meinhof und Ensslin gegründete Rote Armee Fraktion hat der Bundesrepublik Deutschland den Krieg erklärt. Es gibt Tote und Verletzte, die Situation eskaliert, und die noch junge Demokratie wird in ihren Grundfesten erschüttert. Der Mann, der die Taten der Terroristen zwar nicht billigt, aber dennoch zu verstehen versucht, ist auch ihr Jäger: der Leiter des Bundeskriminalamts Horst Herold (Bruno Ganz). Obwohl er große Fahndungserfolge verbucht, ist er sich bewusst, dass die Polizei allein die Spirale der Gewalt nicht aufhalten kann.

 

Kritik:

Ein umfangreiches Standardwerk zu verfilmen birgt immer das große Risiko in sich Teile der Vorlage im Drehbuch umarbeiten zu müssen, zu vereinfachen, damit möglicherweise zu simplifizieren. Uli Edels Film „Der Baader-Meinhof Komplex“ entgeht nicht völlig dieser Gefahr, ist aber auch nicht völlig am Thema vorbei konzipiert und unkritisch ahistorisch und zu sehr dramatisierend. Sehr bedacht geht er vor, schildert die Hintergründe der RAF sehr eingehend, bevor er auch dem BKA-Beamten die Chance auf etwas Profilierung gibt. Im Mittelteil allerdings gerät der Film in hektische Gewässer und nicht jeder Kinogänger und DVD-Zuschauer wird über die Hintergründe der RAF soweit informiert sein, dass er mit den vielen Namen und Fakten im Blitz-Stil von Edel komponiert etwas anfangen kann. Man sollte also demnach ein gutes Grundwissen über diese Zeit mitbringen, ehe man den Film sich ansieht.

 

Die Darsteller-Riege ist grandios besetzt, allen voran Martina Gedeck als Ulrike Meinhof, die zwischen Familie und RAF-Kampf schwankt, dann sich schließlich für die RAF entscheidet. Ebenfalls in seiner ganzen Brutalität und Nonkonformität darstellerisch überzeugend gespielt: Andreas Baader. Moritz Bleibtreu macht den geschichtlich fassbaren Charakter zu einem emotional erfahrbaren. Besonders in Gedächtnis geblieben ist Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin. Ihre Darstellung entfaltet eine große Bandbreite zwischen Ideologie-Fanatismus, Emotionalität und Wahn.

 

Die Film-Bilder sind in dem typisch leicht farbunechten Stil der Fernseh-Bilder der damaligen Zeit gedreht und täuschen damit Dokumentationscharakter vor. Dies ist aber nicht als negativ zu werten, denn der Film lehnt sich recht genau an die Verhältnisse und Ereignisse von damals an.

 

Bonusmaterial:

Mit einem Blick hinter die Kulissen, den Darstellerinfos und einem Audiokommentar von Uli Edel (Regie) ist die vorliegende DVD ausgestattet. Wer mehr Informationen möchte greift daher besser zu der umfangreicheren Premium-DVD-Edition.

 

Fazit:

„Der Baader-Meinhof Komplex“ ist ein hervorragend inszeniertes deutsches Kino über die eigene jüngere Vergangenheit, die vielen als schon so weit her wie der zweite Weltkrieg erscheint und dennoch erst in den 70er Jahren geschah.

Die grandios aufspielenden Darsteller und die Intensität des Dargestellten überzeugen. Hintergrundwissen vorausgesetzt steht einem spannenden und informativen DVD-Abend nichts mehr im Wege.

Nach oben

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404181241392fb1b804
Platzhalter

DVD:

Der Baader-Meinhof-Komplex

BRD 2008

Regie: Uli Edel

Produktion: Bernd Eichinger

Komponist: Peter Hinderthür, Florian Tessloff

Format: Dolby, DTS, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: 12

Paramount/Constantin, 12. März 2009

Spieldauer: 143 Minuten

DVD-Features: Blick hinter die Kulissen, Darstellerinfos, Audiokommentar von Uli Edel

 

ASIN: B001GNBUEA

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Moritz Bleibtreu

Martina Gedeck

Johanna Wokalek

Bruno Ganz


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 23.04.2009, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 8621