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Der Bauernhof (PC)

Rezension von Tanja Thome

 

Rezension:

Im September 2008 erschien Der Bauernhof, eine Landwirtschaftssimulation von astragon für den PC.

 

Handlung:

Kern des Spieles bilden ein Bauer und eine Bäuerin, die Hans und Elfi heißen, jedoch auch vom Spieler nach Belieben umbenannt werden können. Diese beiden führen einen Bauernhof und haben auf diesem alle Hände voll zu tun: Beete pflegen, Felder bestellen, Kühe melken, Schweine und Gänse mästen, Hühnereier absammeln – und natürlich ist dies leichter gesagt als getan. Schließlich wollen die Tiere nicht nur als Nutztiere verwendet, sondern auch ordentlich gepflegt werden, um nicht krank zu werden. Das bedeutet, dass die Ställe regelmäßig ausgemistet werden müssen, Futter und Wasser müssen frisch zur Verfügung stehen, auf den Beeten muss ebenfalls gewässert und gedüngt werden, und auch Unkraut gilt es regelmäßig zu jäten.

 

Die gewonnenen Ernten und Tierprodukte wie Milch, Eier und Wolle können in der Stadt verkauft werden. Hier kann man sich auch mit neuem Saatgut, Dünger, weiteren Tieren versorgen und den Schafscherer aufsuchen. Ebenfalls in der Stadt befindet sich ein Maschinenservice und ein Wirtshaus. Letzteres bietet Zerstreuung nach einem harten Tag – so kann man ‚Othello‘ gegen den Computer spielen (alias ‚Reversi‘) und dabei eventuell einen kleinen Zusatzgewinn einstreichen, oder man entspannt sich bei einem Glas Orangensaft. Vielleicht kommt man dabei auch auf die Idee, Hilfskräfte einzustellen – bis zu zwei davon vermittelt die Jobbörse der Stadt.

 

Die Spielziele bauen aufeinander auf. Zunächst muss genug Geld erwirtschaftet werden, um den Traktor reparieren zu lassen, der zu Spielbeginn bereits defekt ist. Ist dies geschafft, steht einem ab da eine Fahrt auf die Felder mit entsprechender Bewirtschaftung derselben zur Verfügung. Als nächstes soll der Mähdrescher repariert werden. Auf diesen Punkt kann man auch verzichten, ist dann allerdings hinsichtlich der Anbaumöglichkeiten auf den Feldern etwas eingeschränkt. Zu guter letzt benötigt man 15000 Euro, um das Bauernhaus ausbauen zu lassen.

 

Technik:

Die Grafik des Spiels ist sehr altbacken und simpel, so dass man sich doch sehr darüber wundert, ein Spiel aus dem Jahr 2008 zu spielen. Bekanntermaßen haben alte Spiele jedoch ein besonderes Flair, und dieses kommt zunächst tatsächlich auch bei diesem Spiel auf.

 

Es gibt Effektgeräusche, Sprachausgabe und eine Musikuntermalung, welche allesamt unaufdringlich sind, bei Bedarf jedoch, ebenso wie Bildschirmauflösung und Detailreichtum individuell eingestellt werden können.

 

Steuerung und Menü sind denkbar simpel. Zum Einsatz kommen ausschließlich Mausklicks sowie ein paar F-Tasten und die ESC-Taste zum Aufrufen besonderer Menüs. Via ESC kann man das Spiel speichern und verlassen, diese Taste ist alternativ auch als Pausetaste zu nutzen, da eine solche im Spiel nicht existiert. Die einzelnen F-Tasten erlauben das Aufrufen des Eigentums (nur Taleranzahl), des Inventars (im geführten Modus irrelevant) sowie das Aufrufen zwei verschiedener Hilfen, einmal einer allgemeinen und einmal einer zu diversen Spielaspekten als Sprachausgabe. Zuletzt kann man auch die Kameraoption an dieser Stelle auswählen-

 

Man kann zwischen Bauer und Bäuerin hin und her wechseln und diese entweder in der Ansicht von hinten oder in der Ich-Perspektive steuern. Gesteuert wird mit den Pfeiltasten, die man wegen des hohen Mauseinsatzes aber kaum braucht, wenn man den aufgabenorientierten (geführten) Modus verwendet.

 

Das Spiel kann auf zwei verschiedene Arten, die auch miteinander kombinierbar sind, gespielt werden. Einmal kann man aus der Perspektive einer Person alle Stationen selbst ablaufen und so quasi permanent selbst überall Hand anlegen, oder aber man nutzt den aufgabenorientierten Modus. Hierbei öffnet sich ein zusätzliches Textfenster, in dem zunächst die zur Verfügung stehenden Charaktere gelistet sind (Bauer und Bäuerin, eventuell bis zu zwei Hilfskräfte). Sind diese nicht ausgegraut und somit beschäftigt, kann man ihre Textzeile anklicken und erhält als nächstes eine Übersicht über die zu besuchenden Orte, zum Beispiel Beet 1, Beet 2, Kuhstall, Gänseteich und so weiter. Nach einem weiteren Klick auf die Ortstextzeile werden die Tätigkeiten des Ortes gelistet, die zu erledigen sind, andernfalls sind die Textzeilen ebenfalls ausgegraut. Besonders wichtige Ereignisse (zum Beispiel: ein Schaf kann geschoren werden, eine Kuh kann gemolken werden, die Hühnernester sind voll und müssen abgelesen werden) werden im Spiel davon unabhängig mit einem kurz aufpoppenden Textfeld angekündigt.

 

Nach einigen Stunden Spielzeit fallen zunehmend Bugs auf. Charaktere, die eigentlich etwas zu tun hätten, verharren bewegungslos am Fleck, irgendwann später passt deren Stimmung offenbar zu der des Spielers, denn ohne Rücksicht auf Verluste durchschreiten Charaktere und auch der Traktor dann plötzlich Wände, Zäune oder den Gartenteich. Auch der Spielfluss insgesamt nimmt ab, das Spiel wird ruckeliger und auch die Musik bleibt manchmal hängen. Ein Neustart des Spiels hilft in der Regel nicht, ein Neustart des Rechners zwecks Leerung des Arbeitsspeichers nur manchmal – und das wohlgemerkt einem Rechner mit 1 GB RAM und 512MB-Grafikkarte, also deutlich über den Systemvoraussetzungen liegend.

 

Spielspaß:

Einzig sinnvoll, um bei diesem Spiel länger am Ball zu bleiben, ist der aufgabenorientierte Modus, doch auch dieser nervt nach einer Weile gehörig, da es weder möglich ist, eine Kette aus Aufgaben zuzuweisen (alle Tätigkeiten müssen nacheinander via Klicks zugeteilt werden), noch kann man alle anstehenden Arbeiten auf einen Blick sehen. So muss man permanent klicken, klicken, klicken, um nicht zu verpassen, dass gegossen oder gefüttert werden muss.

 

Schickt man einen Bauern auf die Felder oder in die Stadt, so läuft auf den Hof zwar die Zeit weiter und somit wird beispielsweise weiterhin Futter verbraucht und die Saat wächst weiter heran, doch verfügen die Spielfiguren nicht über eine eigene Intelligenz. Werden sie nicht geführt, tun sie gar nichts, und auch zugewiesene Aufgaben, bevor man den Bildschirm wechselt, werden nicht unbedingt zu Ende gebracht. Gerade die Felder sind jedoch sehr zeitintensiv und trotz möglichem Zeitraffereinsatz auch sehr nervtötend, weil zwischen jeder Handlung der Traktor zurück in den Unterstand gefahren wird. Kommt man nach der Feldpflege also mit dem Charakter zurück zum Hof, kann es sein, dass in der Zwischenzeit Tiere erkrankt sind oder Unkraut die Beete übersät. Das gleiche Manko besteht beim Besuch in der Stadt. Leicht zu handlen, insofern man nur rasch kaufen und verkaufen will, setzt man sich jedoch eine Weile zwecks ‚Othello‘ ins Wirtshaus, kann man auch hier bei der Rückkehr zum Hof sein blaues Wunder erleben.

 

Angegeben ist das Spiel für Kinder ab drei Jahren, was etwas hoch gegriffen ist. Kinder ab etwa sechs Jahren können eine Zeit lang Spaß an dem Spiel haben, doch selbst ihnen vergeht die Zeit nicht schnell genug. Kinder sind immerhin noch ungeduldiger als Erwachsene – und selbst die brauchen gute vier Stunden Spielzeit allein, um den Traktor reparierbar zu machen. Selbst wenn man auf den Mähdrescher verzichtet, sind etwa fünfzehn bis zwanzig Stunden einzukalkulieren, bis man die ersehnten 15000 Euro für den Ausbau zusammen hat. Das wäre ja nicht einmal schlimm, wenn das Spiel bis dahin nicht so furchtbar eintönig und mit den zahllosen notwendigen Klicks nervig wäre, und auch dann nicht, wenn man für all die Mühe dann belohnt werden würde – aber auch das ist leider nicht der Fall.

 

Fazit:

„Der Bauernhof“ ist im Kern eine tolle Idee, und auch die eingebrachte Detailtreue hinsichtlich der Abläufe ist gelungen. Das kann man von der Grafik, der Steuerung und der Stabilität des Spiels allerdings nicht behaupten. Das Spiel wirkt, als sei es nicht zu Ende gedacht, oder als habe man Ende der Neunziger mit der Programmierung begonnen und diese nun überstürzt quasi mittendrin abgebrochen, um das Spiel 2008 endlich auf den Markt bringen zu können. Das Ergebnis ist ein langweiliges, mit der Zeit nervendes Spiel mit insgesamt wenigen Features und einigen Bugs.

Eure Meinung:


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PC-Spiel:

Der Bauernhof

Plattform: Windows 98E/XP/Vista

 

astragon Software GmbH / ak tronic, September 2008

 

ASIN: B001FSJYFS

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Min. Systemvoraussetzungen:

 

  • Prozessor mit 1,8GHz
  • 256 MB RAM
  • 400MB freier Festplattenspeicher
  • Grafikkarte ab GeForce 4 (mindestens Shadermodell 1.0), 128 MB Grafikspeicher
  • DirectX 9c oder besser
  • CD-ROM-Laufwerk
  • Soundblaster kompatible Soundkarte
  • aktuellste Grafik- und Soundtreiber

 

 

 


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Erstellt: 11.06.2009, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50