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Der goldene Kneifer von Daniela Wakonigg

Hörspiel

Reihe: Sherlock Holmes 40

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Der merkwürdige Todesfall um den populären Sekretär Willoughby Smith stellt die Kollegen von Scotland Yard vor ein großes Rätsel. Inspektor Lestrade, der die Ermittlungen aufgenommen hat, sieht sich gezwungen, seinen geschätzten Partner Sherlock Holmes zurate zu ziehen, der postwendend die Reise in den Außenbezirk auf das Anwesen des Professors Coram antritt. Vor Ort scheint die Sache dann schnell abgehandelt; erste Spuren lassen darauf schließen, dass Smith in geistiger Umnachtung Selbstmord begangen hat. Doch als Lestrade den Fall schon zu den Akten legen möchte, entdeckt Holmes bei der Obduktion ein klares Indiz für den Fremdeinfluss, der zum Tod Smiths geführt haben muss. Schritt für Schritt tastet er sich an den Professor und seine Mitarbeiter heran und setzt in seinem gewagten Schlussplädoyer alles auf eine Karte…

 

Rezension:

Mit „Der goldene Kneifer“ hat Hörbuchautorin Daniela Wankonigg eine der zahlreichen Kurzgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle neu belebt und sie in eine sehr raffinierte Rahmenhandlung gepackt, die dank der ausführlichen Ausschmückung auch der verlängerten Spielzeit von immerhin einer ganzen Stunde standhält. Bemerkenswert? Erst einmal nicht. Doch vor dem Hintergrund, dass der Fall in seinen Grundzügen bereits nach einem Drittel der Zeit aufgeklärt scheint und die Spannungskurve sich wieder in den Negativbereich wendet, dann aber einen rasanten Schwenk macht, ist es schon beachtlich, was Wankonigg und ihr Sprecherteam aus dem vergleichsweise zweitklassigen Holmes-Abenteuer noch alles herausschlagen.

 

Die Story als solche ist nämlich wirklich simpel und nicht mit dem Potenzial gesegnet wie die vermeintlichen Klassiker. Für den Mord kommen nur wenige Personen infrage, zu wenige eigentlich, und da sich die Selbstmordtheorie erwartungsgemäß nach wenigen Sekunden in alle Winde verstreut, ahnt man bereits, dass die Auflösung der Story nichts Spektakuläres mehr nach sich zieht. Allerdings hat man da den Wirt ohne den Wirt gemacht, und der heißt in diesem Fall Arthur Conan Doyle, welcher seinem Protagonisten noch etwas mehr Handlungsspielraum gewährt und die Geschichte zum eigentlichen Ende hin noch einmal völlig herumdreht. Ob dieser Zug clever ist, sei mal dahingestellt, da er irgendwie auch dokumentiert, dass die Ideen zu einem gewieften Kriminalspiel vorab nicht ausgearbeitet waren. Den Täter im Verborgenen zu suchen und schließlich Personen heranzuziehen, von denen in der vermeintlich richtigen Story keine Rede war, entpuppt sich sicherlich als einzig möglicher Rettungsanker, hat aber auch die Wirkung des Erzwungenen, künstlich Verlängerten. Zwar ist die Dramaturgie anständig ausgeschmückt, doch wenn man bedenkt, dass der größte Teil der Geschichte damit verbracht wird, der Schlussrede von Holmes zuzuhören, ist die Schwerpunktverteilung in „Der goldene Kneifer“ schon ziemlich ungleichmäßig ausgefallen – und nicht immer zur Zufriedenheit der Hörerschaft.

 

Letztere sollte sich davon aber dennoch nicht abhalten lassen, denn im Gegensatz zur eher durchschnittlichen Erzählung sind die Sprecher bestens aufgelegt und verleihen dem Plot die hier und dort fehlende Lebendigkeit. Christian Rode in der Rolle des Ermittlers hat zahlreiche Seitenhiebe für seinen tollpatschigen Gefährten Watson und den gewohntermaßen unbeholfenen Lestrade in petto, doch auch generell ist die Interaktion zwischen den Sprechern formidabel und qualitativ weitaus besser einzuschätzen als das, was das Drehbuch bzw. das Original hergeben!

 

Fazit:

Die Kunst eines Hörspiels besteht darin, Geschriebenes lebhaft zu gestalten und eine Atmosphäre zu kreieren, die Zeit, Situation und Erlebtes fesselnd koppelt. Dies ist in „Der goldene Kneifer“ dann auch prima gelungen. Nichtsdestotrotz ist die Story nicht die stärkste, so dass Episode 40 gerade zum Kennen lernen der Serie nicht die optimale erste Wahl ist!

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Eure Meinung:

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Hörspiel:

Der goldene Kneifer

Reihe: Sherlock Holmes 40

Dauer: 70 Minuten

Buch: Daniela Wakonigg

Bearbeitung/Aufnahme: Marc Chainiaux

Produktion und Regie: Studio Maritim

Illustration: Simon Römer

Maritim, Oktober 2009

 

ISBN-10: 3867142459

ISBN-13: 978-3867142458

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher:

Sherlock Holmes – Christian Rode

Dr. Watson Peter Groeger

Lestrade – Volker Brandt

Professor Coram – Eckart Dux

Susan Tarlton – Ghadah Al Akel

Willoughby Smith – Reent Reins

Mortimer – Klaus Dittmann

Mr. Filmore – Peter Weis

Sergeant Wilson – Thomas Karallus

Mrs. Marker – Tina Eschmann

Anna Coram – Christine Pappert


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Erstellt: 29.12.2009, zuletzt aktualisiert: 24.11.2021 08:02