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Der Heckenritter

Rezension von Christian Endres

 

Die Vorlage zu diesem Rittercomic stammt von niemand Geringerem als George R. R. Martin, einem der renommiertesten Fantasy-Autoren der Gegenwart; als US-Redakteur versuchte sich schon 1998 für die Novelle niemand geringerer als Robert Silverberg, trotz allem immer noch eine Legende der Science Fiction; und mit Ben Avery als Skripter und Mike S. Miller am Zeichenbrett sind ebenfalls keine Unbekannten aus dem Comicbusiness an Bord: Die Voraussetzungen und Personalien stimmten also, um Martins erste Heckenritter-Kurzgeschichte aus dem Jahre 1998 gebührend als Comic zu adaptieren...

 

Und die vielversprechenden Namen der Beteiligten halten Wort. Zwar dauert es noch ein paar Jahrzehnte, bis die Ereignisse aus Martins Das Lied von Feuer und Eis eine Rolle spielen sollten in den Sieben Königreichen - trotzdem ist das Setting der ersten Geschichte um den jungen Heckenritter »Sir Duncan den Großen« und seinen Knappen »Egg« ein unglaublich atmosphärisches Stück Fantasy. Nicht die großen Schlachten gegen Horden von Orks oder die bombastischen Glanzeffekte der Magie sind es, die diesen Sammelband und diese Geschichte zu etwas Besonderem machen - Wie in Martins Büchern, spielt die Story ohnehin eher in einem alternativen Mittelalter denn einer üppigen High-Fantasy-Welt. Doch eben diese medievale Welt schäumt und brodelt schier über vor Atmosphäre und Leben, vor Wegesrandromantik und Abenteuerlust. Eben den Dingen, die in der Literatur wie im Comic etwas Besonderes sind und jeder Geschichte einen ganz eigenen Glanz verleihen...

 

Wenn die Politik das Geschehen auf dem Turnierplatz bestimmt und Recht und Unrecht zwischen aufgewirbeltem Schlamm und spritzendem Blut verloren gehen, braucht es manchmal mehr als schlichten Heldenmut, um nach wie vor seinen Mann stehen zu können und Gerechtigkeit zu erfahren. Das muss auch Ser Duncan erfahren, als er sich mit einem der Prinzen des Drachen anlegt - und sich kurz darauf in einer prekären Situation wiederfindet, auf die ihn auch die Jahre auf der Straße an der Seite seines gerüsteten Herrn nicht vorbereiten konnten. Das Einzige, was ihn jetzt noch retten kann, scheint echte Ritterlichkeit zu sein...

 

Millers Artwork haucht dem Turnierplatz Leben ein. Mit viel Gespür für Details, Emotionen und Stimmungen, fängt Miller die mal raue, mal herzliche Atmosphäre sowie all das bunte Treiben um die vermeintliche Arena der Ritterlichkeit ein und trägt immens viel dazu bei, dass mit dem vorliegenden Sammelband endlich ein zeitgenössischer Fantasy-Comic vorliegt, an dessen äußerer Erscheinungsform es rein gar nichts zu beanstanden gibt, ja die sogar Seite für Seite auf handwerklich schlichte Art und Weise begeistert. Doch auch sonst gibt es kaum etwas zu bemängeln an diesem Tradepaperback, dessen Inhalt von der Atmosphäre und seinen Charakteren her ebenso überzeugt wie die schöne Aufmachung, die mit Klappenbroschur samt Wappenkunde und Original-Covern eine würdige Rüstung für dieses erstklassige Ritterspektakel darstellt.

 

George R. R. Martins »Der Heckenritter« - das ist die Pop-Version von Prinz Eisenherz, in der Fosters visuelle Opulenz lediglich gegen einen etwas moderneren und weniger ätherischen Fokus eingetauscht wird. Dennoch bewahrt sich auch der Heckenritter den Charme eines klassischen Rittercomics und vermag es, Abenteuerlust, Begeisterung und kindliche Freude im Herzen seines schnell ins Geschehen gezogenen Lesers zu wecken.

 

Was ihm zum Turniersieg über die meisten seiner heutigen Artverwandten und gleichzeitig zur Höchstnote verhilft.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

Der Heckenritter

Autor: George R. R. Martin

Skript: Ben Avery

Zeichner: Mike S. Miller

Panini, Paperback 2007, 148 Seiten

ISBN: 3866074824

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 31.08.2007, zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 18:26