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Der Herr der Finsternis

All in one

Rezension von Christian Endres

 

Sich als Autor einer modernen Fantasy-Geschichte innerhalb gewisser Standards zu bewegen, ist ja absolut legitim. Tolkien (oder dessen Inspirationsquellen) als Grundlage zu nehmen, wird ebenso häufig noch mit großem Erfolg praktiziert. Was lief dann bei »Der Herr der Finsternis« falsch? Es ist die gnadenlose Aneinanderreihung von Stereotypen, die es so schwer macht, dieses vermeintliche Comic-Epos in vier Akten zu mögen. Gefallene Götter und deren böse Söhne, Halblinge, Zauberer, Piraten – das kennt man alles schon, und das meiste davon in weit ansprechenderer Form. Wenn man schon die bewährten Schablonen des Genres nutzt und verknüpft, dann muss man die Figuren und das Szenario auch mit Leben füllen. Istin gelingt das so gut wie nie. Nur selten sind einem die Charaktere und ihr Schicksal wichtig. Sein Herz verschenkt man gar an keine der Figuren.

 

Und dann ist da noch das Artwork. Die wirklich großartigen, ja nahezu atemberaubenden zweiseitigen Splashpages mit hinreißenden Fantasy-Landschaften von Künstler Dim D. blitzen leider viel zu selten durch. Gleiches gilt für wirklich gelungene Panels, die gleichfalls einen traurigen Raritätenstatus genießen. Viel zu oft liefert der werte D. arg bieder aufgeteilte Seiten ohne echte Dynamik, mit eher mauen Charakter-Posen und vor allem mit viel zu viel Computer-Einsatz und -Effekten ab. Das will man heutzutage in dieser ausufernden Form eigentlich nicht mehr sehen. Vielleicht gibt es aus dem Kreis der Wargamer eine Zielgruppe dafür – der heutige Comic-Standard ist allerdings schon weiter.

 

Nicht jeder Blockbuster mit massenhaft CGI-animierten Schlachten-Szenen und zwei Stunden Laufzeit ist automatisch ein guter Film. Gleiches gilt für »Der Herr der Finsternis«. Schön und wuchtig verpackt, ein paar nette Szenen und eine Handvoll grandioser Doppelseiten genügen am Ende einfach nicht, auch wenn Preis/Leistung mit 10,- pro Einzelalbum absolut in Ordnung gehen (und die Aufmachung – aller Proteste der nach handlichen Klolektüren schreienden Kollegen zum Trotz – wirklich was her macht). Am mauen Standard-Prozedere des Inhalts und seiner künstlerischen Präsentation ändert das leider freilich nichts.

 

Vielleicht ist dieser Comic ja etwas für Fans von Fantasy-Videogames und Online-MMORPGs. Aber wenn, dann wirklich nur für diese.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Der Herr der Finsternis

All in One

Autor: Jean-Luc Istin

Zeichner: Dim D.

HC-Album, 190 Seiten

Ehapa, Mai 2009

ISBN: 3770433076

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 28.07.2009, zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 18:26