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Der Hobbit (Graphic Novel)

Rezension von Christian Endres

 

J. R. R. Tolkiens »Der Hobbit« ist wohl das universell-beliebteste Fantasy-Buch aller Zeiten - und das quer durch alle Alters- und Gewichtsklassen. Ob Fantasy-Neuling oder alter Genre-Hase: Mit Bilbo Beutlin, Gandalf und der Zwergenschar um Thorin Eichenschild geht jeder gern auf Reisen, auch mehrmals oder bisweilen sogar regelmäßig. Außerdem sind die Abenteuer des vermeintlichen Meisterdiebs und Fassreiters aus Hobbingen die perfekte (und in Folge dessen viel zitierte) »Einstiegsdroge« in die zahlreichen fantastischen Welten, die es nach Tolkien in der Regel zu entdecken gilt.

 

Kein Wunder also, dass Tolkiens zeitloser Mittelerde-Erstling sich auch großer Beliebtheit erfreut, wenn es um Adaptionen des reichlich klassischen Fantasy-Stoffes geht: Hörspiele und Hörbuch, PC- und Videogame, Brett-, Tabletop- und Sammelkartenspiel – das alles gibt es schon, und nun plant Pans Labyrinth-Regisseur Guillermo del Toro nach Hellboy II: Die Goldene Armee bekanntermaßen ja sogar die zweiteilige Verfilmung fürs Kino.

 

Und dann gibt es da natürlich auch noch die Comic-Adaption von Charles Dixon und David Wenzel, die nun auch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat. Nicht so viele, wie das Impressum der aktuellen Neuauflage irrtümlicherweise vorgibt (1937 erschien lediglich das Buch zum ersten Mal), aber immerhin auch schon knapp 20 Jahre (zwischen 1989 und 1990 wurden die drei Original-Ausgaben veröffentlicht). Grund genug für Ausnahme-Zeichner und –Illustrator David Wenzel, dem Artwork der üppigen Graphic Novel eine Überarbeitung zu spendieren, die Carlsen nun auch einmal mehr als Sammelband auf Deutsch veröffentlicht – mit neuem, wunderschönen Wrap-Around-Cover von Wenzel und eben etwas mehr als 30 von diesem überarbeiteten Seiten, wie sich überhaupt die gesamte Anmutung der Farben durch das neue Einscannen ordentlich verschoben hat – alles wirkt erdiger, in positiven Sinne »schmutziger« und dunkler im direkten Vergleich zu den Vorgängern wie etwa der letzten Neuauflage von 2001. Außerdem wurden die Textboxen erneuert und schön halbtransparent angelegt und die Vorsatz-Seiten mit neuen Illustrationen gestaltet.

 

Doch schon vor der Überarbeitung durch Wenzel und dem technischen Quantensprung in Sachen Reproduktion war »Der Hobbit« ein brillantes Glanzstück - sozusagen das Arkenjuwel des traditionellen Fantasy-Comics.

 

Dass der »Hobbit« als »grafischer Roman« somit auch knapp 20 Jahre nach seinem ersten Erscheinen bei Eclipse Comics in drei Akten noch ein liebevoll gezeichnetes und respektvoll, ja akribisch adaptiertes Meisterwerk fantastischer Comic-Unterhaltung ist, sollte daher nicht weiter verwundern. Das liegt aber nicht allein an der vortrefflichen Vorlage von Altmeister Tolkien. Es liegt auch daran, dass Dixon (Script, Adaption) und Wenzel (Zeichnungen, Farben) die große Fahrt des kleinen Hobbits hin zum Einsamen Berg mit viel Liebe zum Detail und entsprechender Sorgfalt in ein anderes Medium transferierten. Große Textmengen, die ganz nahe am Originalwortlaut des Buches sind, sowie Wenzels wunderbare, ungekünstelte Panelgemälde machen den Sammelband in der überarbeiteten, sozusagen »aufgepimpten« Version endgültig zu einem echten Schmankerl, das nach wie vor darauf wartet, wieder entdeckt - oder besser: wieder einmal gelesen - und von Neuem geliebt zu werden.

 

»Neuauflage« schreibt man schnell aufs Papier. In diesem Fall ist dann aber auch wirklich alles Gold, was glänzt, um Bilbo aus dem »Hobbit«-Sequel mit den Ringen zu zitieren: Allein die neue Farbigkeit aller Seiten ist ein Grund, sich diese Auflage genau anzuschauen – denn die Dunkelheit steht Mittelerde ausnahmsweise sehr gut!

 

Wer als Tolkien-, Comic- oder Fantasy-Fan jetzt immer noch nicht zuschlägt, ist selbst Schuld. Möge ihm der Bart abfallen.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

oben: altes Cover
unten: Neuauflage

Der Hobbit

adaptiert von Charles Dixon

Zeichner: David Wenzel

Neuauflage, Carlsen 2008

Softcover, 144 Seiten

ISBN-Code: 3551761019

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 15.09.2005, zuletzt aktualisiert: 21.07.2019 11:39