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Der Lehrling des Magiers

Reihe: Midkemia Band 1

Rezension von Christian Endres

 

Man kann von Raymond E. Feists Fantasy-Kosmos sagen, was man möchte: Den Erfolg spricht ihm keiner ab. Und dass Fantasy als Massenmedienprodukt in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist, dürfte auch schon lange kein Geheimnis mehr sein. Was liegt also aus verlegerischer Sicht näher, als Feists ungemein erfolgreiche Midkemia-Saga und das in den letzten drei, vier Jahren wieder deutlich erstarkende Medium/Genre Fantasy-Comic zusammenzuführen? Eben. Nichts. Panini spendierte den ersten sechs US-Heften der Feist’schen Midkemia-Saga nach Salvatores Dunkelelf, Martins Heckenritter, Moorcocks Elric und kurz vor Whedons Buffy bereitwillig ein Tradepaperback mit den Standards Klappenbroschur, Cover-Galerie und Weltenkarte auf den inneren Umschlagsseiten.

 

Der Einstieg in den ersten Band der Saga könnte dann auch schöner nicht sein: Mit unglaublich viel Herz gibt Raymond E. Feist seiner Liebe und Verbundenheit zum Comic Ausdruck, ehe wir uns danach auf die von Nichael Avon Oeming und Bryan J. Glass umgesetzte Adaption für das eben von Feist so getätschelte Medium stürzen. Wie in der literarischen Vorlage von 1982 begleiten wir darin die beiden Freunde Pug und Tomas, die am Hof im Herzogtum Crydee heranwachsen - und dort ferner und ohne ihr Wissen zur letzten Hoffnung für die Welt, wie sie und die Leser sie bald kennen. Denn während Pug und Tomas noch ihre Fähigkeiten und Bestimmung suchen und Liebe und Freundschaft entdecken, nähert sich aus fremden Dimensionen eine schreckliche Bedrohung für ganz Midkemia...

 

Am Ende liest das Ganze sich wie ein Prolog bzw. ein typischer erster Band einer groß angelegten Fantasy-Saga im Schnelldurchlauf. Trotz aller offensichtlichen Raffungen, Kürzungen und Zeitsprünge, entwickelt die Geschichte um Pug und Tomas aber dennoch ihren ganz eigenen Charme. Natürlich hat sie Schwächen, erst Recht in der löchrigen Aufbereitung und Zusammenfassung für den Comic - aber irgendwo tief in ihr schlummert immer noch das Herz einer guten, wenn aus heutiger Sicht auch ziemlich verbrauchten Fantasy-Geschichte mit lebendigen Charakteren.

 

Zwischendurch gibt es zudem immer wieder sehr schöne Szenen. Gerade die widersprüchliche Love-Story zwischen dem Küchenjungen Pug und der Prinzessin macht auch in konzentrierter Comic-Form einiges her und ist unglaublich süß. Natürlich täuscht sie nicht über Schwächen wie etwa die ziemlich textlastigen und zähen Erklär-Passagen oder die manchmal doch recht seltsamen, da zu raschen Charakterentwicklungen hinweg. Aber es wäre unfair, Oeming und Glass nicht wenigstens zuzugestehen, die Essenz der Romanvorlage halbwegs eingefangen zu haben.

 

Auch die optische Adaption des Buches ist eine Co-Produktion, in diesem Fall von Brett Booth (US-Hefte 1-3) und Ryan Stegmann (US #4-6). Booth ist dabei, im Guten wie im Schlechten, zwangsläufig dem IMAGE-Look á la Jim Lee und Michael Turner ziemlich nahe, während Stegman mit ganz wenig Tusche und Elfquest-Feeling aufwarten kann. Überzeugen können letztlich beide Artworks nicht immer (und schon gar nicht im Zusammenspiel), eine Katastrophe sind sie, wie schon das Skript, aber zum Glück trotzdem nicht (obwohl der Stilbruch im Sammelband natürlich etwas unglücklich wirkt). Es gab weiß Gott schon schlechter gezeichnete Fantasy-Comics.

 

Aber eben auch schon bessere. Dieser Magier-Lehrling kommt, aller guten Vor- und Ansätze zum Trotz, letztlich einfach nicht über das Fantasy-Comic-Mittelmaß hinaus.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

Der Lehrling des Magiers

Reihe: Midkemia-Saga Band 1

Autor: Raymond E. Feist

Zeichner: Brett Booth; Ryan Stegman

Paperback, 144 Seiten

Panini, November 2007

ISBN: 3866075030

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 10.12.2007, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39