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Der letzte Schattenschnitzer von Christian von Aster

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1973 geborene Christian von Aster studierte Musik und Kunst, um sich später dann der Bühne, dem Film und dem Schreiben zuzuwenden. Vor allem die Gothic- und Phantastik-Szene begeistert er mit seinen Lesungen und ist bereits als Autor für sehr ungewöhnliche Werke bekannt, die ganz eigene Wege gehen. Das ist auch in seinem neusten Roman „Der letzte Schattenschnitzer“ wieder der Fall.

 

Die meisten Menschen wissen nicht, dass eine Gefahr unter ihnen wandelt, die sie als ganz selbstverständlich betrachten. Die meisten treten die Schatten heute unbedacht mit Füßen, achten und ehren sie nicht länger, denn sie haben vieles vergessen. Was aber wäre, wenn die Schatten in Wirklichkeit über ein eigenes Bewusstsein verfügen würden und somit selbstständige Wesen wären, die vor langer, langer Zeit erst an die Menschen gebunden wurden?

Nur wenige Magier wissen, mit was sie da eigentlich verbunden sind und haben sich damit beschäftigt, die Schattenmagie zu ergründen. Vor Jahrhunderte haben allerdings die Experimente eines Zaubermeisters dazu geführt, dass ein Schatten von seinem Joch befreit wurde und zu einem mächtigen, freien Wesen geworden ist, dass nur danach dürstet, die anderen Schatten zu befreien. Wenn das geschieht, dann ist die Menschheit zum Untergang verurteilt.

Zwar gelang es damals diesen Schattenschnitzer und den Schatten seines Erschaffers zu bannen, der das nötige Wissen besitzt, um mehr zu schaffen, aber nun mehren sich die Zeichen, dass beide ihr Gefängnis zerbrochen haben.

In dieser Zeit wird der junge Jonas Mandelbrodt geboren. Der Junge ist schon vor seiner Geburt ungewöhnlich, da er seine Mutter zu einem Verhalten veranlasst, an das sie vorher nie gedacht hat, und noch mehr danach, denn er scheint von Anfang an in einer eigenen Welt zu leben. Doch dem ist nicht so, der scheinbar autistische Knabe bekommt mehr mit, als die Eltern und Betreuer vermuten und sieht Dinge, die keinem anderen auffallen, auch als er noch sehr klein ist – so wie die Wahrheit hinter dem Mädchen Maria, das schattenlos geboren und nun von dem Vater als Heilige ausgebeutet wird ...

Niemand ahnt, dass Jonas vor seiner Zeit erwachsen wird, denn der Schatten, mit dem er sich sein Leben teilt, bringt ihm so manches bei – auch die Fähigkeit Schatten zu befreien oder zu vertauschen. Er erzieht ihn heimlich und bereitet ihn so auf seine große Aufgabe vor.

Allerdings geraten Jonas, wie auch das kleine Mädchen aus Mexiko schon bald in tödliche Gefahr, denn die Wächter, die um das Geheimnis der Schatten und ihrer Magie wissen, befürchten, dass die Kinder ihren Feinden in die Hände arbeiten könnten. So wollen sie sie töten, ehe sie ganz in ihre Macht hinein wachsen...

 

Wie ein alter Geschichtenerzähler breitet Christian von Aster die magische Geschichte der Schatten vor dem Leser aus und entführt dabei in eine zeitlose Welt, die zwar unsere Erde zu sein scheint, doch auch seltsam entrückt wirkt. Mit seinem künstlerischen Stil erschafft er eine märchenhafte Welt, die lose mit der Realität verhaftet ist, sich aber mehr auf die magischen Aspekte konzentriert. Dabei helfen die Auszüge aus einem fiktiven Buch von John Dee – bewusst in altertümlicher Sprache geschrieben, die Hintergründe zu verstehen. Was hat es mit den Schatten auf sich? Wie wirkt deren Magie, wann und warum haben die Menschen angefangen, sich ihrer nutzbar zu machen und die Wesen aus einer anderen Welt zu versklaven? Was wird das von einem Menschen geschaffene Unheil anrichten? All diese Fragen enthüllen sich im Verlauf der Geschichte, die ansonsten eher einfach gestrickt zu sein scheint.

Doch wie in jedem Märchen gibt es auch noch eine zweite Ebene, die hinter den schlichten Erzählungen von Jonas’ und Marias Kindheit durchschimmert. Dabei wird dem Jungen eine aktivere Rolle zugewiesen. Er ist nicht nur der Auserwählte, der seine Gaben schon früh entwickelt, als er reif genug ist, trifft er mehrfach Entscheidungen, die den Kurs der Handlung ändern. Das Mädchen aus Mexiko bleibt eher das Opfer der Umstände und sehr, sehr passiv – sie ist mehr oder weniger das Gefäß, dessen sich die dunklen Kräfte zu bemächtigen versuchen.

Der Roman punktet so weniger durch eine spannende Handlung als um so mehr durch die interessanten Ideen, die Christian von Aster einfließen lässt, ebenso wie die logische Ausarbeitung der Schattenmagie. Die Geschehnisse enthüllen stückweise den Zauber des Buches. Nur am Ende geht es etwas zu schnell voran, da sich die Ereignisse zu sehr überstürzen und zu einfach auflösen. Hier wären ein paar Seiten mehr Gold wert gewesen.

Dennoch überzeugt die Geschichte durch ihren eigenwilligen Inhalt und Stil.

 

„Der letzte Schattenschnitzer“ erweist sich damit als modernes Märchen für Erwachsene, das weniger durch seine Spannung als durch die gelungene Ausarbeitung der Schatten, ihrer Magie und des Hintergrunds oder den feinen verspielten Erzählstil punktet.

 

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Der letzte Schattenschnitzer

Autor: Christian von Aster

Gebunden, 313 Seiten

Klett Cotta, erschienen September 2011

Titelbild von Isabelle Hirtz

ISBN-10: 3608939172

ISBN-13: 978-3608939170

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.12.2011, zuletzt aktualisiert: 06.11.2019 08:21