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Der Mann aus Washington

Reihe: Lucky Luke Band 84

 

Rezension von Olaf Kieser

 

Rezension:

Lucky Luke ist eine der erfolgreichsten Comic-Serien in Deutschland. Der allgemein bekannte Cowboy Lucky Luke wurde von dem belgischen Comiczeichner und Autor Morris ( Maurice de Bévère ) erfunden. 1946 erschien das erste Abenteuer von Lucky Luke. Morris besaß ein großes Interesse an amerikanischer Geschichte, was den Abenteuern von Lucky Luke deutlich anzumerken ist. Ab 1955 arbeitete Morris mit verschiedenen Autoren, darunter der legendäre René Goscinny, zusammen an Lucky Luke. 2001 verstarb Morris. Derzeit wird die Serie vom Team Achdé (Hervé Darmenton) & Laurent Gerra gestaltet.

 

In diesem Frühjahr erscheint nun der 84. Band in Deutschland. Man kann Der Mann aus Washington als Einstimmung auf das Superwahljahr in Deutschland nehmen. Natürlich könnte er auch eine Art Kommentar zu dem gerade zurückliegenden US-Präsidentschaftswahlkampf sein, bei dem Obama US-Präsident wurde. Auf jeden Fall ist der neue Lucky Luke-Band ein Polit-Comic im Wilden Westen. 1877 steht die Wahl eines neuen Präsidenten an. Das Land hat die innere Spaltung durch den Sezessionskrieg noch immer nicht überwunden. Mit Rutherford B. Hayes scheint aber ein Kandidat gefunden zu sein, dem ein Ausgleich zwischen Norden und Süden zugetraut wird. Leider gibt es da einen gewissen Perry Camby aus Texas. Mr Camby will selbst um jeden Preis Präsident werden. Sein Vater ist durch Erdöl reich geworden und der Camby-Clan hat seine Finger in verschiedenen schmutzigen Geschäften. Außerdem erfreut sich Camby der Unterstützung diverser Lobby, wie z.B. der National Rifle Association. Sein Ehrgeiz geht so weit, dass Camby einen Killer anheuert, der Hayes auf dessen Wahlkampftour durch den Westen töten soll. Lucky Luke wird nun von einem befreundeten Senator gebeten, Hayes zu schützen. Luky Luke hat bald alle Hände voll zu tun, Hayes und dessen Wahlkampfteam vor hinterhältigen Anschlägen zu schützen und sicher durch den etwas, nun sagen wir mal raueren Wilden Westen zu bringen. Doch der Killer lässt sich nicht so leicht abschütteln, so dass sich Luke der Verdacht aufdrängt, dass er sich unter den Mitreisenden befindet.

 

Der aktuelle Band von Lucky Luke nimmt sich dem Thema Politik gewohnt humoristisch, ja manchmal sogar schon ein wenig frech an. So weist der fiese Camby nicht nur biographische Übereinstimmung mit George W. Bush auf, er sieht ihm auch verdammt ähnlich. Es werden nicht nur Witze auf Kosten dieser Figur gemacht. Die gesamte Politik wird als Zirkus dargestellt. Gerade in Wahlkampfzeiten kann man sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass da tatsächlich allerlei kurioses geboten wird. Aufmerksamkeit und spektakuläre Auftritte sind da wichtiger als Programme und Kompetenzen. Auch der Umgangston in politischen Debatten, der oft ein Mindestmaß an Gesprächsregeln vermissen lässt, bekommt sein Fett weg. Aber die Gags drehen sich natürlich nicht nur um Politik. Besonders das Spiel mit prominenten Namen und Anspielungen scheinen dem Kreativ-Team zu gefallen. Da gibt es eine Go-Go-Tänzerin namens Britney Schpires, ein als Tänzerin verkleideter Killer singt „Boys Will Be Boys“ und in Memphis soll ein gewisser Michael (Jackson) einen kleinen Jungen in Ruhe lassen. Schön ist auch das deutsche Städtchen „Hermann“, Eine Mauer, die dem Bürgermeisters Erich Berliner gehört, nimmt durch eines der Attentate Schaden. Das sind nur einige der witzigen Einfälle, auf die man beim Lesen des Bandes stoßen wird. Es lassen sich natürlich auch noch zahlreiche witzige Texte und Dialoge finden.

 

Ein schöner Einfall und Service ist auch das Extra-Blatt am Ende des Comics. Dort erfährt der interessierte Leser, dass die Geschichte um Rutherford B. Hayes nicht (ganz) erfunden ist. Er wurde 1877 tatsächlich als 19. Präsident der USA vereidigt.

 

Die Zeichnungen sind insgesamt gelungen. Sie sind im gewohnten realistisch-übertriebenen Stil der Reihe gehalten und ergänzen die Geschichte ideal. Die oft detailreichen Bilder bieten so viel Unterhaltungs- und Schauwert. Auch die Aufmachung des Bandes ist stimmig und gelungen. Als Rezensionsexemplar lag die Hardcoverausgabe des Comics vor. Im Zweifelsfall sollte man immer diese Ausgabe wählen, da sie doch um einiges stabiler sein wird, als eine Ausgabe mit Softcover.

 

Fazit:

Das Fazit fällt eindeutig positiv aus. „Lucky Luke: Der Mann aus Washington“ unterhält durch seinen frechen und anspielungsreichen Humor aufs Beste. Die Dichte an gelungenen Gags ist groß, so dass man auch bei mehrmaligem Lesen noch seine Freude an dem Comic haben wird. Insgesamt eine Investition, bei der das Geld gut angelegt ist.

Eure Meinung:

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Comic:

Der Mann aus Washington

Reihe: Lucky Luke Band 84

Original: Lucky Luke – L´homme de Washington, 2008

Text: Laurent Gerra & Achadé nach Morris

Zeichnungen: Achadé

Übersetzer: Klaus Jöken

gebundene, 46 Seiten

Ehapa Comic Collection, März 2009

 

ISBN-10: 3770432835

ISBN-13: 978-3770432837

 

Erhältlich bei Amazon

 


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Erstellt: 11.04.2009, zuletzt aktualisiert: 17.08.2020 17:41