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Der Piratenkönig von R. A. Salvatore

Reihe Die Legende vom Dunkelelf Band 2

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Unter der Herrschaft der Arkanen Bruderschaft ist Luskan zu einem sicheren Hafen für Piraten und Söldner geworden. Aber jetzt scheint die Macht der Bruderschaft endlich gebrochen zu sein. Kapitän Deudermont, ein enger Freund des Dunkelelfen Drizzt Do'Urden, ist fest entschlossen, die Stadt zu befreien. Als Drizzt es nicht schafft, dem Kapitän den selbstmörderischen Plan auszureden, bleibt ihm nur eine Möglichkeit - er muss seinem Freund zur Seite stehen ...

 

Rezension:

Die Legende vom Dunkelelf geht also nun in die zweite Runde und überrascht mit einer ziemlich deutlichen politischen Geschmacksnote die weit darüber hinausgeht, was Sword & Sorcery sonst zu bieten hat.

Im Wesentlichen geht es um das Ausloten einer sehr brisanten Situation. Kann man einem Volk von außen eine neue Lebensart aufstülpen?

Als Amerikaner hat R.A. Salvatore sicher einige Gründe dafür, sich mit dem Thema zu beschäftigen und dass es sich nicht um eine zufällige Konstellation der Ereignisse handelt, beweisen einige Umstände.

Gleich zu Beginn werden wir daran erinnert, dass die Zwerge von Mithrilhalle einen wackeligen Frieden mit dem Orkkönigreich eingegangen sind. Der stets böse Feind steht nun zwar nicht als Freund, aber zumindest auch nicht als Gegner da. Bruenor muss wohl oder übel akzeptieren, dass Politik auch Bündnisse mit Leuten bedeuten kann, die über Generationen hinweg Feinde waren. Auch Regis philosophiert beim Angeln darüber nach, ob er nicht irgendwann den Orks auf der anderen Seite der Grenze zeigen kann, wie man erfolgreich Köder auswirft.

In einer späteren Begebenheit treffen Drizzt und Regis auf die Rechtsprechung der Harpells, die ihnen moralisch überhaupt nicht zusagt, aber offensichtlich einen seltsamen Religionskonflikt im Zaume hält. Was Regis deutlich als Verbrechen ansieht, scheint für die Harpells die einzige Möglichkeit zu sein, einen blutigen Konflikt zu vermeiden. Weder Drizzt noch Regis können letztendlich über dieses System richten. Eine doch ziemlich moderne Auslegung der Fantasywelt durch den Autor, die sich deutlich von seinen Anfängen unterscheidet. Natürlich verliert eine solche ethische Differenziertheit an dramaturgischem Potential im Rahmen einer Fantasystory. Wenn man nicht mal ruhigen Gewissens Orks niedermetzeln darf, wo bleibt da der Spaß?

Aber wir kommen nicht umhin, diese Entwicklung der Fantasy wahrzunehmen als Spiegelung der Gesellschaft, die sich vom reinen Schwarz/Weiß Sehen abgewandt hat. Sicher sind die Geschichten nun nicht mehr einfach, gradlinig und sympathisch. Doch es ist gut, dass sich die Fantasy dieser Realität stellt.

 

Der Hauptplot handelt von Luskan, der Piratenstadt. Ein Lich im Zaubererturm hat die Kontrolle über die Stadt und ihre Politik übernommen, sehr zum Leidwesen der fünf Kapitäne, die eigentlich das Sagen haben sollten, wie bisher. In einer großangelegten Intrige werden der Piratenjäger Deudermont und ein Adliger aus Tiefenwasser dazu gebracht, einen Krieg gegen den Turm, und damit gegen die Regierung von Luskan, zu führen.

Die Probleme sind mit dem Sturz des Lichs nicht gelöst. Denn Piraten sind Piraten. Kann man ihnen die liberale Ordnung einer Handelstadt überstülpen?

 

Die Parallelen zum Irakkrieg und zu Afghanistan sind überdeutlich. Salvatore hinterfragt intensiv Motive der Befreier ebenso wie die der anderen Machtblöcke und hält sich mit trivialen Urteilen zurück. Das Scheitern der beiden Helden, so schmerzlich und umfassend es auch ist, zeigt letztlich nur auf, wie wenig es eine Rolle spielt, ob man Recht hat oder nicht.

Am ehesten bleibt als Lehre, dass man das tun muss, was man vor sich selbst verantworten kann.

Man konnte in anderen Rezensionen lesen, dass Der Piratenkönig zu wenig von Drizzt und seinen Gefährten enthielte. Das stimmt so nicht. Ein wesentlicher Nebenplot ist die Reise von Drizzt und Regis zu Wulfgar. Sie stoßen dabei nicht nur auf die bereits beschriebenen moralischen Probleme, sie nähern sich auch ihrer eigenen Mitte, erkennen, welche Werte wichtig sind. Nicht irgendeine nebulöse Ehre sondern Freundschaft und das Wissen um Heimat. Man spürt förmlich die Sehnsucht des Autors nach einer gelassenen Ruhe, irgendwo in friedlicher Natur aber nie zu weit weg von denen, die eine Bedeutung im Leben haben.

Die Figuren werden mit ihrem Schöpfer älter - gut, dass sie das dürfen.

 

 

Fazit:

Wer leichte Fantasykost oder elegische High Fantasy erwartet, erlebt mit "Der Piratenkönig" von R.A. Salvatore garantiert eine Überraschung. In konsequenter Fortführung seiner Figuren behandelt der Autor Probleme unserer Welt im Mantel einer trivial erscheinenden Handlung. In mehr als einer Hinsicht eine Herausforderung für den Leser.

Eure Meinung:


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Buch:

Der Piratenkönig

Reihe Die Legende vom Dunkelelf Band 2

Original Transitions 2: Pirate King, 2008

Autor: R.A. Salvatore

Übersetzer: Regina Winter

Taschenbuch, 476 Seiten

blanvalet, Oktober 2009

Cover: Todd Lockwood

 

ISBN-10: 3442266181

ISBN-13: 978-3442266180

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 19.12.2009, zuletzt aktualisiert: 06.11.2019 08:21