Der Scheibenweltkalender 2009 (Autor: Terry Pratchett)
 
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Der Scheibenweltkalender 2009 von Terry Pratchett

Rezension von Ingo Gatzer

 

Dass sich das Jahr langsam dem Ende neigt, erkennt man nicht nur daran, dass sich schon die Schoko-Weihnachtsmänner in den Regalen der Warenhäuser tummeln, sondern auch an den Stapeln von Kalendern, welche die Geschäfte dem geneigten Käufer offerieren, damit dieser auch für das neue Jahr den Versuch starten kann, Leben und Termine zu verplanen. Unter diesen Druckerzeugnissen befindet sich glücklicherweise auch ein Buch, das etwas anders ist, als die Anderen: Der Scheibenweltkalender - fast schon eine Institution - diesmal für das Jahr 2009.

 

Was es mit dieser ´Scheibenwelt` auf sich hat? Nun, dass ist die Schöpfung von Terry Pratchett, des wohl besten und bekanntesten Schriftstellers des Genres der komischen Fantasy. Man stelle sich eine Welt vor, die wie eine Pizza geformt ist - allerdings ohne Anchovis - und von vier riesigen Elefanten getragen wird, die wiederum auf einer gigantischen Schildkröte stehen, die sich langsam durch das Weltall bewegt, bevölkert von mehr oder minder seltsamen Menschen, Trollen, Zwergen, Vampiren, Zombies, Golems und anderen Wesen. Terry Pratchett gelingt dabei das Kunststück unterhaltsam klassische Genre-Stoffe zu parodieren, Motive aus der Alltagswelt humoristisch in die Scheibenwelt einfließen zu lassen, trotzdem aber eine glaubhafte Fantasy-Welt mit spannenden Geschichten zu schaffen, und dieses komplexe Gebilde mit seinem grandiosen Wortwitz zusammen zu halten. Bislang sind 36 Scheibenwelt-Romane erschienen, die in 34 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft wurden.

 

Der Kalender kann funktionell überzeugen, zumal der Rezensent sich von der ordnungsmäßigen Berücksichtigung aller 365 Tage des irdischen Jahres überzeugt hat. Am Anfang und Ende gibt es einen doppelseitigen Jahresplaner für das Jahr 2009 bzw. 2010, der sich beispielsweise dafür eignet Geburts- und Urlaubstage einzutragen, damit man diese immer im Blick hat. Für jede Woche ist ebenfalls jeweils eine Doppelseite reserviert. Personen, die über eine Vielzahl von Terminen verfügen, könnten hier möglicherweise etwas in Platznot kommen. Für den durchschnittlichen Benutzer dürfte sich der zur Verfügung stehende Raum aber als ausreichend erweisen.

 

Diese Vorzüge bieten natürlich auch herkömmliche Kalender. Warum sollte man also den Scheibenweltkalender kaufen? Nun, da sind gleich mehrere Gründe zu nennen.

 

Der Kalender enthält als Bonus auf etwa zwanzig Seiten einige kurze Texte über die Scheibenwelt. Den Anfang bilden einführende Worte über den Mönch Lu-Tze, der Eingeweihten unter anderen aus den Romanen “Der Zeitdieb“ oder “Die Nachtwache“ bekannt sein dürfte. Leider erweist sich dieser Auftakt eher als informativ und wenig witzig. Sollte dies der erste Scheibenweltkalender sein, der seinen Lesern nicht die faden Tage des Jahres mit einigen Lachern versüßt? Mitnichten. Denn schon die nächste Story über das Kloster Oi Dong - in dem die Mönche damit beschäftigt sind genug Zeit zusammen zu kratzen, damit Geschichte überhaupt stattfinden kann und quasi Zeit-Recycling (hiermit ist nicht die Wochenzeitschrift gemeint) betreiben - wird Fans der komischen Fantasy Lachtränen in die Augen treiben. Ähnlich überzeugend geraten sind auch die folgenden Stories, die sich mit dem Garten der fünf Überraschungen, der Blumenuhr, dem Weg von Frau Kosmopolit, der megabiotischen Diät, der Herrscherin der Finsternis Frau Leichtfuss und den Mönchen der Scheibenwelt beschäftigen. Und wahrlich ich schreibe Euch, dem geneigten Leser werden durch die Lektüre einige humorvolle Weisheiten auf seinem Weg zur Perplexität, das ist der Zustand welcher der Erleuchtung voran geht, offenbart werden. Einziger Kritikpunkt: Nach zwanzig Seiten ist leider Schluss.

 

Die Bilder von Paul Kidby, welche die Geschichten illustrieren und auch später im eigentlichen Kalender immer wieder auftauchen, sind von gewohnt hoher Qualität. Das ist wenig überraschend, da Kidby bereits seit dem Tod seines Vorgängers Josh Kirby im Jahr 2001 die Buchcover der Scheibenwelt-Romane illustriert.

 

Da die Woche auf der Scheibenwelt nicht nur sieben, sondern acht Tage hat, befindet sich auch im Kalender nach dem Sonntag noch der Oktotag. Hier sind häufig Weisheiten aus dem Weg von Frau Kosmopolit zu finden, die ihren witzigen Charakter dadurch erhalten, dass Alltagssätze und Hausfrauenweisheiten auf eine meditativ-religiöse Haltung fernöstlicher Prägung treffen. Es erweisen sich zwar nicht alle Gags als zündend, die Lektüre ist aber trotzdem unterhaltsam. Zudem verbleibt noch etwas Raum, den man etwa für die Wochenplanung nutzen kann.

 

Zudem bietet der Scheibenweltkalender einige Informationen, nach denen man bei Konkurrenzprodukten lange suchen kann. Etwa, dass am 25. Oktober das Finale des Flohhüpfens der Sto-Ebene steigt oder dass die Scheibenwelt-Convention vom 4. bis zum 7. September in Arizona stattfindet.

 

Sie denken ein Kalender ist ein Kalender ist eine Kalender? Mitnichten! Es gibt nur wenige Entschuldigungen den Scheibenweltkalender 2009 nicht zu besitzen. Entweder ist man mit Terry Pratchetts Scheibenwelt noch nicht vertraut. Dann sollte man einfach in die nächste Buchhandlung eilen und “Die Farben der Magie“, den ersten Roman der Reihe, anlesen und dann bei Gefallen eben doch den Scheibenweltkalender 2009 kaufen. Oder man nennt bereits den englischen Scheibenweltkalender 2008 sein Eigen. Denn die deutsche Ausgabe eines Scheibenkalender entspricht inhaltlich der englischen Ausgabe des Vorjahres.

Alle auf die diese Einschränkungen nicht zutreffen können den Scheibenweltkalender 2009 ruhigen Gewissens kaufen und ihn stilistisch sicher auf vier Elefantenfiguren legen und von ihrer Haus-Schildkröte durch die Gegend tragen lassen. Und natürlich gehören keine Anchovis drauf. Schließlich sollen doch keine Flecken auf den unterhaltsamsten aller Jahresplaner kommen!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024071920115772dcd179
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Der Scheibenweltkalender 2009

Originaltitel: Lu-Tze´s Yearbook of Enlightenmend 2008

Autoren: Terry Pratchett und Stephen Briggs

Verlag: Goldmann

Erscheinungsdatum: August 2008

Art: Hardcover

Seitenzahl: 128

Übersetzung: Bernhard Kempen

Illustrationen: Paul Kidby

ISBN-10: 3442467462

ISBN-13: 978-3442467464

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.09.2008, zuletzt aktualisiert: 17.07.2024 20:38, 7334