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Die Chimaere von Ian Irvine

Reihe: Die Magie der drei Welten, Band 4

Rezension von Christel Scheja

 

Man merkt, das Ian Irvine viel zu erzählen hat, denn jeder Band wird umfangreicher als sein Vorgänger. So umfasst „Die Chimaere“ bereits über tausend Seiten, weil er ganz offensichtlich jedem Aspekt seiner Geschichte gerecht werden will.

Viel ist geschehen, seit die Kunswerkerin Tiaan durch die Intrigen ihrer Rivalin Irisis und deren Mitverschwörer Cryl-Nish tief gefallen ist und ihr Glück in der Flucht gesucht hat, weil sie immer wieder von einer Stimme gerufen wurde.

Auf ihrer schwierigen Reise fand sie einen besonderen Kristall, den Amplimet, der in den folgenden Ereignissen noch eine größere Rolle spielen sollte. Denn er ermöglichte es, eine Brücke zu einer anderen Welt aufrecht zu erhalten und die letzten Überlebenden dieses sterbenden Ortes nach Sathenar kommen zu lassen.

 

Doch die Letzten der Aachim suchen nicht nur Zuflucht, sondern planen auch, die Macht über die Welt an sich zu reißen. Das verschärft den schon Generationen andauernden Krieg gegen die katzenartigen Lyrinx nur noch mehr.

Eine Kette von Ereignissen führt dazu, dass die bisher durch die Skrutatoren und Perquisitoren aufrecht erhaltene Ordnung in den letzten Städten der Menschen erschüttert wird. Das nutzen die Lyrinx aus und stoßen gnadenlos weiter vor. Es gelingt ihnen mehrere der befestigten Siedlungen zu zerstören.

In den darauf folgenden Wirren erkennen einige Menschen, dass es gerade jetzt wichtig ist, neue Wege zu gehen. Zu ihnen gehören auch Irisis und Cryl-Nish, die den Skrutator Jal-Nish bei der Jagd auf Tiaan begleitet haben.

Sie werden Mitglieder und treibende Kräfte einer Gruppe von Rebellen, die sich gegen die bestehenden Gesetze und Regeln auflehnt, weil sie ahnen, dass diese nicht dabei helfen werden, Sathenar zu retten. Die Welt steht nicht nur wegen des Krieges gegen die Lyrinx und Aachim vor dem Abgrund. Durch Jahrhunderte währenden Raubbau und die Einwirkung des Amplimet ist der Planet bis ins Innerste erschüttert.

Irisis und Cryl-Nish sind nicht die einzigen, die das Schlimmste zu verhindern suchen. In die Geschehnisse werden andere gezogen, wie der geniale Mathe- und Geomantiker Gilhaelith, der sich über Jahrhunderte in einem Turm versteckt hat und die verunglückte Tiaan rettete. Auch er muss im Folgenden viele Opfer bringen und landet wie einige Verschwörer schließlich wieder in der Gewalt der Skrutatoren.

Diese wollen die Rebellen nun in einem Schauprozess vor den versammelten Menschen verurteilen und hinrichten lassen.

Doch es kommt anders, denn Cryl-Nish, der noch in Freiheit ist, gelingt es, die anderen zu retten, auch wenn er dabei Ulii entgültig verliert, die nicht nur seine Geliebte war, sondern auch so sensitiv, dass sie die Energieströme Sathenars wahrnehmen konnte.

Die Überlebenden ziehen sich schließlich in die alte Festung Fitz Gorgo zurück, um dort wieder an ihren Projekten zu arbeiten und anderen Menschen eine Zuflucht zu bieten. Sie wissen, dass sie nur wenig Zeit haben, denn nun droht ihnen nicht nur von den Lyrinx Gefahr, sondern auch ihrer eigenen Art. Denn die Skrutatoren sind mehr als nachtragend.

 

Es ist nicht einfach, den Inhalt eines Buches zusammenzufassen, das so viele Seiten umfasst, die auch noch auf über zehn wichtige Figuren und fünf bis sechs Handlungsstränge verteilt werden. Letztendlich passiert nicht viel in der Geschichte – aber diese einzelnen Ereignisse und Szenarien sind sehr liebevoll und intensiv ausgearbeitet. Ian Irvine besitzt schon das Talent, die Details in die Dialoge und Handlungen einzuarbeiten, aber das zieht die Szenen auch sehr stark in die Länge.

Mittlerweile kann man trotz vorangestellter Zusammenfassung der Bände – dem Geschehen nur noch folgen, wenn man sich bereits in frühere Bände der Saga eingelesen hat, denn alles erzählen die Inhaltsangaben auch nicht.

Der vierte Band schließt ebenfalls wieder nahtlos an seine Vorgänger an und folgt weiterhin der Linie, die der Autor bisher eingeschlagen hat: Nicht nur die Charaktere, auch die Völker und ihre Kulturen werden in allen Einzelheiten vorgestellt. Jede Szene enthüllt einen kleinen Aspekt mehr, manchmal deutlicher, dann nur angedeutet.

Immerhin gibt es mit dem Mantiker Ygurr ein Wiedersehen mit einer Figur aus dem ersten Zyklus des Autors – und in diesem Band bleibt er nicht der einzige.

Erneut kann man nicht sagen wer eigentlich gut und wer böse ist, da die Handlungen der einzelnen Seiten gut begründet werden. Nur wenige Figuren wie der wahnsinnig gewordene Jal-Nish fallen dabei ein wenig aus der Reihe. Dafür werden auch diesmal wieder Loyalitäten und Bündnisse auf den Kopf gestellt oder gar gebrochen und neu geschlossen, damit das Netz der Intrigen noch unüberschaubarer wird.

Insgesamt bleibt Ian Irvine auch im vierten Band sich selbst treu. Der Hintergrund und die Figuren sind sehr ausgefeilt beschrieben, aber leider bleibt dadurch auch die Spannungskurve sehr flach, da alles zu sehr in die Länge gezogen wird. Action ist zwar vorhanden und lockert die Beschreibungen oder Dialoge auf, jedoch wirkt sie oftmals sehr befremdlich und eher störend.

 

Alles in allem richtet sich der Zyklus um „Die Magie der drei Welten“ in erster Linie an Leser, die fasziniert von ausgefeilt beschriebenen und durch ihre Ausrichtung an der Steamfantasy fremdartigen Welten sind und von Details nicht genug bekommen können. Ihre Ansprüche werden durch die Komplexität der Handlung mehr als zufrieden gestellt, denn auch „Die Chimaere“ erfordert vor allem eines: sehr viel Geduld und genaues Lesen, damit einem auch ja kein wichtiger Aspekt entgeht.

 

 

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Buch:

Die Chimaere

Reihe: Die Magie der drei Welten, Bd. 4

Autor: Ian Irvine

Paperback, 1053 Seiten

Bastei-Lübbe, Köln, erschienen Juli 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Holger Hanowell

Titelbild von Arno Hoven

ISBN-10: 3404285441

ISBN-13: 978-3404285440

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.09.2010, zuletzt aktualisiert: 18.07.2019 19:45