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Die eiserne Zeit – Leben und Töten im Dreißigjährigen Krieg

Filmkritik von Christel Scheja

 

Gerade aufgrund seiner Länge ist der Dreißigjährige Krieg eine der Epochen, die auf unterschiedlichste Weise beleuchtet werden, gerade in den entsprechenden „Jubeljahren“. Vor vierhundert Jahren jedenfalls führte eine Verkettung von Umständen zu einem Konflikt, der Mitteleuropa mehr als eine Generation in Brand setzen sollte. Die hier vorliegende Dokumentation „Die eiserne Zeit“ versucht das Geschehen auf unterschiedliche Weise zu beleuchten.


Es beginnt mit einem regionalen Konflikt. Böhmische Rebellen lehnen sich durch den „Prager Fenstersturz“ gegen den sie regierenden Kaiser aus dem Haus der Habsburger auf, nicht ahnend, dass sich dies zu einem Flächenbrand ausweitet. Unterschiedliche Bündnisse und vor allem der schon lange schwelende Konflikt zwischen den Religionen sorgen dafür, dass ein Krieg ausbricht, der vor allem Mitteleuropa und dort vor allem das Deutsche Reich und die angrenzenden Länder heimsucht.

Jeder der umliegenden Monarchen versucht nun, sich einen fetten Happen aus dem Flickenteppich heraus zu picken oder zumindest Abhängigkeiten zu schaffen, denn die Herzpg- und Fürstentümer, die kleinen Reiche sind schwach. Unter den Schlachten und marodierenden Söldnern muss vor allem die einfache Bevölkerung leiden – Stadt- und Landbewohner verlieren manchmal in einer Nacht alles, selbst ihre Unschuld, bis die Parteien es endlich leid sind, sich zu bekriegen und Frieden schließen.


Die sechsteilige Dokumentation schildert akribisch, wie sich der Krieg entwickelte, von den Anfängen in Böhmen über die vielen Kämpfe, die vor allem in Mitteldeutschland stattfanden bis hin zu den zähen Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster, die sich fast zehn Jahre hinzogen. Dabei kommen nicht nur Feldherren und Könige zu Wort, auch über das Leben, Sterben und Leid des einfachen Volkes wird berichtet.

Anhand des Tagebuchs von Peter Hagendorf kann das Söldnerleben nachvollzogen werden, die Stadt Magdeburg steht stellvertretend für all die vielen Siedlungen, die geplündert und verwüstet un deren Bewohner geschändet, gefoltert und ermordet werden.

Auch in Regionen die ruhig scheinen wüten Feuer – die Gastwirtin Barbara Xeller muss erfahren, wie leicht man in den Verdacht geraten kann, eine Hexe zu sein.

Und Künstler wie Peter Paul Rubens verarbeiten das Grauen auf ihre Art und Weise. Immer wieder kommt dabei auch die Religionsfrage – inwieweit sich die Herrscher und Feldherren dem Glauben verhaftet fühlen und wie sehr sie sich von der eigenen Machtgier leiten lassen.

Die Dokumentation bietet daher eine bunte Mischung aus Erklärungen und Spielszenen, um dem Zuschauer das ganze Geschehen näher zu bringen. Allerdings überspannen die Macher den Bogen ein wenig und belassen viele der Szenen in den Originalsprachen. Das mag authentischer sein, schreckt aber auch den ein oder anderen Zuschauer ab, der Französisch und Co. Nicht beherrscht.

Überhaupt kommt die Dokumentation erschreckend behäbig daher. Man versucht zwar sehr genau zu sein und den Schrecken des Krieges glaubwürdig darzustellen, das ermüdet aber schon nach zwei Folgen und zieht sich gelegentlich viel zu lange hin, so dass sie an eine langweilige Geschichtslektion in der Schule erinnert. Es fehlen auch wirkliche Identifikationsfiguren, ausgerechnet mit den beispielhaft stehenden Charakteren wird man nicht wirklich warm.

Letztendlich bleibt auch nicht ganz so viel von den Informationen hängen wie es sollte – die ganzen Verkettungen die zu den Auseinandersetzungen führen und das Chaos, was dadurch entsteht, kann man gerade in den ersten drei Folgen nicht wirklich nachvollziehen, was dem Inhalt der letzten Folgen die wesentlich straffer ablaufen, nicht gerade gut tut.

 

Fazit:

„Die eiserne Zeit“ ist eine ambitionierte Dokumentation mit vielen Spielszenen, die ein authentisches Bild des Dreißigjährigen Krieges vermitteln will, aber dabei etwas zu sehr über das Ziel hinaus schießt, denn die einzelnen Folgen ergehen sich lieber in vielen einfachen Kamerafahrten, die vor allem Schauwerte bieten, anstatt die Informationen ansprechend zu vermitteln.

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DVD:

Die eiserne Zeit – Leben und Töten im Dreißigjährigen Krieg

Regisseure: Philippe Bérenger und Yury Winterberg

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 2 DVDs

FSK: 12

Polyband/WVG, 26. Oktober 2018

Produktionsjahr: 2018

Spieldauer: 312 Minuten

 

ASIN: B07GJ4FS7C

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 19.11.2018, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01