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Die Entstehung großer Kulturen

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Der amerikanische “History Channel” kann sich durch seine Spezialisierung auch Themen widmen, die in den Dokumentationen anderer Sender entweder nur kurz angerissen oder oberflächlich behandelt werden. Denn die Weltgeschichte ist nicht nur eine Abfolge von politischen und militärischen Entwicklungen, oft spielt noch sehr viel mehr eine Rolle. Viele alte Kulturen haben auch durch ihre Bauwerke und ihre gesellschaftliche Ausrichtung Größe erlangt oder Zeitalter dominiert.

 

Die Dokumentation „Die Entstehung großer Kulturen“ beschäftigt sich mit der Frage, was eigentlich bestimmte Kulturen so bedeutsam gemacht hat, so dass man sie bis heute kennt und ihre Errungenschaften bewundert. Oft sind es technische und wissenschaftliche Meisterleistungen, die im Gedächtnis der Nachfahren bleiben und besonders heute Aufsehen erregen. Die Weltwunder der Antike sind nämlich nicht ohne Grund bis heute im Gedächtnis der Menschen geblieben.

Jede Folge widmet sich einem anderen Land und springt von einer Kultur zur anderen. „Ägypten“ und „Rom“ sind jeweils Doppelfolgen gewidmet, da deren Geschichte zu umfangreich ist, um in nur knapp 45 Minuten betrachtet zu werden.

Die Geschichte Griechenlands ist ebenfalls in zwei Folgen aufgeteilt, da die klassische Zeit eine andere Ausrichtung hatte als die nachfolgende Epoche des Hellenismus, in dem es nicht mehr auf die Reinheit griechischen Denkens ankam, sondern die Vermischung der Kulturen noch mehr gefördert wurde, auch wenn das Gedankengut der Dichter und Denker dominierte.

Zu den alten Kulturen, auf die noch ein blick geworfen wird, gehören die Mayas und Azteken, das Zweistromland, Karthago oder Persien. Als einzige exotische Kultur wird China behandelt – das einzige Reich, das nach wie vor besteht und nicht durch einen anderen Staat oder Staatenbünde ersetzt wurde.

Aber auch die moderne Zeit wird nicht ausgespart. Die Byzantiner bewahrten Wissen und Technik in einer dunklen Epoche, die italienische Renaissance ließ Wissenschaft, Technik und Kunst wieder zu neuer Blüte erstehen.

Reiche wie Großbritannien und Herrscher wie Napoleon trugen die Ideale und Vorstellungen dann auch in die moderne Zeit und zeigten, dass ein Reich auch in der Neuzeit technische und wissenschaftliche Innovationen brauchte, um zu einem Imperium aufzusteigen.

 

Die Dokumentation betrachtet Aufstieg und Fall großer Reiche aus der Sicht von Wissenschaft und technischen Innovationen. Natürlich spielen auch gesellschaftliche politische und militärische Erwägungen eine Rolle, hier bleibt man aber eher an der Oberfläche und bedient auch schon einmal altbekannte Klischees – Stichwort: Nero und der Brand von Rom, auch wenn die Vorurteile bereits entkräftet werden. Aber was trieb die Völker zu Meisterleistungen in der Architektur und Technik. Warum und vor allem wie erbauten die Ägypter ihre Pyramiden, und was ist daran auch heute noch so faszinierend? Wie nutzten die Maya ihre hochentwickelte Mathematik in der Entwicklung von Maschinen und beim Bau von Gebäuden?

Warum wurden die Römer zu einer unbesiegbaren Weltmacht, und ab wann begann das Imperium, dass sie errichtet hatten zu bröckeln? Wie schafften es die Karthager lange Zeit, die Seefahrtswege zu beherrschen und wann gelang es den Römern ihnen die Vormachtstellung abzunehmen?

Welche Bedeutung hatte der Hadrianswall für die Sicherheit des römischen Britannien? Mit welchen technischen Neuerungen wurden Kriege gegen weitaus mächtigere Heere entschieden? Und waren Feldherren wirklich immer nur bloße Taktiker und Kämpfer? Mussten sie nicht auch in anderer Hinsicht Weitsicht beweisen?

Diese und andere Fragen versuchen die Folgen mit Spielszenen und Erläuterungen, Computeranimationen und dem Besuch verschiedenster Ruinen zu beantworten. Hier merkt man ein wenig das Alter der Dokumentation, denn gerade die Animationen sind sehr einfach und schlicht gehalten, ganz anders als man es heute gewohnt ist. Aber sie erklären militärische Taktiken, Technik und Waffen anschaulich genug, vielleicht besser als moderne Darstellungen, da sie sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Die Beschreibungen sind auf ein breitgefächertes Publikum ohne Vorbildung ausgerichtet, deshalb wurde auch darauf geachtet, dass die Informationen in leicht verdaulichen Häppchen geboten werden und die Erklärungen nicht all zu kompliziert werden. Bereits vorhandenes Geschichtswissen aus der Schule kann durchaus ergänzt werden.

Die Folgen geben einen guten Überblick über die technischen Innovationen eines Volkes, die es groß gemacht haben, auch wenn man insgesamt ziemlich an der Oberfläche bleibt. Immerhin ist die Gewichtung der behandelten Personen und Epochen manchmal etwas anders als man es gewohnt ist – aber genau das sorgt auch für Spannung. Denn im Mittelpunkt der Episoden stehen nicht immer nur die Großen eines Volkes, sondern auch die etwas unbekannteren Herrscher und Gelehrten, die erstmals ihre Ideen in die Tat umzusetzen wussten und nicht nur das Wissen der vorhergehenden Generation kopierten.

Die auf Sensation und Spannung ausgerichtete amerikanische Erzählweise ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache, ist aber diesmal nicht ganz so aufdringlich wie in anderen Dokumentationen, auch wenn die angedeuteten Werbepausen unangenehm aufschrecken, wenn man sich gerade in das Thema vertieft hat.

 

 

Fazit:

Sicherlich ist „Die Entstehung großer Kulturen“ nicht gerade erhellend für diejenigen, die sich zumindest bei einem Volk oder einer Kultur bereits intensiver mit dem Thema „Aufstieg und Fall eines Reiches“ beschäftigt haben, die Serie gibt aber einen unterhaltsamen Überblick über die verschiedenen Innovationen und Entwicklungen, die letztendlich alle in die Weltgeschichte eingeflossen sind.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202302051814545e74e21c
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DVD:

Die Entstehung großer Kulturen

Engineering an Empire, USA 2006

Darsteller: Peter Weller, Michael Carroll, Sam Kalidi

Regisseur(e): Mark Cannon, Dana Ross, Ted Poole

Komponist: Peter Boyer

Format: PAL, Surround Sound, Region 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 6

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 30. März 2012

Spieldauer: 705 Minuten

 

ASIN: B005MWF7O0

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.04.2012, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01