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Die Erfindung der Violet Adams von Lev AC Rosen

Rezension von Christel Scheja

 

Lev AC Rosen wuchs in Manhattan auf und kehrte auch dorthin zurück, nachdem er am Oberlin College in Ohio kreatives Schreiben studierte. Heute arbeitet er als freier Autor. Der erste Roman, der von ihm in Deutschland erscheint ist „Die Erfindung der Violet Adams“.

 

England im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Wissenschaft beherrscht das Bild und begeistert die Menschen allen Alters und aller Klassen. Wissenschaftler sind begehrter und wichtiger als alter Adel, so gehört es zum guten Ton, dass sich auch die Blaublütigen dem Bildungsbürgertum anschließen.

Allerdings gibt es immer noch Grenzen – gerade Frauen bekommen dies zu spüren. So ist es ihnen aufgrund ihres Geschlechts nicht erlaubt auf dem renommierten Illyria-College zu studieren, das die größten Köpfe des Landes hervorgebracht hat und Genies fördert, wo es nur kann.

Das weiß auch Violet Adams, die Tochter eines angesehenen Professoren, der sich nun für einige Monate auf eine Reise nach Amerika begibt und seine beiden Kinder alleine zurücklässt. Die junge Frau sieht die Zeit für gekommen, eine List anzuwenden. Mit Hilfe ihres Zwillingsbruders Ashton, der die schönen Künste schätzt und auch sonst Männer den Frauen vorzieht, und Jack, einem Freund aus Jugendtagen, bewirbt sie sich als Mann verkleidet am College und wird sogar angenommen.

So beginnt eine Zeit der Herausforderungen, denn eine seltsame Spannung entsteht zwischen ihr und dem jungen Duke of Illyria, die nicht nur auf einer wissenschaftlichen Rivalität beruht, sondern auch noch andere Gefühle mit einbezieht, die Violet noch gänzlich unbekannt sind und waren. Zudem wird sie immer tiefer in die Intrigen hineingezogen, die nicht nur das College, sondern auch die Welt gefährden können...

 

„Die Erfindung der Violet Adams“ ist ein waschechter Steampunk Roman. Technik, die auf Dampf basiert und sich sehr an dem Design und den Erfindungen beruht, die man aus den Romanen von Jules Verne und H. G. Wells kennt und natürlich die spätviktorianische Gesellschaftsform sind einige der tragenden Säulen der Geschichte. Auch wenn der Autor nicht viel erklärt und beschreibt, so entsteht doch das passende Bild im Kopf der Leser, die sich in eine Welt der mechanischen Roboter und skurrilen Gerätschaften versetzt fühlen.

Die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber den Frauen spielt zwar eine wichtige Rolle, wird aber dennoch nicht überstrapaziert.

Auch wenn ihnen einige Möglichkeiten verwehrt sind, so gibt es doch adlige Wissenschaftlerinnen, die sich nicht um Konventionen scherten, wie die honorige Ada, Patentante des Dukes von Illyria, dessen Cousine Cecily, die ihre Möglichkeiten nutzt, um selbst zu forschen, auch wenn sie weiß, dass sie eigentlich heiraten soll. Ebenso interessant sind auch die junge Witwe Myriam, die für Cecily als Gouvernante sorgt, und die Schauspielerin Fiona, die ein selbstbestimmtes Leben zu einem hohen Preis führen, aber sich dennoch nicht unterkriegen lassen. Auch bei den Männer gibt es bemerkenswerte Persönlichkeiten – sei es nun der Duke von Illyria, der immer noch glaubt im Schatten seines Vaters leben und stehen zu müssen oder Violets schwuler Bruder Ashton.

Die Intrigen sind zwar nicht schwer zu durchschauen, dennoch entsteht Spannung, weil die Figuren immer wieder neue Facetten ihres Wesens zeigen und sich im Lauf der Geschichte interessant weiterentwickeln. Erst zum Ende hin wird es wirklich actionreich – der dramatische Showdown zeigt, dass der Autor auch dazu fähig ist, Kämpfe und Grausamkeiten zu schildern.

Letztendlich stimmt alles – das Ambiente atmet den Flair der viktorianischen Ära ohne mit unzähligen Beschreibungen ausgewälzt zu werden, die Figuren sind durchaus Kinder ihrer Zeit, da sie trotz alles Fortschrittsdenkens immer noch in den gesellschaftlichen Konventionen gefangen sind, Spannung und Romantik gehen eine angenehm abwechslungsreiche Mischung ein.

 

„Die Erfindung der Violet Adams“ ist ein empfehlenswerter Steampunk-Roman, bei dem alles zusammenpasst, und der angemessen in sich geschlossen ist. Wer nicht nur Action und Wissenschaft, sondern auch gegen Intrigen und einen ordentlichen Schuss Romantik nichts einzuwenden hat, der wird sehr zufrieden mit dem Erstling von Lev AC Rosen sein.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Die Erfindung der Violet Adams

Autor: Lev Ac Rosen

Gebunden, 555 Seiten

Egmont INK, März 2012

Übersetzerinnen: Hanne und Charlotte-Christiane Hammer

Titelbild: Kathrin Schüler

 

ISBN-10: 3863960319

ISBN-13: 978-3863960315

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B007IVWIYK

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Erstellt: 22.08.2012, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35