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Die fernen Lande von David Anthony Durham

Reihe: Acacia Band 2

 

Rezension von Christel Scheja

 

David Anthony Durham ist Literaturprofessor und Autor. Deshalb scheint er auch höhere Ansprüche an sein Werk zu stellen als andere Schriftsteller. So erscheint erst jetzt nach mehreren Jahren der zweite Band seiner „Acacia“-Trilogie. Dabei spinnt er das Schicksal der Kinder aus der Familie Akaran weiter.

Einst mussten diese miterleben wie ihre Eltern ermordet wurden und die kriegerischen Mein aus dem Norden das Land für sich in Besitz nahmen. Da sie glücklicherweise nicht im Palast weilten, konnten sie in Sicherheit gebracht werden. Allerdings erreichte nur der älteste Prinz Aliver sein Ziel.

Den anderen stand ein Schicksal bevor, dass ihre Retter so nicht geplant hatten. Corinn wurde gefangen und in den Palast gebracht. Über die Jahre lernte die Königin ihren Peiniger Hanish Mein zu lieben und trug schließlich auch ein Kind unter dem Herzen. Mena landet an anderer Stelle und Dariel wird von einem Freibeuter aufgenommen.

 

Viele Jahre später gelingt es den vier jungen Menschen, Acacia wieder von der Herrschaft der Mein zu befreien. Da Aliver in einer der Schlachten fällt, wird Corinn nun die neue Herrscherin des Landes. Allerdings hat sie nie gelernt ein Land zu führen und trifft nicht wenige Fehlentscheidungen. Auch wenn sie niemals verrät, wer der Vater ihres Kindes ist, so wollen doch viele auch ihren Sohn nicht auf dem Thron sehen.

So setzt sich eine Entwicklung fort, die schon unter den Eltern Corinns geschwelt hat. Widerwillen und Rebellion macht sich ebenso wie Unzufriedenheit unter den Menschen breit, denn viel hat sich in den acht Jahren nach dem Fall der Mein nicht verändert. Noch immer werden Kinder geholt und auf Schiffe Richtung Westen verschifft, um eine Quote zu erfüllen, die den Handel mit den geheimnisvollen Lothan Aklun und den Wohlstand der Reichen in Acacia sichert.

Als sich die Lage zuspitzt, bittet Corinn ihren Bruder mit den nächsten Schiffen mitzusegeln und heraus zu finden, was eigentlich mit den Kindern geschieht. Sie will Dariel aber auch aus den Augen haben, da ihr Bruder mittlerweile viel beliebter ist als sie, weil er sich volksnaher gibt.

Und während der junge Prinz in das Ungewisse segelt und eine schreckliche Entdeckung macht, die ihn fast das Leben kostet, wartet auch die zurück gezogen lebende Mena schließlich mit einer Überraschung auf.

 

Ähnlich wie in den Romanen von George R. R. Martin oder Robert Jordan stehen auch in „Die fernen Lande“ die Menschen im Vordergrund, nicht aber die Schlachten und Intrigen an sich. Das Schicksal einer Welt hängt an den Entscheidungen einzelner – aus diesem Grund lernt man auch Dariel, Mena und Corinn noch ein wenig besser kennen. Allerdings bleiben die meisten Nebenfiguren dafür um so blasser und sind gerade eben einmal Stichwortgeber und nicht viel mehr.

Immerhin wird der Einstieg durch eine ausführliche Zusammenfassung von „Macht und Verrat“ einfach gemacht. So muss man den ersten Band der Saga nicht unbedingt gelesen haben, da auch ein neuer Handlungsabschnitt zu beginnen scheint. Immerhin sind die Feinde aus dem ersten Band besiegt. Aber man ahnt doch, dass alles mehr zusammen hängt als vermutet.

Wieder gibt es keine klaren Gegensätze, denn jede der Parteien hat ihre nachvollziehbaren Gründe und Motive und wenn es nur menschliches Unvermögen und Eigensucht ist. Wie im ersten Band nimmt er sich die Zeit herauszuarbeiten, was zum Beispiel Corinn vorantreibt, die einerseits mit der Krone vollkommen überfordert ist, andererseits ihren Sohn abgöttisch liebt, oder warum Dariel nicht unbedingt aus dem Schatten seiner Geschwister hervortreten will.

Es interessiert den Autor durchweg, zu beschreiben, wie die Leute auf die Ereignisse und Einwirkungen von Außen reagieren und nicht, wie sie von ihnen selbst oder anderen herbeigeführt werden. Wieder wird Gewalt eindringlich geschildert, dient jedoch glücklicherweise nicht zum Selbstzweck.

Zudem hält er sich auch beim zweiten Band bei der Beschreibung von Landschaften und Kulturen zurück. Dennoch hat der Roman seine Längen, da die Handlung selbst sehr langsam erzählt wird und der Leser manchmal den Überblick über die vielen Figuren und Ebenen verliert.

 

Letztendlich ist „Acacia – Die fernen Lande“ vor allem für Leser interessant, die einen komplexen Hintergrund mit vielschichtigen Figuren schätzen und bereit dazu sind dem Buch viel Aufmerksamkeit und Geduld zu schenken, denn „einfach mal eben“ herunterlesen lässt der dicke Wälzer sich nicht.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Die fernen Lande

Reihe: Acacia Band 2

Autor: David Antony Durham

Taschenbuch, 782 Seiten

Blanvalet, Februar 2011

Übersetzer: Tim Straetmann

Titelbild: Kerem Beyit

 

ISBN-10: 3442267803

ISBN-13: 978-3442267804

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.03.2011, zuletzt aktualisiert: 18.07.2019 19:45