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Die Flammen der Dämmerung von Peter V. Brett

Rezension von Christel Scheja

 

„Die Flammen der Dämmerung“ ist nach „Das Lied der Dunkelheit“ und „Das Flüstern der Nacht“ der dritte Band der epischen Saga über den Kampf der langsam sterbenden Menschheit gegen die Dämonen, die regelmäßig ihre Welt überfluten. Auf über tausend Seiten erzählt er nun die Geschichte aus der Sicht neuer Figuren weit und verknüpft ihr Schicksal mit dem der Helden.

 

Inevera ist hat als Tochter einer eher unbedeutenden krasianischen Familie nicht viel zu erwarten und kann damit rechnen, dass sie irgendwann nur ein eher jämmerliches Leben als Ehefrau eines viel älteren Mannes führen wird. Doch das Schicksal meint es anders mit ihr. Sie wird als Anwärterin in den Kreis der Dama'ting aufgenommen, der heiligen Frauen, die über die Macht der Magie gebieten und aus den Schatten heraus so manch einen Krieger beherrschen.

Nach einer beispiellosen Karriere gelingt es Inevera in die höchsten Ränge aufzusteigen und macht die Bekanntschaft von Ahmann Jardir, dem auserwählten jungen Krieger, der durchaus der in den Visionen prophezeite Erlöser sein können.

Sie beginnt ihn zu formen und seinen Weg zu ebenen, als seine Gefährtin das Schicksal Krasias im Kampf gegen die Dämonen zu verändern und seine Wege mitzubestimmen. Mit List und Verstand, Magie und Weissagungen behauptet sie ihren Platz an seiner Seite, bis eines Tages eine junge Frau aus dem Norden Jardirs Interesse erweckt.

Doch der Held und Eroberer hat auch andere Ziele. Anstatt nur gegen die Dämonen zu kämpfen, führt er seine Krieger gegen die fruchtbareren Länder und überzeugt sie mit Feuer und Schwert, seinen Wegen zu fügen. Denn er hat es sich in den Kopf gesetzt, der wahre und einzige Erlöser zu werden und den Mann auszuschalten, den er einst seinen Freund nannte.

Derweil führt Arlen im Norden seinen einsamen Kampf gegen die Dämonen weiter. Der „Tätowierte Mann“ weiß sehr wohl, was für einen Feind er in Jardir hat, aber er versucht es so weit wie möglich zu verdrängen, weil andere Dinge wichtiger sind. An seiner Seite ist nach der Leesha ebenfalls wieder eine Frau. Renna ist ganz anders als die gebildete und kluge Heilerin.

Zusammen mit ihr versucht er die Menschen auf das vorzubereiten, was schon bald auf sie zukommen wird. Denn wenn der Mond verlischt, könnte ein Kampf auf sie zukommen, der die „Schlacht der Holzfäller wie ein harmloses Scharmützel erscheinen lässt.

 

Wie auch schon in den ersten Bänden stehen nicht die epischen Kämpfe im Vordergrund, sondern die Menschen. „Die Flammen der Dämmerung“ nimmt sich die Zeit, einen tieferen Einblick in die krasianische Gesellschaft zu gewähren und dabei auch mehr über die Dama'ting zu verraten, die zuvor nur als Nebenpersonen aufgetreten sind. Man lernt den Charakter Jardir nun auch aus der Sicht seiner Ehefrau und langjährigen Gefährtin kennen, die durchaus ihren eigenen Kopf hat. In der Hinsicht schreitet die Handlung natürlich nur sehr langsam voran, der Autor erlaubt sich auch, viele Ereignisse aus der etwas anderen Sicht von Inevera zu erzählen, wenngleich er sich auch nicht wirklich dabei wiederholt. Liebevoll arbeitet er das Leben der Männer und Frauen aus, bindet viele kleine kulturelle Details mit ein, um dann später die beiden so unterschiedlichen Lebenswelten aufeinander treffen zu lassen.

Natürlich bedient er dabei auch einige Klischees. Inevera ist eine machtbewusste Frau, die aus den Schatten heraus herrscht und natürlich die richtige Skrupellosigkeit besitzt, um ihre Position zu behaupten. Jardir hat zu viel von der Macht gekostet und lässt sich anders als Arlen von der Magie korrumpieren.

Aber man nimmt es dem Autoren nicht übel, denn er verpackt die vertrauten Handlungsmuster in eine angenehme Erzählweise, erzeugt Spannung durch interessante Enthüllungen und gibt seinen Figuren zumindest einige Ecken und Kanten, so dass sie nicht oberflächlich bleiben.

Geschickt eingestreut sind auch Kämpfe und Einblicke in die Dämonenwelt, so dass die mordlüsternen Kreaturen auch weiter Profil erhalten und nicht nur Kanonenfutter bleiben. Allerdings endet der Roman mit einem bösen Cliffhanger, so dass man am Ende doch nicht ganz so zufrieden ist, wie man sein könnte.

 

„Die Flammen der Dämmerung“ schreibt die Handlung zwar nicht unbedingt so zügig weiter, wie man es hätte erwarten könnte, aber das Buch nimmt sich die Zeit, Jardir und seiner Welt ein wenig mehr Tiefe und den weiblichen Helden mehr Macht zu verleihen. Das ganze wird sehr farbenprächtig aber auch behäbig erzählt, so dass man schon ein gewisses Quentchen Geduld mitbringen muss, um die detailreichen Beschreibungen wirklich in ihrer ganzen Breite genießen zu können.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Die Flammen der Dämmerung

Autor: Peter V. Brett

Taschenbuch, 1056 Seiten

Heyne, März 2013

Übersetzerin: Ingrid Hermann Nytko

Illustrationen: Lauren Canon

Karten: Andreas Hancock

 

ISBN-10: 3453524748

ISBN-13: 978-3453524743

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00B6PD6K4

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 06.04.2014, zuletzt aktualisiert: 18.07.2019 19:45