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Die Forsythe-Saga – Staffel 1

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

„Die Forsythe-Saga“ ist die preisgekrönte Romantrilogie des englischen Literaturpreisträgers John Galsworty (1867-1933), die zwischen 1906 und 1921 veröffentlicht wurde und das Leben einer Familie des gehobenen Mittelstandes über einen Zeitraum von 34 Jahren schildert. Sie zeigt, wie die Menschen sich den strengen Konventionen des viktorianischen Zeitalters fügen müssen und doch nicht aus ihrer Haut können. Während die einen Weg finden, um damit zu leben, zerbrechen die anderen daran. Drei Generationen zeigen Aufstieg und Niedergang einer Familie im Schatten einer schillernden und doch widersprüchlichen Epoche.

Die hier vorliegende Miniserie ist nicht die erste Verfilmung. Bereits 1949 gab es einen Spielfilm und 1967 folgte eine Fernsehserie. An dieser orientiert sich auch die Neuverfilmung von aus den Jahren 2002 bis 2004 ein wenig, ohne sie jedoch zu kopieren. Insgesamt zehn Folgen entstanden, von denen sechs der ersten Staffel zugerechnet werden.

 

Im Mittelpunkt stehen die Cousins Soames und Jolyon Forsythe. Während ersterer ein erfolgreicher Geschäftsmann ist und sein Leben im Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen gestaltet, ist Jolyon der jüngere seinem Herzen gefolgt und hat nicht nur unstandesgemäß geheiratet, sondern ist auch Künstler geworden. Dafür ist er schon vor einer Weile in Ungnade gefallen und hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Soames dagegen stellt seine Gefühle gegenüber Macht und Geld zurück. Er heiratet die schöne aber mittellose Irene Heron, die sich von der Ehe eigentlich etwas anderes erhofft hat als ein eher langweiliges Leben im Luxus. Auch wenn Soames sie verehrt und reich beschenkt, so beginnt sie doch unter seiner Gefühllosigkeit zu leiden und sucht unbewusst nach einem Mann, der ihr die Zärtlichkeit und Liebe geben kann, die sie vermisst.

Diesen findet sie schließlich in dem Architekten Bosinney, der das Landhaus baut, das ihre zweite Residenz außerhalb der Stadt werden soll. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen Mann, der sie aufrichtig zu begehren scheint und all das verkörpert, was Soames nicht ist.

Allerdings bekommt dieser schließlich Wind vom Seitensprung seiner Frau und beschließt grausame Rache an Bosinney zu nehmen, indem er ihn wirtschaftlich zugrunde richtet und schließlich Anklage gegen ihn erhebt, weil er angeblich den Bau des Landhauses zu lange heraus gezögert und das Budget maßlos überzogen hat. Zusätzlich vergewaltigt er in einem Ausbruch von Wut Irene.

Als der Architekt am Abend vor der Verhandlung auch noch unter ungeklärten Umständen stirbt, kommt es zum entgültigen Bruch. Irene Forsythe verlässt ihren Mann und verlässt ihn. Nun ist es an Soames, die Scherben seines Lebens wieder aufzusammeln und die Schäden seines Rufes zu beseitigen, ehe es zu spät ist.

Dafür findet der junge Jolyon wieder zurück zu seiner Familie, auch wenn er sich einiges anhören muss. Und auch die dritte im Bunde, Winifred Fosythe, die zunächst eine glückliche Ehe mit Montague Dartie führt und das Leben in vollen Zügen genießt, erwacht irgendwann unsanft, als ihr Mann immer mehr der Spielsucht verfällt.

 

„Die Forsythe-Saga“ ist ein opulentes Sittengemälde, dass die Bigotterie des ausgehenden viktorianischen Zeitalters und der edwardianischen Epoche lebendig aber nicht all zu plakativ einfängt.

Die Serie zeigt in ruhigen Bildern, unterlegt mit stimmungsvoller Musik, wie sich die Figuren langsam aber sicher immer mehr in ein Netz aus Leidenschaften und Intrigen verstricken. Auch wenn sie nach außen hin souverän zu handeln scheinen, so zeigt sich doch, dass ihre Gefühle ihnen immer wieder einen Streich spielen und sie zu Aktionen verleiten, die sie später bereuen.

Das trifft vor allem auf Soames Forsythe zu, der längst nicht so kalt ist, wie er sich gegenüber den anderen verhält, aber sein leben der Kontrolle unterworfen hat. Dennoch kann auch er nicht verleugnen, dass er Wut, Hass und Liebe empfindet, gerade gegenüber seiner Frau.

Sein Spiegelbild ist der junge Jolyon Forsythe, der seinen Neigungen und Gefühlen gefolgt ist und zunächst zwar alles verlor, nun aber immer mehr dazu gewinnt – nicht nur die Liebe seines Vaters zurück, sondern auch die Achtung der anderen Familie.

Konventionen und strenge Regeln versuchen zu verhindert, dass die Fassade der gutbürgerlichen Existenz bröckelt, aber der Verfall ist nicht aufzuhalten. Gerade Winifred Forsythe bekommt das besonders deutlich zu spüren.

Am Ende dieser ersten Staffel hat die Entwicklung noch kein Ende gefunden, aber den Figuren wird erst einmal ein Moment des Glücks gegönnt. Irene Forsythe findet neues Glück in den Armen Jolyons, während sich Soames mit seinem Leben arrangiert. Aber ist das wirklich schon das Ende.

Nicht nur die Kulissen entsprechen dem Stil der Zeit, auch die Schauspieler gehen sehr in ihren Rollen auf. Sie zeigen dezent aber erkennbar den Widerstreit zwischen den nur all zu menschlichen Gefühlen und Leidenschaften auf der einen und dem gesellschaftlichen Zwang auf der anderen Seite.

Das macht zusammen mit den mehrdeutigen Dialogen den Reiz und die Spannung der Serie aus. Man lernt die Figuren sehr gut kennen, fühlt und leidet mit ihnen, aber hat auch Verständnis für die eher negativ behafteten Antagonisten. Wirklich gut oder böse ist hier niemand – nur eben menschlich.

Ein wenig mag man sich an „Fackeln im Sturm“ oder „Sinn und Sinnlichkeit“ erinnert fühlen, aber die Serie besitzt ihren eigenen Stil und Charme.

Die drei DVDs befinden sich in einem ansprechend gestalteten Display im Schuber. Auch wenn es sonst keine Extras gibt, das ausführliche Booklet macht das wieder wett.

 

 

Fazit:

 

Alles in allem dürften sich von „Die Forsythe-Saga“ vor allem Fans epischer Familiensagas vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts angesprochen fühlen, in dem Leidenschaften das Schicksal der Menschen regieren und den Intrigen erst das nötige Feuer geben.

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Eure Meinung:


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DVD:

Die Forsythe-Saga – Staffel 1

GB 2002

6-teilige Fernsehserie

Vorlage: John Galsworthy

Regisseure: Christopher Menaul und Davis Moore

Komponist: Geoffrey Burgon

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9

Umfang: 3 DVDs

Extras: Umfangreiches Booklet

FSK: 12

Polyband & Toppic Video/WVG, 30. Oktober 2009

Spieldauer: 450 Minuten

(6 Folgen a ca. 75 Minuten)

 

ASIN: B002JN8CPG

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Damian Lewis

Geena McKee

Ioan Gruffyth

Rupert Graves

Corin Redgrave

Gillian Kearney


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Erstellt: 10.01.2010, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56