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Fürsten von Florenz

Rezension von Stefan Glaubitz

 

Das Haus Pro Ludo! ist mir noch nicht sehr lange ein Begriff. Allerdings habe ich mir vor Kurzem erst das Spiel „Wikinger“ von ihnen gekauft und war sehr begeistert. Daher sind meine Erwartungen an Die Fürsten von Florenz dementsprechend hoch.

 

Alleine bereits das Cover des rechteckigen Kartons (22 x 32 cm) gefällt mir schon sehr gut. Es ist in einem dunkelblauen Ton gehalten und neben dem Titel des Spiels sind 4 der 5 spielbaren Fürsten und eine italienische Stadtszene zu sehen. Unterhalb dieser sind die Autoren (Wolfgang Kramer & Jens Christopher Ulrich) aufgeführt. Die unteren 4 cm des Kartons sind in einem Ockerton abgesetzt, in diesem Streifen findet man auch in der rechten, unteren Ecke das Pro Ludo!- Logo. Die Rückseite ist ebenfalls sehr schön illustriert. Im oberen Drittel ist eine Spielszene zu sehen, darunter findet sich ein historischer Überblick über die Zeit in der das Spiel angesiedelt ist und ein kurzer Abriss über das Spiel selbst. Im unteren Bereich der Rückseite befindet sich dann noch eine kurze Übersicht über die Spielmaterialien sowie das Logo von Pro Ludo! und Quined Games. Alles in allem macht der Karton einen sehr ansprechenden Eindruck auf mich und ich bin gespannt wie es im Inneren der Packung aussieht.

 

Aufmachung

Öffnet man den Karton fällt sofort auf, dass die Bögen mit den Ausstanzteilen noch einmal extra verpackt sind. Keine schlechte Idee, vermeidet man doch damit, dass die ganzen Kleinteile schon vor dem ersten Öffnen herausfallen und durcheinanderfliegen. Der Inhalt gliedert sich wie folgt:

 

  • 1 Spielanleitung DinA 4 mit 16 Seiten
  • 1 Spielplan auf dem die Erfolgsleiste und die Runden-/Mindestwerkzahltabelle abgebildet sind
  • 5 Spieltafeln auf denen die Fürstentümer abgebildet sind
  • 30 Gebäudeplättchen verschiedener Größe und Form
  • 18 Landschaftsplättchen
  • 12 Plättchen die die „Freiheiten“ darstellen
  • 6 quadratische Baumeisterplättchen
  • 7 runde Gauklerplättchen
  • 60 diverse Spielkarten
  • 58 runde Spielgeldplättchen
  • 6 Spielfiguren aus Holz
  • 6 runde Spielsteine aus Holz
  • Weitere 6 Spielkarten für die Erweiterung „Muse & Prinzessin“

 

 

Verwöhnt von Pro Ludos! Wikinger bin ich nicht wirklich überrascht von der Qualität der Spielmaterialen. Wirklich alle Plättchen sind aus stabiler Pappe und sehr stimmig illustriert. Auch die Spielpläne bestechen durch Detailreichtum und die meisten Karten sind sehr liebevoll gestaltet. Die 21 Personenkarten stechen aber besonders hervor; selten habe ich so schön illustrierte Karten wie diese gesehen und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass sich sehr viele Trading Card Spiele von diesem noch einiges abgucken können. Einziger kleiner Wehrmutstropfen ist dann doch die Aufteilung im Karton. Zwar gibt es schön eingeteilte Plätze für die Holzteile und Spielkarten, allerdings sind für die übrigen Plättchen nicht genügend Fächer übrig, so dass einige Teile ziemlich unkoordiniert im Karton herumfliegen.

 

Ziel des Spiels

Bei diesem Spiel geht es darum die meisten Prestigepunkte zu erreichen. Der Fürst, welcher nach der siebten Runde das meiste Ansehen erarbeiten kann, gewinnt das Spiel. Prestige erreicht man auf verschiedene Arten. Als erstes bekommt man für jedes Gebäude das man baut 3 Prestigepunkte. Weiterhin kann man Prestige „erwirtschaften“, indem man sich Karten kauft und die auf ihnen beschriebenen Siegbedingungen erfüllt. Die dritte und spektakulärste Art ist das Vollbringen von großen Werken. Jede Persönlichkeit kann am Hof eines Spielers ein Werk erschaffen. Dabei ist zu beachten, dass es von Runde zu Runde immer schwieriger wird Werke zu vollbringen, da die Voraussetzungen für die Vollbringungen eines solchen immer aufwendiger werden. Es gilt zu beachten, dass die für den Künstler richtigen Gebäude, Landschaften und Freiheiten im Fürstentum vorhanden sind. Außerdem unterstützen Gaukler und weitere Personenkarten das Werk, so dass man dadurch einen höheren Wert bei seinem Werk erreichen kann. Schließlich ist der Wert eines solchen sehr wichtig. Zum einen bekommt man den Wert in Florentin (die hiesige Währung) ausgezahlt und zum anderen erhält der Spieler, der in einer Runde das beste Werk vollbringt, noch 3 Prestigepunkte zur Belohnung. Wichtig ist noch, dass man sich von dem gerade eingenommenen Geld weitere Prestigepunkte kaufen darf. Es gilt also zu überlegen ob man für die nächste Runde lieber mehr Geld haben will oder es in sein Prestige investiert.

 

Verständlichkeit der Regeln

Das Regelwerk ist in DinA 4 gehalten und 16 Seiten dick. Dabei beschäftigt sich die erste Seite mit dem historischen Hintergrund des Spiels sowie dem Spielziel und den Materialien. Auf der zweiten Seite ist der genaue Spielaufbau erklärt und es wird auf die Sonderregeln für eine Zwei-Spieler-Partie verwiesen. Die Seiten 3 bis 10 erklären dann folgend den Spielablauf, das Spielende und die Regeln für 2 Spieler. Auf den Seiten 11 und 12 wird die erste Erweiterung „Muse & Prinzessin“ erklärt. Durch die Zunahme dieser Erweiterung ändert sich der Ablauf ein wenig. Die Seiten 13 und 14 beschäftigen sich mit der zweiten Erweiterung dem „Kooperativ Bauen“. Auf den letzten beiden Seiten sind noch einmal die 20 verschiedenen Bonus- und 14 Prestigekarten aufgeführt und mit Beispielen genau erläutert.

Zugegeben, ich hatte am Anfang etwas Angst vor dem Regelwerk. Allerdings muss ich wirklich ein großes Lob an dieses aussprechen. Es ist recht reich bebildert und mit vielen Beispielen versehen. Außerdem hat man auf jeder Seite einen Rand gelassen, auf dem die wichtigsten Regeln in Kurzform noch einmal erläutert werden. Das macht das Regelwerk besonders übersichtlich und ein Nachschlagen sehr einfach.

 

Vorbereitungen

Die Spielvorbereitungen sind nicht allzu aufwendig. Der Spielplan mit der Erfolgsleiste wird in die Mitte des Tisches und der Bankvorrat an Florentin oberhalb des Plans gelegt. Jeder Spieler bekommt eine Spieltafel sowie einen Spielstein und eine Spielfigur seiner Farbe. Dann werden an jeden Spieler 4 Personenkarten ausgegeben, die sich jeder von ihnen anschaut. 3 dieser 4 Karten behalten die Spieler, die übrigen werden wieder in die übrigen Personenkarten gemischt. Weiterhin bekommt jeder Spieler noch 3500 Florentin als Startkapital.

Die Geländeplättchen (Wald, See und Park), solche für Gaukler und Baumeister sowie die Prestige- und Abwerbekarten werden links neben den Spielplan gelegt. Um sie wird in der Phase A geboten. In der B- Phase geht es neben dem Erwerb von Prestige um alles, was rechts des Plans platziert wird. Das sind im Einzelnen die Plättchen der 11 verschiedenen Gebäude, die der 3 Freiheiten sowie die Personen- und Bonuskarten.

Zum Schluss wird noch der schwarze Rundenanzeiger auf dem Feld 1 in der Runden-/Mindestwerkzahltabelle platziert und die schwarze Spielfigur vor dem Startspieler abgestellt.

 

Spielablauf

Das Spiel geht über 7 Runden und pro einer jeden gibt es eine Phase A und eine Phase B. Wie bereits oben erwähnt, ist der älteste Spieler in der ersten Runde der Beginnende. Er sucht sich in Phase A, der Ersteigerungsphase eines der 7 Objekte aus, die links von der Spieltafel liegen. Hat er sich für eines entschieden, verkündet er laut um welches Objekt es sich handelt und gibt sein Startgebot von 200 Florentin bekannt. Nun sind im Uhrzeigersinn seine Mitspieler an der Reihe zu passen oder, sollten sie ebenfalls Interesse an diesem Objekt haben, sein Gebot in 100 Florentin-Schritten zu überbieten. Das wird so lange fortgeführt bis ein Spieler dieses Objekt ersteigert hat. Der Gewinner nimmt sich das ersteigerte Gut und platziert es in seinem Fürstentum. Dann legt er seinen runden Holzspielstein auf die übrigen Objekte des von ihm ersteigerten Typs um anzuzeigen, dass kein weiteres dieser Objekte mehr in dieser Runde ersteigert werden kann. Dieses Ersteigern wird so lange fortgesetzt, bis jeder Spieler ein Objekt in dieser Phase erworben hat.

Damit beginnt die Phase B. Jetzt kann jeder Spieler wählen welche der folgenden Aktionen er durchführen will. Es gibt 5 verschiedene Auswahlmöglichkeiten: ein Werk vollbringen, ein Gebäude kaufen, einen weiteren Künstler an seinen Hof holen, eine Freiheit einführen oder eine Bonuskarte kaufen. Dabei gilt es zu beachten, dass man nur einmal pro Zug einen weiteren Künstler an den Hof holen und nur einmal eine Freiheit einführen kann. Alle anderen Aktionen darf man auch zweimal durchführen. Haben alle Spieler ihre zwei Aktionen durchgeführt bekommt noch der Fürst, mit dem besten Werk in dieser Runde 3 Prestigepunkte gutgeschrieben. Damit ist die Spielrunde beendet, der Startspieler wechselt einen Platz weiter im Uhrzeigersinn und eine neue Runde beginnt.

Am Ende der 7ten Runde wird dann ausgewertet, ob ein Spieler die Ziele auf seinen Prestigekarten, so er welche ersteigert hat, erfüllen konnte und dadurch noch weitere Prestigepunkte bekommt. Der Fürst mit dem höchsten Prestigewert gewinnt das Spiel.

 

Erweiterbarkeit

In das Regelwerk sind bereits 2 Erweiterungen integriert, die dem Spiel mehr Komplexität verleihen. Die erste Erweiterung nennt sich „Muse & Prinzessin“. Hier kommen nun die 6 beigefügten Charakter-Karten zum Zug. Die Phase A wird dadurch in Phase A1 und A2 aufgespalten. In der Phase A1 wird weiterhin die reguläre Versteigerung durchgeführt. Daran anschließend beginnt die Phase A2. Hier können die Spieler nun versuchen für jeweils 1 Runde einen Vertrauten (=Charakter-Karte) an ihre Höfe zu holen. Das geschieht auch in Form des Bietens. Jede Charakter-Karte hat Werte auf die die Spieler reihum ihre runden Steine setzen. Wer das höchste Gebot macht, bekommt den Charakter zugesprochen. Dabei gibt es zu beachten, dass das auf der Karte abgebildete Höchstgebot nicht überschritten werden kann. Die Vertrauten sind sehr praktisch, so spült der Bankier z.B. weiteres Geld in die Kasse eines Fürsten während die Muse die Werkzahl aller Werke, die ein Spieler die Runde über vollbringt, erhöht.

Die zweite Erweiterung ist das „Kooperative Bauen“. Hierbei werden die Spieltafeln umgedreht und so aneinander gelegt, dass die Fürsten auch die Grenzfelder ihrer Nachbarn bebauen können. Allerdings muss man sich mit seinem Nachbarn erst einig sein und die Gebäude sollten gemeinsam finanziert werden, schließlich haben beide Spieler einen Nutzen davon, sei es allein dass jeder 3 Prestigepunkte für den Bau bekommt und auch die Künstler von beiden Spielern das Gebäude gebrauchen können.

 

Spielvorgaben

Die Fürsten von Florenz ist für Spieler ab 12 Jahren gedacht. Ich denke auch, dass das ein gutes Alter ist um in das Spiel einzusteigen. Gerade die vorgegebene Dauer von 7 Zügen erfordert schon großes planen, zumal man oft nicht das Objekt ersteigert, welches man unbedingt im aktuellen Zug braucht. Auch die veranschlagte Spieldauer von 90 bis 150 Minuten ist durchaus gerechtfertigt. Gerade bei Spielen mit mehr als 3 Spielern kann es sich ziemlich in die Länge ziehen.

Die Spielerzahl von 2 bis 5 finde ich sehr lobenswert. Endlich mal kein Spiel was für 3 bis 5 Spieler ist. Zugegeben, mit 2 Spielern ist dieses Spiel nicht so reizvoll, allerdings lebt Die Fürsten von Florenz davon, dass man mit möglichst vielen Personen spielt.

 

Spielspass und Fazit

Pro Ludo! hat mit Die Fürsten on Florenz ein sehr schönes und in sich kompaktes Spiel auf den Markt gebracht. Besonders die wunderschön gestalteten Personenkarten haben es mir sehr angetan, aber das ganze Spielmaterial ist, typisch Pro Ludo! : hochklassig.

Machen die Spielmaterialien schon Spaß, das Spiel macht es noch viel mehr. Die Regeln sind sehr gut durchdacht und das Spiel läuft recht flüssig von der Hand. Gerade die Erweiterungen sind eine echte Bereicherung und erhöhen den Spaßfaktor um einiges. Die Grundregeln werden nämlich schon beim zweiten Spielen eher langweilig, da kommt die Muse & Prinzessin gerade recht. Allerdings sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass das Spiel erst ab 4 Spielern so richtig herausfordernd ist. Ansonsten vermisse ich Möglichkeiten, meinen Gegenspielern direkt „in die Suppe zu spucken“. Trotzdem spielt man aber nicht nebeneinander her sondern zusammen und gerade beim Bieten kann man seinen Konkurrenzkampf richtig ausleben.

Alles in allem ist Die Fürsten von Florenz ein tolles Spiel, das uns noch sehr viele lustige Stunden bescheren wird. Wer Wirtschaftsspiele mag, bei denen es mal nicht um Mord und Totschlag geht, wird mit diesem Produkt von Pro Ludo! sehr gut beraten sein.

 

(anklicken zum vergrößern)

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Brettspiel:

Die Fürsten von Florenz

von Pro Ludo Spielevertrieb

ASIN: B000L95YXI

Spieler: 2 bis 5

Dauer: 90 bis 150 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

ASIN: B000L95YXI

Erhältlich bei: Amazon

 

Spielmaterial:

 

  • 1 Spielplan,
  • 5 Spieltafeln,
  • 30 Gebäude,
  • 18 Landschaften,
  • 12 Freiheiten,
  • 6 Baumeister,
  • 7 Gaukler,
  • 66 Spielkarten,
  • Spielgeld,
  • 6 Spielfiguren,
  • 6 Spielsteine,
  • Spielregeln.

 


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Erstellt: 17.06.2007, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50