Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die geborene Herrscherin von Greg Keyes

Reihe: Die verlorenen Reiche, Bd. 4

Rezension von Christel Scheja

 

Weil er von Kind auf mit der Sprache und Sagenwelt der Navajo-Indianer vertraut gemacht wurde, entwickelte Greg Keyes schon früh ein Fable für fremde Sprachen und Mythologien, etwas, was ihm später als Schriftsteller sehr helfen sollte. Zusammen mit anderen gehört er zu den „Erneuerern“, die in den letzten zehn Jahren frischen Wind in die Fantasy gebracht haben, ohne dabei mit alten Traditionen zu brechen. Auch sein Zyklus um die „Verlorenen Reiche“ ist in einer mittelalterlichen Welt voller Glauben und Aberglauben angesiedelt, obgleich die Menschen mit Magie vertraut sind.

Lange Jahre waren sie die Sklaven der nichtmenschlichen Skasloi. In einem Aufstand gelang es ihnen, diese zu besiegen und den Dornenkönig einzusperren. Das allerdings liegt schon viele Jahre zurück.

 

Königin Anne hat sich mit ganz anderen Problemen herum zu schlagen. Zwar ist es ihr gelungen, ihren wahnsinnig gewordenen Onkel, der ihre ganze Familie ermorden ließ, zu besiegen und sitzt seither selbst auf dem Thron von Crothenien, aber das heißt noch lange nicht, dass Frieden im Land herrscht.

Denn vor allem im Nachbarreich betrachtet man sie mit Argwohn. Der dortige König hat von ihren geheimnisvollen Kräften gehört und sieht es als heilige Pflicht an, die Hexe vom thron zu stoßen. Die Kirche, die nicht gerne eine Frau auf dem Thron sitzen sieht, unterstützt ihn noch darin und schürt sein Misstrauen nur noch mehr.

Der Teil der Kirche, der Anne mehr zu getan ist, beschäftigt sich derweil mit anderen Dingen, denn der junge Priester Stephen macht sich nun entgültig daran, den Pfad der Schreine zu beschreiten, um ein Vermächtnis zu erfüllen.

Derweil erkennt Anne, dass die Gefahr durch die Intriganten und Feinde allerorten die Vermächtnisse der Skasloi wecken könnten – und das wäre ein schwerer Fehler. Die Aufzeichnungen ihrer Ahnherrin Virgenia Darye enthüllen düstere Geheimnisse, denen Anne sich stellen muss, wenn ihr Volk, ja die ganze Welt überleben müssen – auch wenn das ihren eigenen Tod bedeuten könnte. Doch sie nimmt das wie eine wahre Königin in Kauf und beweist einmal mehr, dass sie die „Geborene Herrscherin“ ist.

Aber auch ihre Weggefährten und Freunde müssen sich Herausforderungen stellen, die über das Schicksal ihrer Königin und des Landes entscheiden könnten.

 

Wenn man die ersten drei Teile des Zyklus um „Die verlorenen Reiche“ nicht gelesen hat, wird man es schwer haben sich in die Handlung einzulesen, da Greg Keyes nur wenig erklärt, sondern den Platz lieber dafür aufwendet, die offenen Handlungsstränge zusammen zu führen und offene Fragen zu beantworten. Er springt sehr viel von einem Schauplatz zum anderen, bringt den Leser aber dazu, das Buch nicht beiseite zu legen, da viele Kapitel mit einem Cliffhanger aufhören, dessen Auflösung man nicht missen möchte.

Durch die Vielzahl der Personen ist es nicht leicht, die Handlung zu verfolgen, aber wer sich darauf einlassen kann, wird mit gut durchdachten Intrigen belohnt, die es in sich haben und die Helden mehr als einmal nahe an den Abgrund führen. Man atmet förmlich auf, wenn das letzte Kapitel erreicht ist. Auch wenn er Magie und fremde Wesen mit einfließen lässt, so sind Keyes doch die Menschen am Allerwichtigsten. Er schildert sie sehr lebendig, scheut sich nicht ihre dunklen Seiten zu zeigen oder sie mehrfach Fehler begehen zu lassen. Zwar gibt es ein Happy End, aber auch das ist nicht übertrieben romantisch, sondern eher glaubwürdig, gerade wenn sich die Königin zwischen Vernunft und Herz entscheiden muss.

Alles in allem ist die Handlung gut durchdacht, nur an zwei oder drei Stellen im Mittelteil des Buches zieht sich die Geschichte ein wenig, so dass man sich zum Weiterlesen zwingen muss.

 

Dennoch ist „Die geborene Herrscherin“ in erster Linie für die Leser interessant, die die ersten drei Bände des Zyklus kenne und zudem Fantasy-Abenteuer lieben, in denen Magie und Intrigen zu einer komplexen und nicht immer leicht zu durchschauenden Handlung verwoben werden. Wer eigentlich nur Action sucht, wird das Buch eher enttäuschend finden.

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Die geborene Herrscherin

Reihe: Die verlorenen Reiche, Bd. 4

Autor: Greg Keyes

broschiert, 576 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Gerold

Titelbild von Kira Santa

Blanvalet, erschienen August 2009

ISBN-10: 3442242630

ISBN-13: 978-3442242634

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 02.11.2009, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35