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Die geschenkte Zeit von Steph Swainston

Rezension von Christel Scheja

 

 

Mit „Die geschenkte Zeit“ kehrt die 1974 geborene britische Autorin Steph Swainston zu ihrem Helden Jant Shira zurück, den sie bereits in ihrem Erstling „Komet“ vorstellte. Schon damals war sie durch ihren eigenwilligen Stil aufgefallen.

Der nun vorliegende Roman ist indes keine direkte Fortsetzung zu „Komet“, man kann ihn auch lesen, ohne das vorgenannte Buch zu kennen.

 

Seit vielen Jahren kämpfen die Bewohner von Vierlanden verzweifelt um ihr Überleben, denn immer wieder fallen riesige Insekten durch einen magischen Spalt ein und überrennen die Städte und Provinzen. Sowohl die Menschen als auch die katzenhaften Rhydaner und die geflügelten Awianer, sehen zu ihrem unsterblichen Imperator San und seinen fünfzig Gefährten auf, die das Land durch ihre besonderen Fähigkeiten zusätzlich beschützen.

Auch Jant Shira ist einer von ihnen - der einzige Awianer, der noch in der Lage ist, seine Flügel auch zu gebrauchen und damit durch die Lüfte zu fliegen. Unter seinem Ehrennamen „Komet“ zieht er durch das Land um Botschaften von einer Ecke des Reiches zur anderen zu überbringen und die Truppen zu koordinieren.

Da er wie die anderen Gefährten ebenfalls die Unsterblichkeit verliehen bekommen hat, hat er inzwischen auch eine andere Sichtweise auf das Leben, den Kampf und die Welt als die Sterblichen. Das hat dazu geführt, das er lange Jahre einer sinnverwirrenden Droge verfallen war, die ihn in ein anderes Land zu versetzen schien.

Fünf Jahre nach dem letzten verheerenden Angriff der Insekten hat sich einiges verändert. Jant hat in der Awianerin Natascha seine große Liebe gefunden und neue Hoffnung. Das Dasein scheint einen Sinn bekommen zu haben und macht ihm Spaß.

Bis zu dem Tag, an dem der Imperator eine verhängnisvolle Entscheidung trifft: Weil seine Reflexe nachgelassen haben, wird der Fechter Gyo aus der Reihe der Gefährten entlassen und mit Serein Zaunkönig neues und frisches Blut in die Gemeinschaft aufgenommen.

Komet und seine Freunde sind zwar betrübt, den alten Kameraden zu verlieren, akzeptieren aber die Gründe ihres Herrn. Gyo kann das allerdings nicht und sinnt auf Rache, obwohl die anderen noch versuchen, ihn davon abzubringen. Doch der ehemalige Unsterbliche ist nicht bereit, die Entscheidung des Imperators hin zu nehmen und beginnt andere Unzufriedene um sich zu sammeln und die bisherige Weltordnung in Frage zu stellen.

Dann erreicht die Kunde von einer geheimnisvollen Insel weit draußen im Meer den Hof. Imperator San entschließt sich - Komet und einige seiner Gefährten auf die lange Reise zu schicken, um sich den Ort genauer anzusehen, was Jant gar nicht begeistert aufnimmt...

Doch er weiß, dass er sich dem Befehl fügen muss, und schon bald zeigt sich, dass die Insel trotz der geringen Begeisterung ihrer menschlichen Bewohner über die Neuankömmlinge, Geheimnisse birgt, die für das Überleben Vierlandens mehr als wichtig sein könnten.

 

Anders als in ihrem Auftaktband konzentriert sich Steph Swainston diesmal mehr auf eine zusammenhängende Geschichte und weniger auf die sehr subjektiven und manchmal sehr surrealen Eindrücke ihres Helden Jant Shira. Es kommt auch Erzählung zu Gute, dass er die Droge nicht mehr so häufig nimmt, sondern sich mehr auf die Geschehnisse in seiner Welt konzentrieren muss.

Dadurch gewinnen die anderen Figuren an Profil und Charakter und man kann ihr Verhalten und ihre Motivation besser verstehen.

Dem ein oder anderen Leser mag dabei sicher der experimentelle Stil der Autorin verloren gehen, aber Elemente davon sind immer noch zu erkennen.

Die Handlung hat etwas an Tiefe gewonnen. Auch wenn sie zunächst eher schlicht beginnt, so gewinnt sie doch bald durch die überraschenden Wendungen und Verknüpfungen, die die scheinbar unabhängigen Ereignisse - die Verabschiedung eines ehemaligen Gefährten und vor allem die Reise zur Insel - zu einem interessanten Ganzen zusammenfügen. Schon in der Mitte zeigen sich erste Hinweise, die einen neugierig machen und am Ball halten.

Steph Swainston hat dazu gelernt. Es kommt nicht nur darauf an dem Leser auf intelligente Weise den Spiegel vorzuhalten und mit psychologischen Spielereien zu verwirren, auch die Geschichte muss seinen Sinn ergeben und Geheimnisse enthüllen, die einem die Welt und ihre Gesellschaft näher bringen. Und wer die etwas intelligentere Darstellungsweise vieler Geschehnisse und die sarkastischen bis zynischen Kommentare von Jant Shira bisher mochte, wird ebenfalls nicht enttäuscht werden - diese sind in entsprechendem Maße immer noch vorhanden.

 

Das tut „Die geschenkte Zeit“ im Gegensatz zu ihrem Vorgänger. Wer also Steph Swainston trotz gewisser Vorbehalte noch einmal eine Chance geben will, der wird nicht enttäuscht werden sondern eher angenehm überrascht.

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Die geschenkte Zeit

Autorin: Steph Swainston

Broschiert, 525 Seiten

Blanvalet, erschienen Juni 2007

ISBN 978-3-442-24462-1

Übersetzung aus dem Englischen von Alfons Winkelmann

Titelbild von Natascha Roeoesli

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 22.06.2007, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35