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Die Geschichte Amerikas – die Biographie einer Nation

Filmkritik von Christel Scheja

 

Auch wenn Amerika heute eine Weltmacht ist, auf eine lange Geschichte kann diese Nation nicht zurückblicken. Als Staatengebilde ist sie erst seit etwas über 200 Jahre existent, noch einmal gut zweihundert Jahre früher kamen die ersten Siedler aus Europa an die Ostküste, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen.

„Die Geschichte Amerikas“ beschreibt die Entwicklung der Vereinigten Staaten von den ersten Kolonien hin bis zur modernen Zeit und versucht dabei die Punkte heraus zu arbeiten, die die Nation erst so groß gemacht haben.

 

Im 17. Jahrhundert, gut ein Jahrhundert nach der Entdeckung der neuen Welt, kommen die weißen Männer nicht mehr nur als Entdecker und Plünderer. Tatsächlich lassen sich die ersten Menschen an der Ostküste nieder. Je nach dem Verhalten der Siedler dulden sie und helfen ihnen die Ureinwohner oder bekämpfen sie. In allen Fällen sind die Kolonisten überlegen – nicht nur durch bessere Waffen, sondern auch durch in Amerika noch unbekannte Krankheiten wie die Pocken, die in der Folgezeit immer mehr Ureinwohner töten.

Schon bald nachdem die ersten Menschen nach vielen Entbehrungen Fuß gefasst haben, entwickelt sich Amerika zu einem Land der Hoffnung. Diejenigen, die in ihrer alten Heimat aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt werden, wandern ebenso wie die Menschen nach Nordamerika aus, die durch Missernten, Dürre und gierige Landbesitzer alles verloren haben.

So wächst nach und nach eine sehr selbstbewusste Bevölkerung heran, die irgendwann nicht mehr bereit dazu ist, sich ihre Gesetze von König und Parlament aus Europa diktieren zu lassen. Es kommt zur Revolution und den Befreiungskriegen.

Erst als sich die junge Nation sicher sein kann, nicht mehr von England und Frankreich niedergerungen zu werden, kehrt wieder Ruhe ein und die Expansion nach Westen beginnt.

Doch nicht alle Menschen kommen freiwillig nach Amerika. Gerade aus Afrika werden noch immer ganze Ladungen von Sklaven in die neue Welt verschifft

Die Folgen begleiten die USA durch ihre innen- und außenpolitischen Auseinandersetzungen, die Ideale, die die Menschen zusammenschweißen und sich zu der „amerikanischen Idee von Freiheit und Demokratie“ entwickeln, auch wenn es in der Praxis bis heute Reibereien aufgrund von verschiedensten Lebensauffassungen gibt.

Sie zeigen, wie die industrielle Revolution und die Innovationen, die die Vereinigten Staaten an die Spitze der Weltwirtschaft katapultieren. Nach und nach greifen sie auch immer wieder in die Geschicke der Politik an anderen Brennpunkten der Welt ein, auch wenn sie selbst immer noch innergesellschaftliche Probleme haben, wie die Rassentrennung, die in manchen Bundesstaaten sogar im Gesetz festgeschrieben waren.

 

Da die 12-teilige Dokumentation von einem amerikanischen Sender für die einfache Bevölkerung ihres Landes produziert wurde, darf man nicht allzu viel Negatives erwarten. Tatsächlich geht die Dokumentation unangenehmen Themen und dunklen Punkten in der Geschichte des Landes gerne aus dem Weg, auch wenn das ein oder andere kurz erwähnt wird. Letztendlich ist die Dokumentation ein Blick auf die Entwicklung und Biographie des „weißen Amerika“, der aus den ersten Siedlern erwachsenen angloamerikanischen Ober- und Mittelschicht, die nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich bestimmt.

So sind die meisten in den Folgen erwähnten Männer und Frauen Nachkommen von Europäern, erst in den Dokumentationen, die die Nachkriegsjahre abdecken rücken auch farbige Bürgerrechtler in den Mittelpunkt.

Das bedeutet nicht, dass der interessierte Zuschauer nicht doch das ein oder andere interessante Detail mitbekommt, das in europäischen Geschichtsbüchern nicht gelehrt wird. Aber insgesamt fällt mit ein wenig Distanz doch ein wenig das Loblied auf die klassischen amerikanischen Tugenden und Ideale auf. Schon die ersten Siedler sind wagemutig und tatkräftig, die Pioniere späterer Generationen, die den Westen „erobern“ um so mehr.

Technische Innovationen werden ohne Rücksicht auf die Natur durchgezogen – hier immerhin wird auch erwähnt, was für langfristige Folgen dass für die Bewohner der betroffenen Gebiete hatte, wenn etwa der Grundwasserspiegel durch Staudämme und Ableitung von Wasser in die großen Städte, sank.

Alles in allem hält sich der Informationsgehalt der Dokumentation in Grenzen, und diejenigen Neuigkeiten, die man zusätzlich zum Schulwissen präsentiert bekommt, sind bis auf wenige Ausnahmen geschönt. Das wirft aber auch einen interessanten Blick auf das Selbstverständnis des weißen Amerika und regt durchaus zum Nachdenken an.

Plastisch vor Augen geführt werden die Inhalte immerhin durch gut gemachte Spielszenen und Animationen, auch wenn einige davon sehr oft wiederholt werden, wie etwa die über die Plains galoppierende Büffelherde.

 

Alles in allem bietet „Die Geschichte Amerikas“ gerade für historisch noch unbeleckte Zuschauer einen unterhaltsamen Überblick über die Entwicklung der Vereinigten Staaten, auch wenn man dabei nicht vergessen sollte, dass viele Inhalte aus der Sicht des „weißen Amerika“ dargestellt werden und wirkliche Schattenseiten der Vergangenheit genau so wie noch heute bestehende gesellschaftliche Probleme bewusst aus den Schilderungen ausgegrenzt werden.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205185336491f1ad0
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DVD:

Die Geschichte Amerikas – die Biographie einer Nation

(DVD, Dokumentation, FSK 12)

12-teilige Dokumentarserie; USA 2010

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Format: Dolby, PAL, Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 3

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 24. Juni 2011

Spieldauer: 540 Minuten

 

ASIN: B004TINSGC

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 31.07.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01