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Die Götter von Amyrantha von Jennifer Fallon

Reihe: Gezeitenstern-Saga Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

Die „Gezeitenstern-Saga“ ist Jennifer Fallons neustes Projekt. Wie in auch schon in ihren anderen Romanen, die schon in Deutschland und bei Heyne erschienen, gehen hier Magie, Abenteuer und Romantik Hand in Hand. Die Helden und Schurken lassen sich wie so oft von ihren Gefühlen und Leidenschaften leiten, ohne dass hier jedoch die abenteuerliche Handlung darunter leidet.

 

So auch Cayal, der „Unsterbliche Prinz“, der zu einer Gruppe von Menschen gehört, die vor Tausenden vor Jahren das Bad in einer ewigen Flamme überstanden und seither nicht nur unsterblich wurden, sondern auch über gottgleiche Kräfte verfügen, wenn bestimmte kosmische Energien die Welt heimsuchten. Doch diese kommen und gehen innerhalb weniger Jahre, wie die Gezeiten eines Meeres, so dass sie sich hin und wieder auch für Jahrhunderte zurückziehen müssen, da ihre Magie in den Zeiten der kosmischen Ebbe so gut wie vollständig verschwindet.

In den Mythen und Legenden der Menschen sind sie als „Gezeitenfürsten“ zu Göttern und Dämonen geworden, die man gleichermaßen verehrt und fürchtet, verachtet und anbetet. Nur wenige, wie die „Bruderschaft des Tarot“ wissen um die Wahrheit hinter den Legenden und versuchen die Gezeitenfürsten zu bekämpfen, so lange sie noch Macht gegen sie haben.

Arkady Desan hat die „Gezeitenfürsten“ nur für Märchengestalten gehalten. Doch der Kontakt mit einem Gefangenen, der die Hinrichtung durch den Strang überlebt hat, obwohl sein Genick gebrochen war, belehrt sie eines besseren. Cayal, der eigentlich gehofft hatte, in den Zeiten der kosmischen Ebbe zu sterben, erzählt ihr seine Geschichte.

Die Historikerin und Fürstin kann ihm zunächst nur staunend zuhören, aber schon bald lernt sie durch ihn die untrüglichen Zeichen zu erkennen, an denen man die „Gezeitenfürsten“ erkennen kann. Weitere Bestätigung bekommt sie, als Cayal sie entführt, mit einer weiteren Unsterblichen vertraut macht und dabei auch in Berührung mit der Bruderschaft des Tarot kommt.

So beginnt sie Cayals Warnung ernst zu nehmen. Arkady muss erkennen, das ein enger Vertrauter des Königs ebenfalls ein Gezeitenfürst ist und anders als Cayal nicht nach dem Tod, sondern nach Macht und Wohlstand strebt, auch wenn er dabei über Leichen gehen muss.

Schon jetzt spinnt er grausame Intrigen, die sich auch gegen sie und ihren Gemahl Stellan richten. Eine davon ist, den Fürsten von Lebec und seine Gemahlin nach Torlenien zu schicken, um sie in Glaebia aus dem Weg zu haben. Dort ist Arkady stark eingeschränkt, weil sich Frauen nur bedingt und dann stark verschleiert in der Öffentlichkeit bewegen dürfen und so gut wie keine Rechte haben.

Trotzdem bleibt sie weiter wachsam, denn die Gemahlin des Herrschers, die sie in ihren Serail einlädt benimmt sich höchst ungewöhnlich. Sie braucht nicht lange, um zu erkennen, dass sie eine weitere Gezeitenfürstin vor sich hat, die ihr – nachdem die Masken gefallen sind – weitere Details aus den Plänen der Unsterblichen erzählt, die das Mosaik weiter füllen.

Arkady muss erkennen, dass die Gefahr für die Menschen weit größer ist als gedacht, denn einige unter den Gezeitenfürsten haben mehr als nur die Versklavung der Menschheit im Sinn. Sie wollen nicht mehr und nicht weniger, als die Welt zerstören und neu formen.

 

Auch wenn der Roman weitestgehend sehr ruhig bleibt und sich den Einsatz von Action spart, weiß Jennifer Fallon, wie sie ihre Leser ködern kann. Zusammen mit der Heldin Arkady erfährt der Leser weitere Geheimnisse der Gezeitenfürsten und kann das Bild von ihnen immer mehr vervollständigen. Trotzdem werden die Unsterblichen dadurch nicht leichter durchschaubar, eher im Gegenteil Es kommen Details ihres Wesens ans Licht, die man bisher nicht kannte. Jeder – selbst „gute“ Gezeitenfürsten wie Maralyce und Cayal haben auch ihre dunklen Seiten, und nicht alle der zuerst als böse geschilderten sind das auch. Es kommt in dieser Geschichte ganz auf den Blickwinkel an. Und gerade zum Ende hin wartet sie noch mit einer Überraschung auf.

Wie auch schon im ersten Band sind die Figuren erfrischend normal. Jeder hat mit seinen inneren Dämonen und Vorurteilen zum kämpfen, macht auch schon einmal Fehler oder ist zu zögerlich. So braucht es keine epischen Schlachten, um zu fesseln, die Intrigenspiele und Enthüllungen erzeigen Spannung genug.

Leidenschaften und Liebe spielen zwar eine Rolle, ordnen sich aber der Geschichte und den vielen Andeutungen und Geheimnissen unter. Sie sind zumeist Triebfedern für das Verhalten und die Motive der Helden. Zwar spart Jennifer Fallon dabei nicht mit Klischees aus Fantasy- und Liebesromanen, aber die Figuren sind so liebevoll beschrieben, die Welt so überzeugend aufgebaut, dass man ihr dies nicht übel nimmt. Auch der zweite Band der Trilogie hat trotz seiner Dicke und der ruhigen Handlung keine Längen und macht gerade durch einen wirklich gemeinen Cliffhanger am Ende das Warten auf den Abschluss des Zyklus um so unerträglicher.

 

„Die Götter von Amyrantha“ ist ein würdiger Mittelband der „Gezeitenstern“- Trilogie, der in keinem Bereich weniger überzeugend ist als sein Vorgänger „Der Unsterbliche Prinz“. Vielleicht ist er wieder nichts für Leser, die Action mit einer gut überschaubaren Handlung mögen, kann aber alle in den Bann schlagen, die komplexe Hintergründe und verzwickte Intrigen mit viel Magie, einem Schuss Romantik und exotischem Abenteuer mögen.

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Die Götter von Amyrantha

The Gods of Amyrantha, AUS 2007

Reihe: Gezeitenstern-Saga, Bd. 2

Autorin: Jennifer Fallon

Paperback mit Klappbroschur, 574 Seiten

LYX/Egmont Verlagsgesellschaften, Köln, erschienen Oktober 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Katrin Kremmler und Rene Satzer

Titelbildgestaltung von Anke Koopmann

ISBN-10: 3802581792

ISBN-13: 978-3802581793

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.11.2008, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35