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Die Herrscherin von Karen Miller

Godspeaker, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die in Vancouver geborene Karen Miller zog schon als Kind nach Australien, wo sie noch heute lebt und arbeitet. In Deutschland wurde sie erstmals durch ihre Duologie „Königsmacher“/“Königsmörder“ bekannt, in dem es vor allem um die Intrigen in einem Königshaus geht. Auch in „Die Herrscherin“, dem ersten Band des „Godspeaker“-Zyklus geht es um den Aufstieg zur Macht – und letztendlich auch wie sie jemanden korrumpieren kann.

 

Es ist eine harte und grausame Welt in der Hekat aufwächst. Die Grenzen zwischen den Bevölkerungsschichten sind starr. Es scheint schier unmöglich für einen Armen aufzusteigen und selbst reich zu werden. Die Wohlhabenden lassen sich von Sklaven bedienen, zumeist die Kinder derer, die sie nicht mehr ernähren können. Und Frauen zählen gar nichts – tragen meist nicht einmal einen Namen. Sie sind nur dazu da, zu arbeiten und Kinder zu bekommen. Gebären sie zu viele Mädchen werden sie verachtet und geschlagen.

Die Grausamkeit ihrer Eltern vor Augen wird Hekat in die Sklaverei verkauft. Doch weil sie trotz des harten Lebens schön ist, wird sie besonders freundlich und gut behandelt. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie unfrei ist, wie man ihr schon bald schmerzhaft in Erinnerung bringt, als sie über die Stränge schlägt.

Bis zu dem Tage, an dem sie entscheidet, niemals einem Mann gegen ihren Wollen zu gehören. Sie ergibt sich den Einflüsterungen des Skorpiongottes und flieht in die Wüste. Dort erkämpft sie sich im Lager des Kriegsherren Raklion Anerkennung und Aufmerksamkeit als Klingentänzerin. Schon bald ruft sie der mächtige Feldherr an seine Seite, um sie zu seinem Weib zu machen. Ihre Stellung festigt sich vollkommen, als ihm einen Sohn schenkt, der nach ihnen das neu geschaffene Reich regieren soll.

Hekat hat es geschafft. Sie ist von einem namenlosen Kind zu einer Frau aufgestiegen, die man gleichermaßen fürchtet und achtet, die im Namen eines Gottes spricht und handelt und der nun die Männer zu Füßen liegen. Als ihr Gefährte stirbt, muss sie die Macht mit niemandem mehr teilen und ist damit am Ziel ihrer Wünsche. Doch stimmt das wirklich?

 

Normalerweise neigen Autoren dazu, ihre Helden sympathisch und positiv zu schildern. Karen Miller geht allerdings den umgekehrten Weg. Hat man zunächst noch Mitleid mit Hekat, so verringert sich das Gefühl je mehr sie aufsteigt und sich von der Macht korrumpieren lässt und all das tut, was sie als Kind und junge Frau so gehasst hat. In der Beziehung bleibt die Autorin konsequent, findet schließlich aber auch einen Gegenpol dazu, der das alles etwas ausgleicht.

Sie schildert die Welt hart und grausam, nimmt kein Blatt vor den Mund, was Gewalt und Willkür angeht – was auch nicht jedem Leser liegen dürfte. Auch wenn manches umschrieben wird, so weiß man doch, was gemeint ist und schaudert um so mehr. Auch ist der Gott ein Teil der Geschichte, die Religion wird aktiv ausgelebt und nicht nur hinter verschlossenen Tempeltüren. Dementsprechend demagogisch sind manche Aussagen.

Das alles ist in eine Handlung eingebettet, die eher an ein Soap-Drama erinnert als einen Fantasy-Abenteuer-Roman. Denn die Geschichte konzentriert sich sehr auf Hekat und ihr Verhalten. Reagiert die Heldin zunächst nur auf das, was ihr geschieht, so ändert sich das langsam – schließlich hält sie die Fäden in der Hand und agiert skrupellos, um ihren Interessen recht zu verschaffen. Wirklich abenteuerlich wird das jedoch nicht – Schlachten sollte man keine erwarten.

 

So wird es der Roman schwer haben, eine geeignete Leserschaft zu finden. Die Struktur gleicht den Romanen, die viele Frauen vorziehen, beschäftigt sich mit Schicksalen und dramatischen Entwicklungen, der Inhalt aber liegt schwerer im Magen als der manch eines Warhammer-Romans, da Gewalt, Grausamkeit und Willkür hier weit realistischer dargestellt werden. Und wer sich zumindest an sympathischen Figuren festklammern möchte wird auch kaum eine finden die ihm behagt.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

Julia
Dienstag, 10. November 2009 18:36 Uhr
Genau das ist auch meine Meinug des Buches,ich brauche eine sympathische Figur und hatte wirklich Probleme damit, dass Hekat so grausam und arrogant ist, andererseits kann man gar nicht anders als mit ihr zu sympathisieren. Ich muss ehrlich sagen ich weiß immernoch nicht, ob mir das Buch gefällt oder nicht^^

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Buch:

Die Herrscherin

Reihe: Godspeaker, Bd. 1

Autorin: Karen Miller

Klappbroschur, Paperback, 800 Seiten

Penhaligon, erschienen August 2008

Übersetzung aus dem Australischen von Michaela Link

Titelbild von David Wyatt

ISBN-10: 3764530189

ISBN-13: 978-3764530181

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 09.11.2009, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35