Die Himmelhunde von Boragora Vol. 1(DVD; TV-Serie; FSK 12)
 
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Die Himmelhunde von Boragora Vol. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Als „Jäger des verlorenen Schatzes“ 1981 ins Kino kam, erweckte der Film das Abenteuerkino der 1930er und 1940er Jahre zu neuem Leben, fischte sich genussvoll all die Klischees heraus, die die „Serials“ damals so erfolgreich gemacht hatten: Actionreiche Stories mit einem guten Schuss Humor bewegten sich vor einem möglichst exotischen Hintergrund und erlaubten sich auch schon einmal den ein oder anderen übernatürlichen Moment. Helden und Schurken besaßen klar definierte Charaktere und brachen nur selten aus diesem Schema aus.

 

Eine der Produktionen, die sich damals ein Stück vom Kuchen des Erfolges abzuschneiden versuchte, war „Tales of the Golden Monkey“, geschaffen von der Firma, die auch „Magnum“ produzierte. Es entstand eine Staffel mit Pilotfilm und 21 Folgen. 1983 wurde die Serie mangels Zuschauerinteresse bereits wieder eingestellt. Nach Deutschland kam die Serie 1990. RTL strahlte die Staffel aus und wiederholte sie ein letztes Mal 1992, danach verschwand sie vom Bildschirm und taucht erst jetzt wieder durch die DVD-Veröffentlichung aus der Versenkung auf.

 

Im Mittelpunkt steht der Pilot und ehemalige Söldner Jake Cutter, der 1938 zusammen mit seinem Freund Corky und seinem Hund eine kleine unabhängige Fluggesellschaft auf der fiktiven Insel Boragora im Südpazifik betreibt. Das Eiland steht unter französischen Mandat und befindet sich ganz in der Nähe der Grenze zum japanischen Hoheitsgebiet.

So bleibt nicht aus, das das ehemalige Mitglied der „Flying Tigers“ immer wieder in Berührung mit seiner Vergangenheit als Kampfflieger kommt. Als wäre die Sorge um seinen Mechaniker und Freund Corky nicht genug, der zudem noch Alkoholiker ist und sich um den Verstand trinkt, wenn er nicht aufpassen würde, gesellt sich später auch noch die junge Sängerin Sarah Stickney White zu ihnen, in Wirklichkeit eine amerikanische Spionin, die das Treiben in diesem entlegenen Landstrick im Auge behalten soll. Befreundet ist Jake auch noch mit „Bon Chance“ Louis, dem Besitzer der örtlichen „Golden Monkey“-Bar und Vertreter der französischen Regierung.

Dem übereifrigen und den Frauen sehr zugetanen Reverend Willie Tenboom beäugt er eher mit Skepsis – zu recht, denn der junge Mann ist ein Nazi-Spion, der manchmal gemeinsame Sache mit der illustren japanischen Prinzessin Koji und ihrem treuen Gefolgsmann Todo macht.

Obwohl die Insel am Ende der Welt lebt und es neben wilden Eingeborenen kaum Zivilisation gibt, ist die Region für eine Menge illustrer Gestalten interessant, sei es nun, weil man hier treiben kann, was man will – im Schutz mächtiger Verbündeter, weil die Behörden bestechlich sind, und ein Auge zudrücken, wenn es um Sklavenhandel und allen möglichen Schmuggel geht, oder weil uralte Legenden auf magische Geheimnisse hindeuten.

Gleich im Pilotfilm kommt heraus, welche Bedeutung der „Goldene Affe“ für die Region hat. Auch die Nazis sind sehr an der geheimnisvollen Statue interessiert, die sich auf einer vergessenen Insel befinden soll . besteht sie doch aus einem Metall, kostbarer als Gold. Dann wieder nutzen skrupellose Wissenschaftler die abgeschiedene Region aus, um grausame Experimente durchzuführen und eine Bombe zu zünden, die das Gesicht der Welt verändern könnte.

Sarah Stickney White begegnet ihrem ehemaligen Verlobten wieder, den sie seit dem Tod ihres Vaters, eines angesehenen Archäologen, nicht mehr gesehen hat. Dieser hütet ein düsteres Geheimnis, das er aus Ägypten mitgebracht hat.

Mehrfach versucht Jake das Glasauge seines Russel-Terriers Jack wieder zurückzuholen, das er bei einem Pokerspiel verloren hat, und muss sich mit der raffinierten Prinzessin Koji herumschlagen, die ihre eigenen Interessen verfolgt. Und nicht zuletzt geht es um Sklavenhändler, entflohene Strafgefangene und alte Freunde, die ein falsches Spiel treiben könnten.

 

Zivilisatorisch zurückgebliebene und naive Eingeborene, Samurai, die ihrem Ehrenkodex folgen, aufrechte deutsche Wehrmachtssoldaten, die zwar ihrem Reich treu verpflichtet sind, aber doch noch so etwas wie Menschlichkeit in sich tragen und skrupellose Wissenschaftler oder Gestapo-Offiziere, die genau diese bereits verloren haben – die Serie zieht alle Register, wenn es um die Klischees geht, die viele der Serials der 1930er bis 1950er Jahre begründet haben.

Natürlich sind der Held und seine Freunde Amerikaner oder entstammen wenigstens befreundeten Nationen.. Sie halten die Fahne der Gerechtigkeit und des Mitgefühls hoch. Männliche und weibliche Hauptfigur umschwirren einander und beharken sich in witzigen Wortduellen, ohne sich wirklich näher zu kommen, verfallen, wenn es ernster wird, in jugendliche Verlegenheit. Corky erweist sich als liebenswerter Sidekick und der eigenwillige Hund Jack dürfte als Identifikationsfigur für viele Kinder gedacht sein.

Auch die Nebenfiguren sind klassisch gestaltet – Willy der deutsche Spion mag zwar noch reichstreu sein, merkt aber auch, was ihm wirklich wichtig ist und wird manchmal zum heimlichen Retter – eine Position, die ihm vielleicht in kommenden Staffeln zum Verhängnis geworden wären.

Die Serie bietet viele Abenteuer mit phantastischem Touch im „Indiana Jones“-Stil. Nicht nur im Pilotfilm folgen die Helden alten Mythen und Legenden, auch das Rätsel um einen Stamm afrikanischer Krieger, die sich auf eine bergige Insel zurückgezogen haben, wird gelöst. Und wenn die Helden nicht in das alte Ägypten kommen können, so bringt man diese einfach zu ihnen und präsentiert eine Begräbnispyramide im Dschungel einer Südseeinsel.

Andere Abenteuer sind etwas handfester und spielen in das Agentengenre hinein. Mehrfach wird Jake zum Spion wider Willen, sei es nun, um die Eingeborenen einer Insel vor dem drohenden Tod durch eine Bombe oder aber seine Freundin Sarah aus Gefangenschaft zu retten.

Das ganze wird dann noch mit jeder Menge Humor und einer Menge schräger Nebenfiguren garniert. Wer vielleicht „Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew“ kennt, wird den ein oder anderen wiedererkennen, dienten doch ausgerechnet die „Himmelhunde“ als Vorlage für die Disney-Animationsserie.

Man mag von den Themen halten was man will, unterhaltsam sind sie schon. Zwar hat die ein oder andere Folge kleine Längen, weil die Figuren zu sehr miteinander plänkeln, alles in allem wird aber spannende und kurzweilige Unterhaltung geboten, die vor allem eines ist – entspannend.

Warum Koch Media im ersten Volume nur den Pilotfilm und die ersten zehn Folgen bietet, bleibt ein Rätsel. Bild und Ton wurden leider nicht aufbereitet, man merkt gerade dem blechernen Mono-Ton und dem teilweise sehr körnigen Bild das Alter an. Auch fehlen jegliche Extras. Nur die Gestaltung des Digipacks im Schuber ist sehr stimmungsvoll gemacht.

 

 

Fazit:

 

„Die Himmelhunde von Boragora“ ist tatsächlich eine Abenteuerserie im Stil der „Indiana Jones“-Filme. Angesiedelt in der gleichen Zeitspanne bieten die Episoden alle Klischees von schurkischen Nazis, magischen Geheimnissen und mythischen Legenden, bis hin zum Ehrenkodex der Samurai und vergessenen Zivilisationen, garniert mit handfesteren Problemen und Machenschaften intriganter Hintermänner.

Wer jedenfalls ein Faible für das Genre und die Sujets der Pulp-Romane hat, wird sicherlich nicht enttäuscht, denn die Serie setzt nicht nur auf Spannung, sondern auch auf einen äußerst schrägen Humor und liebenswerte Figuren.

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MEDIUM:

Die Himmelhunde von Boragora Vol. 1

Tales of the Golden Monkey, USA 1982/83

Darsteller: Stephen Collins

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

Anzahl Disks: 3

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Koch Media GmbH - DVD

Erscheinungstermin: 22. November 2013

Spieldauer: 562 Minuten

ASIN: B00EPAB7NA

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 05.01.2014, zuletzt aktualisiert: 07.02.2024 17:01, 13388