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Die Höllenfahrt von Holly Lisle

Reihe: Das Gesetz der Magie Bd.1

Rezension von Carmen Huber

 

Als Molly McColl plötzlich mitten in der Nacht von mehreren Männern aus ihrem Wohnwagen entführt wird, hat sie zuerst keine Ahnung, was das soll. Trotz ihrer heftigen Gegenwehr wird sie von ihren Angreifern überwältigt und in einen Tunnel aus grünem Feuer gedrängt – ein Feuer ohne Hitze, das nicht verletzt, sondern sich eher kalt und erfrischend anfühlt. Und dann, ganz plötzlich, findet Molly sich ahnungs- und orientierungslos in einer Welt aus Eis, Schnee und Dunkelheit wieder, wo sie von den Fremden gefesselt und auf einen Wagen verfrachtet wird. Aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen: Die Kreatur, die den Wagen zieht, hat keinerlei Ähnlichkeit mit einem Pferd oder einer Kuh, und auch ihre Angreifer scheinen keine Menschen zu sein ...Es dauert nicht lange, und Molly erfährt (zumindest zum Teil), was das Ganze soll: Sie befindet sich in Oria, einer Unterwelt zu unserer Erde und ihre Entführer (sie gehören zum Volk der Veyâr) handelten im Auftrag ihres Herrn. Dieser erhofft sich durch Molly die Rettung für sein ganzes Volk, denn er hält die junge Frau für die Neunte Vodi. Und mit dem Erscheinen eben jener soll Oria von den Alten Göttern befreit werden ... Molly ist misstrauisch und wittert überall eine Falle, doch entgegen ihres anfänglichen Vorhabens, bei der erstbesten Gelegenheit zu fliehen, beginnt sie langsam, sich in Oria wohl zu fühlen ...

 

In etwa zur selben Zeit zieht Lauren Dane mit ihrem kleinen Sohn wieder in ihr Elternhaus ein. Ihr Mann ist verstorben, und dieser Schicksalsschlag macht ihr noch immer schwer zu schaffen. In dem Haus ihrer Eltern befindet sich auch noch der riesige Spiegel, der ihr schon als Kind unheimlich war, nur dass irgendjemand ihn inzwischen mit schwarzer Farbe übermalt hat. Lauren reinigt ihn, und schon bald bemerkt sie, dass der Spiegel zugleich ein Tor ist, dass in einen Tunnel aus grünem Feuer führt. Als sie ihn durchschreitet, landet sie nicht nur in einer anderen Welt, sondern sie findet zugleich auch ihre eigenen Erinnerungen wieder – Erinnerungen, die ihre Eltern vor langer Zeit durch einen Zauber vor ihr verbargen, um sie zu schützen ...

 

Während Lauren und Molly noch ganz mit sich selbst beschäftigt sind, kündigt sich bereits eine weitaus größere Gefahr an: eine mysteriöse Grippewelle droht, alles menschliche Leben auf der Erde auszulöschen. Die Medizin steht vor einem Rätsel und ein Gegenmittel konnte noch nicht gefunden werden ...

 

Zugleich versucht eine geheime Gruppe Männer und Frauen, die sich selbst die „Wächter“ nennt und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Missbrauch von Magie in Oria zu unterbinden, verzweifelt, etwas gegen die Grippeepidemie zu unternehmen. Denn sie kennt den Grund dafür: Jede gewirkte Magie in Oria zieht eine Art „Rückstoß“ auf der Erde mit sich, und kann diese sogar zerstören – so wie es auch jetzt der Fall zu sein scheint. Doch auch Wächter sind fehlerhaft – es scheint einen Verräter in den eigenen Reihen zu geben ...

 

Am Anfang braucht man ein wenig Zeit, bis man sich eingelesen hat – die Handlung wechselt immer wieder zwischen Molly, Lauren und den Wächtern hin und her – doch dann liest sich die Geschichte kurzweilig und unterhaltsam. Laurens kleiner Sohn lockert die Stimmung immer wieder auf, mit viel Humor erzählt die Autorin von den Leiden (und natürlich auch den Freuden) einer Mutter. Beiden Protagonistinnen sind relativ starke Persönlichkeiten, jede mit ihren eigenen Problemen und ihrer zu bewältigenden Vergangenheit. Geschickt verwebt die Autorin das Schicksal der beiden Frauen, und erst gegen Ende hin erkennt man alle Fäden, die die beiden verbinden.

 

Die Gesamtgestaltung der Welt ist zwar nichts Neues, aber trotzdem ziemlich gut gelungen: Es gibt unzählige Parallelwelten, die sowohl über- und untereinander als auch nebeneinander existieren. Während die Welten nebeneinander dieselbe Welt, nur mit anderen Entwicklungen darstellt, handelt es sich bei den Unter- und Oberwelten um komplett andere Orte, bevölkert von anderen Wesen. Steigt man von seiner Welt in eine höhere auf, ist man dort nicht viel mehr als ein körperloser Geist, geht man jedoch in eine Unterwelt, verfügt man dort über gottgleiche Kräfte (womit auch die Herkunft unserer Götter geklärt wäre). Doch jeder Zauber hat seinen Preis: Ein Rückstoß trifft die eigene Welt, kann diese sogar vernichten. So ist es bereits allen Welten oberhalb unserer Erde geschehen: Ihre eigene Bevölkerung hat sie durch Magie in einer unteren Welt zerstört. Aus diesem Grund versuchen die Wächter, den Missbrauch von Magie zu verhindern und unsere eigene Welt zu schützen – aber die Aussicht auf die unglaubliche Macht, die ein jeder in Oria hätte, kann verführerisch sein ...

 

Das Buch selbst ist im Wesentlichen in sich abgeschlossen: Die Gefahr ist fürs Erste gebannt, doch gibt es auch viele Andeutungen für die Fortsetzung, die im August 2005 unter dem Titel „Die Torweberin“ erscheint: Ein großer Plan, an dem schon Laurens Eltern arbeiteten, soll nun in die Tat umgesetzt werden, aber bis jetzt verrät die Autorin dem Leser noch nicht, um was genau es sich dabei handelt ...

 

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Titel: Die Höllenfahrt

Reihe: Das Gesetz der Magie Bd.1

Autor: Holly Lisle

Aus dem Englischen von Michaela Link

Verlag: Blanvalet

Format: Taschenbuch

ISBN: 344224126x

Erscheinungsdatum: Februar 2005

Seitenzahl: 478

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.08.2005, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35