Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Intrige der Kaiserin von Sarah Zettel

Reihe: Das Licht von Isavalta Bd.1

Rezension von Carmen Huber

 

Bridget ist Leuchtturmwächterin am Ufer des großen Lake Superior und ihr Leben ist bestimmt von Einsamkeit. Ihre Mutter starb schon bei ihrer Geburt, und auch ihr Vater ist inzwischen tot. Und ihre kleine Tochter verlor Bridget ebenfalls schon kurz nach der Geburt, während deren Vater, der Mann, dem sie ihr Herz schenkte, nach jener Nacht nie wieder gekommen ist und ihr das Herz brach. Bridget ist nicht mehr viel geblieben, nur noch eines zählt für sie: Leben dem stürmischen und unberechenbaren See zu entreißen, Menschen durch ihr Leuchtfeuer zu warnen und aus dem Wasser zu ziehen, wenn eine der Visionen ihr von dem Kentern eines Bootes erzählen – denn Bridget hat die Gabe des 2. Gesichts.

 

Eines Tages hat sie wieder eine Vision und rettet daraufhin einen Mann aus dem sturmgepeitschten See. Der seltsam gekleidete Fremde stellt sich ihr als „Valin Kalami, Lordzauberer und Berater der Kaiserinwitwe von Isavalta“ vor – woraufhin Bridget ihn erst mal für völlig verrückt hält. Doch dann beweist er ihr, dass er zaubern kann, und schließlich gelingt es Kalami doch, sie doch von seiner geistigen Gesundheit überzeugen. Kalami weiß auch von Bridgets Visionen, und er erklärt ihr, dass ausgerechnet sie die lang gesuchte, letzte und einzige Rettung von Isavalta sei. Denn der Kaiser ist von seiner eigenen Frau, einer machtgierigen und bösen Zauberin, verhext worden und nun in einem Bann gefangen, der seinen Geist verwirrt. Seine arme Mutter, die Kaiserinwitwe, sucht nun nach Hilfe, denn gegen die Macht ihrer Schwiegertochter kann sie nicht bestehen ... Bridget beschließt, aus ihrem eigenen Leben auszubrechen und Kalami nach Isavalta zu begleiten – in eine fremde Welt und ungewisse Zukunft, gelockt von den Versprechungen des Lordzauberers ...

 

Währenddessen versucht Kaiserin Ananda weiterhin am Hofe Isavaltas zu bestehen und sich gegen die allgegenwärtigen Intrigen zu behaupten. Sie ist keine Zauberin und kann damit auch keine Magie wirken. Das ganze ist nur ein Gerücht, von ihr selbst noch geschürt, mit dem sie sich schützt – denn wenn sie als Zauberin gilt, wird man sie mit Magie zu vernichten suchen, anstatt einfach Gift in ihr Essen zu mischen. Als Prinzessin eines fernen und ursprünglich feindlichen Landes diente ihre Heirat mit dem Kaiser zur Festung eines Friedensvertrages. Doch dann sie verliebten sich ineinander – und kurz daraufhin wurde ihr Gemahl verzaubert und sein Geist in sich selbst verschlossen. Nur wenige am Hofe stehen Ananda treu zur Seite: Zwei ihrer Hofdamen und ihr langjähriger Freund, der Zauberer Sakra. Überall lauern Spione der Kaiserinwitwe, ununterbrochen wird gegen sie intrigiert und nach der kleinsten Schwäche, dem allerkleinsten Fehler gesucht, um sie endgültig auszuschalten ...

 

Doch von all dem weiß Bridget nichts. Sie vertraut Kalami, und kennt nur seine Version des Geschehens auf Isavalta. Und so folgt sie ihm und gerät bald darauf in den Strudel von Intrigen, der in Isavalta brodelt ...

 

 

Anfangs klingt das alles nach der typischen Geschichte: Eine böse Hexe gelangt durch Täuschungen und Betrug an die Macht, und in ihrer unersättlichen Gier nach immer mehr Macht verzaubert sie dann ihren Gemahl, um alleine herrschen zu können. Die besorgte, doch leider hilflose Mutter sendet daraufhin ihren letzten treuen Freund und Diener aus, um Hilfe zu holen: Eine mächtige Zauberin aus einer anderen Welt. Doch bevor diese Standartstory zu langweilen beginnt, lässt die Autorin einen zweiten Handlungslauf einfließen: Die verzweifelte Ananda, verliebt in einen Mann, der sie inzwischen nicht einmal mehr erkennt, umgeben von Menschen, die sie vernichten wollen und fernab ihrer Heimat, einsam und verloren. Man sieht die Geschichte nun aus ihrer Sicht, erfährt die Wahrheit und erkennt das falsche Spiel Kalamis. Und von da an wird das Buch um einiges interessanter ...

 

Der Titel ist passend, denn zahlreiche Intrigen werden gesponnen, und jeder versucht, die Macht über Isavalta an sich zu reißen. Wer steht auf wessen Seite? Spricht einer die Wahrheit und legt er nur einen weiteren, falschen Fährte zu seinem Nutzen aus? Doch nicht nur am Hofe herrschen Intrigen, auch noch andere Mächte beginnen, sich einzumischen. Geschöpfe aus dem Geisterreich verfolgen ihre eigenen Pläne: Die Füchsin, die Hexe Baba Jaga, der Krähenkönig – jeder von ihnen hat seine Ziele und benützt die Menschen nur wie Marionetten ... Gefährliche Kämpfe und Verfolgungsjagden stehen eher am Rande – sie kommen zwar auch zwischendurch vor, nehmen aber bei keinen so großen Platz ein – während im Mittelpunkt all die verschiedenen Parteien und ihre Machtkämpfe untereinander stehen.

 

Die magischen Geschöpfe sind der Autorin gut gelungen – sie muten zwar manchmal etwas seltsam an, sind dafür aber nicht nach altem Schema gestaltet. Auch das höfische Leben wirkt überzeugend und die Charaktere sind glaubhaft und lebendig, jeder hat seine eigenen, nachvollziehbaren Ziele. Auch Bridget ist gut gelungen – ihre Verunsicherung und ihre Probleme mit ihrer Vergangenheit, aber auch ihr Kampfesgeist und Eigenwille lassen sie sehr echt wirken. Denn Bridget muss sich nicht nur gegen Intrigen von mehreren Seiten behaupten, sondern vor allem mit ihrer eigenen Herkunft und Vergangenheit fertig werden ...Ein angenehmer und fesselnder Erzählstil runden das Buch ab, und insgesamt ist Sarah Zettel mit dem ersten Band ihrer „Das Licht von Isavalta“-Saga ein schöner Auftakt gelungen!

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Titel: Die Intrige der Kaiserin

Autor: Sarah Zettel

Reihe: Das Licht von Isavalta 1

Aus dem Englischen von Regina Winter

Verlag: Blanvalet

Erschienen: April 2005

ISBN 3-442-24145-6

Broschiert, 637 Seiten

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 22.08.2005, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35