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Die Karawane von Jennifer Roberson

Reihe: Die Saga des Dämonenwalds, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die 1953 geborene und heute in Phoenix, Arizona, lebende Jennifer Roberson gehörte zum engeren Freundeskreis von Marion Zimmer Bradley, bewegte sich aber auch schon recht früh auf eigenen Füßen.

Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Zyklen um die „Schwerttänzer“ Tiger und Del, sowie durch den „Cheysuli“-Zyklus, in dem sie mehrere Generationen einer Gestaltwandler-Familie begleitete. Mit „Herrin der Wälder“ bewegte sie sich auch durch die britische Sagenwelt. Nun präsentiert Blanvalet ihre „Saga des Dämonenwalds“, die mit dem ersten Band „Die Karawane eröffnet wird.

 

Nach der Eroberung der Provinz Sancorra durch die wilden Hecari, die aus ihrer Grausamkeit keinen Hehl machen, ist die Bevölkerung auf der Flucht. Viele Familien wollen dem Grauen entkommen, indem sie in das Land zurückkehren, aus dem sie oder ihre Vorfahren gezogen wird.

Auch die schwangere Audrun und ihre Familie gehören zu den Flüchtlingen. Zusammen mit ihrem Mann Davyn und den vier Kindern, die nicht immer leicht zu hüten sind und eigentlich gar keine Lust haben, auf eine lange Reise zu gehen, schließen sie sich dem Treck an. Sie folgen dem Rat einiger Wahrsager, die ihnen geraten haben zu gehen, da das fünfte Kind, dass die junge Frau in ihrem Bauch trägt nur dann leben wird, wenn es in der alten Heimat zur Welt kommt.

Allerdings merken sie schnell, dass sie das Risiko unterschätzt haben, denn der Weg des langen Zuges führt sehr nahe am Alisanos vorbei, einem Wald voller magischer Wesen und Dämonen, der die Menschen, vor allem das junge ungeborene Leben verderben und in ein Monster verwandeln kann. Nur wenige haben es überlebt, sich in ihm zu bewegen und dazu gehört das geheimnisvolle Volk der Shoia.

Ausgerechnet Rhuan, der Karawanenführer ist einer von ihnen. Zwar versucht er mit seinen geheimnisvollen Kräften die Menschen so gut er kann zu beschützen, aber die wenigsten trauen ihm wirklich. Die Handleserin Ilona gehört zu diesen. Aber auch sie kann nicht verhindert, dass Verrat und gesteigertes Misstrauen die Situation im Schatten des unheimlichen Waldes eskalieren lässt.

 

Wer in seiner Kindheit den ein oder anderen Western gesehen hat, in denen Siedler durch ihnen unbekanntes Land ziehen, wird sehr die Parallelen zwischen den Klischees und Mythen, die man sich über die damaligen Trecks erzählt, und den Personenkonstellationen und Geschehnissen in der Karawane erkennen, inklusive des eingeborenen Führers, der sich bewusst gegen sein Volk und dessen Traditionen stellt, und der Kräfte, die gegen ihn arbeiten, um ihn aufzuhalten.

Dazu kommt noch ein gewisser Schuss Magie, der am Anfang jedoch sehr verhalten bleibt und nur in wenigen Szenen zu Tage tritt. Die Figuren sind eher damit beschäftigt, sich verbal zu beharken und ansonsten zu belauern.

Die Autorin nimmt sich Zeit, die Figuren und ihr Umfeld auszuarbeiten und in einem entsprechenden Licht darzustellen. Deshalb laufen viele Handlungsebenen erst einmal eine ganze Weile nebeneinander her, bis sie sich verknüpfen. Tatsächlich zieht die Spannung erst im letzten Drittel des Bandes an. Bis dahin muss man sehr viel Geduld beweisen und manche Details, die unnötig scheinen über sich ergehen lassen. Ob sie es wirklich sind, bleibt noch offen, zumindest wirken sie jetzt eher wie Füllwerk.

Tatsächlich ist die Action eher moderat, die Geheimnisse werden sehr versponnen dargestellt und die Figuren sind so zahlreich, dass man sich im Prinzip nur die schillerndsten wie Rhuan und Audrun merken kann. Viele Gestalten bleiben eher blass, was der Handlung ebenfalls schadet, da man das Interesse an den Geschehnissen noch schneller verliert.

 

So erweist sich „Die Karawane“ leider als sehr zähe Fantasy-Kost, die nur für die Leser interessant ist, die akribisch ausgearbeitete Hintergründe mit Magie und vielen Geheimnissen und atmosphärische Details in ihren Geschichten lieben. Wer lieber Action und ein seichtes kurzweiliges Abenteuer mag, sollte zu anderen Romanen greifen.

 

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Die Karawane

Autorin: Jennifer Roberson

Reihe: Die Saga des Dämonenwalds, Bd. 1

Klappbroschur, 544 Seiten

Blavalet, erschienen Januar 2010

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Susanne Gerold

Titelbild von Todd Lockwood

ISBN-10: 3442249449

ISBN-13: 978-3442249442

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.04.2010, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28