Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Krähe von Alison Croggon

Reihe: Pellinor Saga Band 3

Rezension von Christel Scheja

 

Die Australierin Alison Croggon entführt mit ihrer vierbändigen „Pellinor-Saga“, in eine längst vergessene Frühzeit der Erde, ein verborgenes Zeitalter voller Magie, in dem Menschen mit besonderen Fähigkeiten die einzige Hoffnung vor den Kräften der Finsternis sind, die sich unaufhaltsam über den Kontinent ausbreiten. Angeführt werden sie von dem „Namenlosen“, einem ehemaligen Meistermagier, der dem Bösen verfallen ist. Nicht einmal mehr die Barden, die mit besonderen Gaben gesegnet sind, können ihn noch aufhalten, so sehr sie sich auch bemühen und ihre Kräfte vereinen.

Aber es gibt eine Prophezeiung. Ein junges Mädchen soll geboren werden, das die notwendigen Fähigkeiten besitzt, um die Finsternis aufzuhalten. Diese Auserwählte glaubt der Barde Cadvan in der Sklavin Maerad gefunden zu haben. Er befreit sie aus ihrer Knechtschaft und bringt das junge Mädchen, das selbst einem alten Bardengeschlecht entstammt, trotz aller Widerstände auf den richtigen Weg. Um den Namenlosen besiegen zu können, muss sie das „Baumlied“ finden. Während die beiden ersten Bände „Die Gabe“ und „Das Rätsel“ ihrer Suche gewidmet war, wechselt der dritte nun die Hauptpersonen und die Schauplätze.

 

Neben Maerad hat aber auch noch ihr Bruder Cai, heute Hem genannt, überlegt. Viele Jahre hat er als Waisenkind im Schatten der Finsternis verbracht, bis ihn seine Schwester retten konnte. Nun ist er in der Obhut des Barden Saliman in die südliche Stadt Turbansk gebracht worden, um sich dort zu erholen und zu lernen. Doch der Frieden währt nicht lange, denn das Heer, das bereits weite Teile eines anderen Landes verheert hat, rückt auf die mächtige Metropole zu. Die Verteidiger können sie nur aufhalten und so Flüchtlingen hinter den starken Mauern Zuflucht bieten, aber sie wissen, das sie die Angreifer nicht auf Dauer werden aufhalten können.

Im Schatten der Bedrohung gewinnt Cai, der sich anfangs kaum eingewöhnen kann, nach und nach Freunde. Da er die Sprache der Vögel beherrscht, kann er sich um die gerade erst flügge gewordene weiße Krähe Irc kümmern, die ihm von nun an nicht mehr von der Seite weicht. Er lernt auch die wilde und ungestüme Zelika kennen, die als einzigste ihrer Familie überlebt hat. Durch sie lernt er die Sprache Sitten und Gebräuche des südlichen Landes besser zu verstehen.

Doch schließlich holen die Schrecken des Krieges Hem und die anderen ein. Versuchen sie zunächst noch das Leid der Flüchtlinge und Verwundeten zu Lindern, so bleibt ihnen am Ende nur noch die Flucht in eine uralte unterirdische Stadt. Dabei erlebt Hem eine folgenschwere Begegnung, die sein weiteres Handeln prägt. Ganz offensichtlich hat auch er seinen Teil in der Prophezeiung zu spielen, und das verlangt von ihm, die sichere Zuflucht zu verlassen und sich den Gefahren in einem Militärlager des Feindes zu stellen.

 

Auch im dritten Teil der Pellinor-Saga ist Alison Croggon wieder für eine Überraschung gut. Sie wechselt nicht nur die Figuren, sondern auch den Schauplatz. Dienten die beiden ersten Bände dazu, die Heldin, ihre Aufgabe und vor allem auch die Magie vorzustellen, lernt der Leser nun ihren jüngeren Bruder und sogar den Feind besser kennen. „Der Namenlose“ und seine Schergen erhalten ein Gesicht, erstmals versteht man auch den Schrecken, den die Untoten und Hexer auf die Menschen ausüben. Die Autorin fügt neue Facetten zu der Geschichte hinzu und macht das Epos dadurch noch ein wenig plastischer.

Zwar gibt es diesmal Kämpfe, aber die Schlachtfelder selbst sind nicht die Schauplätze – eher die Orte, an denen die Menschen die Auswirkungen der Gewalt zu spüren bekommen. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen im Militärlager des Feindes geraten. Hem schleicht sich dort ein, um jemanden zu befreien, aber er erlebt dort auch die düstersten Seiten des Krieges mit – den Ort, an dem Kinder wie er langsam aber sicher in Bestien verwandelt werden, die bald schon nichts Menschliches mehr an sich haben werden. Der junge, der ohnehin niemals wirklich kindlich war, gewinnt dadurch noch mehr Reife.

Die Pellinor-Saga ähnelt damit in ihrem Aufbau und der Art der Inhalte weniger den Werken Tolkiens als der Erdzauber-Saga von Patricia A. Mc.Killip oder den Erdsee-Romanen von Ursula K. LeGuin.

Das Buch scheut sich nicht Gewalt und Grausamkeit zu schildern, aber es macht sie auch begreif- und unmittelbarer, indem sich die Autorin auf wenige Figuren konzentriert, und den Krieg aus ihrer Sicht schildern.

Hem ist trotz seiner Jugend kein Wunderkind, das bereits mit elf oder zwölf Jahren alles kann, er läuft oft genug in die Irre, ist von der ein oder anderen Situation überfordert und wird dadurch oft genug unsicher. Und nicht zuletzt begeht er wie auch andere in seinem Umkreis folgenschwere Fehler und muss sich Unzulänglichkeiten eingestehen.

Wie auch schon in den ersten beiden Bänden so entsteht die Spannung weniger durch Kampfszenen als durch Rätsel, die sich immer wieder vor Hem und seinen Freunden auftun, unheimliche Szenarien und die Auswirkungen der Finsternis und Gewalt, die sie zu spüren bekommen.

 

Zwar ist „Die Krähe“ leichter zu verstehen als die beiden Vorgänger-Bände, da die Geschichte nicht ganz so komplex ist, man sollte aber trotzdem den Rest des Zyklus kennen, um Verknüpfungen und Details zu erkennen. Der Roman ist magische High Fantasy wie sie im Buch steht. Hier werden eher leise Töne angeschlagen. An Stelle von übersteigerter Dramatik und wilder Action setzt die Geschichte auf eine stimmungsvolle Atmosphäre, sympathisch vielschichtige Figuren und eine komplexe Handlung, die sich erst nach und nach erschließt.

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Die Krähe

Reihe: Die Pellinor-Saga, Bd. 3

Autor: Alison Croggon

Original: The Crow, AUS 2006

Broschiert, 572 Seiten

Bastei-Lübbe, erschienen Juni 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Michael Krug

Titelbild von Frank Fiedler, Gedichtübertragung & Kartenzeichnungen von Helmut W. Pesch

ISBN-10: 3404285190

ISBN-13: 978-3404285198

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 28.06.2008, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28