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Die Kreuzzüge – Das historische Ringen der Religionen

Rezension von Christel Scheja

 

Die Zeit der Kreuzzüge hat sich tief in das Bewusstsein der westlichen Welt eingegraben und wird aus Sicht der aktuellen Weltpolitik um so interessanter. Denn es zeigt, dass das Abendland und der Orient nicht zum ersten Mal im Konflikt miteinander lagen. Doch was können wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen, nachdem die Historiker immer besser hinter die Kulissen und die Legenden entmystifizieren können, die vor allem im romantisierenden 19. Jahrhundert entstanden sind, als bestimmte Dinge den Mächtigen sehr entgegen kamen. Diesen Fragen geht die neue Dokumentation „Die Kreuzzüge – Das historische Ringe der Religionen“ nach.

 

Drei Folgen beschäftigen sich mit wichtigen Eckpunkten der Epoche. Wie kam es überhaupt dazu, das Pabst Urban 1096 das christliche Abendland zum Kampf gegen die Muslime aufrief? War es wirklich nur die Sorge, die heiligen Stätten in der Hand Andersgläubiger zu wissen – was immerhin schon gut zweihundert Jahre der Fall war. Oder steckten ganz pragmatischere Gründe dahinter?

Wie schlug sich das erste Kreuzfahrerheer? Gelangten sie als homogene Masse in das Heilige Land, oder kamen sie in kleineren Heeren? Wie und warum gelang es ihnen, einige Städte zu erobern und sich dort festzusetzen. Und welchen preis mussten viele der bewaffneten Pilger wirklich zahlen?

In der zweiten Folge dreht sich alles um die Blütezeit der Kreuzfahrerstaaten. Doch immer wieder gab es auch im Islam fähige Politiker und Kriegsherren, wie Sultan Saladin? Die Historiker erforschen diese bewegten Jahre und entmystifizieren bewusst die Legenden, die sich um beide gebildet habe.

Nur ein halbes Jahrhundert später stand das Ende der letzten Kreuzfahrerstaaten bevor. Seit Saladin war Jerusalem verloren, nur noch einige Städte an der Küste boten Pilgern und Rittern einen sicheren Hafen. Doch auch Orden wie Templer und Malteser hatten dem letzten Sturm nichts mehr entgegen zu setzen. Und wieder waren es eher politische als religiöse Interessen, die beide Seiten vorantrieben.

 

Anders als viele moderne Dokumentationen verzichtet diese bewusst auf Spielszenen und Computeranimationen. Man zeigt die historischen Stätten aus heutiger Sicht, Historiker kommentieren oft genug die Ruinen von Burgen oder man zeigt die orientalischen Städte in moderner Ansicht. Auch die historischen Persönlichkeiten werden nicht nachgestellt, sondern durch alte Darstellungen illustriert – teilweise sogar in zeitgenössischen Darstellungen.

Das Wort ist wichtiger als das Bild. Mehr als sonst versucht man ein vielschichtigeres Bild zu zeichnen als früher. Was trieb Papst Urban an, zum Kreuzzug aufzurufen? Und welcher Art von Propaganda bediente er sich, um ein neues Feindbild zu schaffen? Kann es sein, dass er in erster Linie seine Macht sichern wollte?

Warum folgten ihm die Menschen in Scharen, wie dachten und fühlten sie, als sie sich in das gefährliche und für viele tödlich endende Abenteuer stürzte. War es wirklich nur die Hoffnung auf einen neuen Machtbereich oder waren andere durchaus bereit, den Predigten den Papstes zu vertrauen und sich in den Dienst ihrer Religion zu stellen?

Wie sah es auf der arabischen Seite aus. Warum waren die Fürsten des Heiligen Landes nicht immer in der Lage, sich gegen das unorganisierte Heer zu wehren? Was ermöglichte den Christen erst, sich in Palästina festzusetzen und manche Städte sogar mehr als ein Jahrhundert zu halten?

Die Blütezeit der Kreuzfahrerstaaten regierte mehr denn je auch das politische Geplänkel zwischen den beiden Mächten, und der Fall selbst zog sich über viele Jahre dahin, der Feind, der die Christen gänzlich vertrieb kam nicht mehr länger aus dem Osten, sondern aus Ägypten.

Auch wenn vieles schon bekannt ist, neue Erkenntnisse und Fakten erhellen manche Begebenheiten, stellen sie sogar in einem ganz anderen Licht dar, als man es gewohnt ist. Gerade über Anfang und Ende der Kreuzfahrerzeit ist nicht so viel bekannt gewesen – daher erweist sich vor allem die letzte Episode als angenehme Ergänzung zu den Dokumentationen, die man bereits kennt, weil die Macher eben auch auf die arabische Seite eingehen und zeigen, das manche Entwicklungen ihren Ursprung auch auf dieser Seite haben. Immer wieder kommt auch die Geisteshaltung der damaligen Zeit zum Tragen – wie konnten es die Menschen damals Frömmigkeit und Grausamkeit miteinander vereinbaren, und was trieb manche von ihnen wirklich an.

Heraus kommt eine Dokumentation, die zwar nicht mit ganz so vielen Schauwerten aufwartet wie andere, dafür aber die Atmosphäre des Themas gelungen einführt, in dem man sich an den Stätten des Geschehens bewegt. Vor allem der Informationsgehalt ist hoch, da man hier und jetzt auch auf weniger bekannte Fakten und Elemente eingeht.

 

 

Fazit:

 

Daher ragt „Die Kreuzzüge – Das historische Ringen der Religionen“ ein wenig aus der Masse thematisch vergleichbarer Dokumentationen heraus. Gerade weil man weniger auf den schönen Schein und Allgemeinplätze setzt, bleibt mehr Zeit, sich um Details zu kümmern, die viele Ereignisse in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Wer nicht immer nur Schauwerte braucht, sondern auch an neuen Erkenntnissen interessiert ist, liegt mit dieser dreiteiligen Serie genau richtig.

 

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DVD:

Die Kreuzzüge – Das historische Ringen der Religionen

RegisseurInnen: Chris Wilson, Sarah Jobling und James Gray

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Polyband/WVG, 26. Juli 2013

Produktionsjahr: 2012

Spieldauer: 150 Minuten

 

ASIN: B00CU5I42Y

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 06.08.2013, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01