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Die Lehrjahre der Glasmalerin von Mindy L. Klasky

Reihe: Die Gilden von Morenia Bd.1

Rezension von Nadine Dilger

 

Rani, die Tochter einer armen Händlersfamilie, hat es geschafft und ist ein Mitglied der Glasmalergilde. Um ihrer Familie alle Ehre zu machen, gibt sie sich trotz der vielen Schindereien alle Mühe, um erfolgreich zu sein. Doch es dauert nicht lange, bis etwas passiert, was Ranis Welt komplett aus den Fugen reißt: als Rani auf den Befehl ihrer Gildemeisterin der Glasmalerin Morada bei ihrer Arbeit an der königlichen Kathedrale zu Hilfe geeilt kommt, ist diese gar nicht erfreut von Ranis erscheinen und schickt sie wieder weg. Diese Gelegenheit nutzt Rani, um sich die Krönung des vom Volk über alles geliebten Prinzen Tuvashanoran anzuschauen. Als sie während der Krönung durch die Buntglasfenster einen auf den Prinzen gerichteten Pfeil entdeckt, will sie den Prinzen warnen, wodurch sie ihn erst in die Schusslinie des Pfeils bringt. Letztendlich bricht das Chaos aus, als der Prinz von dem Pfeil getötet und Rani als Mittäterin an dem Mord des Kronprinzen beschuldigt und von nun an in der ganzen Stadt gesucht wird.

Rani muss fliehen und ist gezwungen, die Gilde der Glasmaler sowie ihre Familie, die nun für ihre Tat büßen müssen, hinter sich zu lassen. Sie schließt sich den kastenlosen Unberührbaren an, um den Soldaten des Königs zu entkommen. Doch dort bleibt sie nicht lange, denn sie erfährt, dass ihre Familie wegen ihres Missgeschicks sterben musste. Nur ihr geliebter älterer Bruder Bardo ist noch am Leben und als sie versucht, zu ihm gelangen, kommt sie einem streng gehüteten Geheimnis auf die Spur: dem Geheimnis der Bruderschaft der Schlange. Welche Rolle spielt die Bruderschaft im Mord an dem Kronprinzen und was hat ihr Bruder Bardo mit ihnen zu tun? Je weiter Rani versucht, hinter die Geheimnisse zu kommen und ihren Bruder zu finden, desto weiter gerät sie in die dunklen Machenschaften der Widersacher des Königs, bis sie nicht mehr weiß, wem sie noch trauen kann… was schlimme Folgen hat.

 

 

Die Lehrjahre der Glasmalerin ist kein Buch, bei dem es leicht fällt, sich eine Meinung darüber zu bilden. Das liegt unter anderem daran, dass es erst einmal eine lange Zeit benötigt, bis man sich als Leser richtig in die Geschichte einfühlen kann. Der Leser wird die ersten fünfzig Seiten in die Welt und in das Kastensystem von dem Land Morenia eingeführt. Dabei wird allerdings nie die eigentliche Geschichte, die sich in dem Buch abspielt, aus den Augen gelassen. Wir lernen die Protagonistin Rani kennen und begleiten sie zur Krönung des Prinzen, die so festlich hätte sein sollen, aber in einer Tragödie endet. Das, was der Leser über das Land und seine Regeln wissen muss wird dabei sehr gut in die eigentliche Geschichte um Rani eingearbeitet. Man wird nach und nach in die Welt von Morenia eingeführt.

 

Allerdings gelingt es dem Buch nicht, den Leser im ersten Drittel so richtig zu fesseln. Das Abenteuer von Rani beginnt zwar schon mit der Ermordung des Prinzen, aber dennoch dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte so richtig in Gang kommt und klar wird, in welche Richtung die Geschichte letztendlich führen soll. Rani muss in den Straßen ohne Familie und Bekannte überleben und lernt dabei alle möglichen Kasten näher kennen. Durch ihr Versteckspiel wird sie mal zu einer Händlerin auf dem Markt, dann zu einer Pilgerin, zu einer Soldatentochter und selbst zu einer der kastenlosen Unberührbaren. Das ganze ist zwar auch wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte, doch letztendlich ist dieser Teil der Geschichte nicht wirklich spannend und kann den Leser nicht fesseln.

 

Erst viel später, wenn der Leser das erste Drittel überwunden hat, macht die Geschichte eine Wendung und sie wird interessanter. Rani kommt dem Geheimnis der Bruderschaft der Schlange auf die Spur und versucht, ihren Bruder Bardo zu finden, der zweifellos dieser Bruderschaft angehört, wenn nicht sogar befehligt. Weil sie alles dafür tun würde, um endlich ihren Bruder wieder sehen zu dürfen, gerät sie immer mehr in die dunklen Intrigen, die um sie herum gesponnen werden. Wie Rani weiß irgendwann selbst der Leser nicht mehr, wer nun gut und wer böse ist, da es Mindy L. Klasky gut versteht, ihre Leser aufs Glatteis zu führen. Bis zum Schluss bleiben viele Fragen, die sich der Leser ständig stellt, offen. Erst auf den letzten Seiten werden die meisten Umstände der Geschichte vollständig aufgelöst. Egal, auf welchen der Charaktere der Verdacht fällt, letztendlich kommt doch alles völlig anders, wie man es als Leser erwarten würde.

 

Genau wie mit der Geschichte fällt es anfangs auch schwer, sich mit der Protagonistin Rani anzufreunden. Lange Zeit wirkt sie auf den Leser recht blass und nicht geeignet als Hauptcharakter der Geschichte. Doch in diesem Fall trügt der erste Eindruck, denn während der Geschichte lernen wir Rani immer besser kennen und man kann dabei zusehen, wie Ranis Charakter sich weiterentwickelt. Rani ist dabei auch kein durchgehend sympathischer und fehlerloser Charakter, da sie trotz ihrer anfänglichen Unschuld an dem Mord des Prinzen doch viel dazu beiträgt, bewusst alles noch schlimmer zu machen. Rani tut nur das, was sie selbst für sich am besten hält und schreckt dabei auch nicht davor zurück, andere ins Unglück zu stürzen oder selbst zur Mörderin zu werden. Aber genau die Tatsache, dass Rani alles andere als perfekt oder durchgehend sympathisch ist, macht sie letztendlich so real und einzigartig.

Auch die anderen Charaktere hat die Autorin sehr real gestaltet. Da wären beispielsweise der junge Prinz Halaravilli, in dem mehr steckt, als man anfangs vermuten könnte oder Ranis Bruder Bardo, der wieder ganz andere Ziele verfolgt. Keinen ihrer Charaktere stellt Mindy L. Klasky durchgehend böse dar, sondern auf eine menschliche Weise unperfekt, egoistisch und eigene Ziele verfolgend.

 

Zwar ist Morenia kein reales Land und die Religions- und Götterwelt ist ebenfalls erfunden, aber dennoch ist Die Lehrjahre der Glasmalerin kein typisches Fantasybuch. Das Buch erinnert in der Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, eher an einen Historienroman. In Die Lehrjahre der Glasmalerin gibt es weder Magie noch sonst irgendwelche Aspekte, die typisch für Fantasy sind. Die Autorin Mindy L. Klasky hat für ihren Roman sehr gut recherchiert, sodass die Welt, die sie erschaffen hat, so real wirkt, dass sie mehr wie eine reale Welt wirkt. Sie hat es geschafft, die von ihr erfundene Welt Morenia so zum Leben zu erwecken, dass man sich nicht mehr sicher ist, wo Fantasy aufhört und die Realität beginnt.

 

 

Fazit:

Es fiel mir sehr schwer, herauszufinden, ob mir Die Lehrjahre der Glasmalerin gefällt oder nicht. Einige Aspekte an der Geschichte sind der Autorin fantastisch gelungen, andere wiederum nicht. Deshalb kann ich es nur an diejenigen weiterempfehlen, die sich nicht davon abschrecken lassen, dass das Buch lange braucht, bis es spannend wird.

 

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Die Lehrjahre der Glasmalerin

Reihe: Die Gilden von Morenia Bd.1

Autor: Mindy L. Klasky

Broschiert: 383 Seiten

Verlag: Blanvalet; Auflage: 1 (1. Januar 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 344224384X

ISBN-13: 978-3442243846

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.05.2008, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28