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Die magische Münze von Steve Cockayne

Reihe: Die Glückssucher Bd.1

Rezension von Christel Scheja

 

Der britische Autor Steve Cockayne ist in Deutschland unbekannt. "Die magische Münze" ist das erste von ihm erscheinende Buch in Deutschland und der Auftakt eines Zyklus, so dass noch einiges von ihm zu erwarten sein dürfte.

 

Die Geschichte beginnt wenig spektakulär: Der Kriegsveteran Viktor Lazarus lebt mehr schlecht als recht von seiner Pension, als ihm ein Angebot ins Auge fällt. Jemand sucht fähige Personen, die ihm helfen sollen, sein Haus zu renovieren. Da der Lohn recht ansehnlich ist, nimmt der alte Soldat den Auftrag an und staunt nicht schlecht, als sich das Haus als eine Villa voller Kunstschätze entdeckt. Der Besitzer muss über viele Jahre hinweg alles gesammelt haben, was ihm wichtig und besonders erschien: Gemälde und Skulpturen finden sich neben Schriftrollen und kostbaren Büchern.

Zusammen mit anderen Männern, die er persönlich als Gehilfen ausgesucht hat, beginnt er den verwilderten Garten in Ordnung zu bringen, das Haus zu richten und die Schätze zu katalogisieren, nicht ahnend, dass er und die anderen nicht allein sind.

Ein Geist beobachtet ihn sehr genau, denn Viktor Lazarus ist ebenso ein Teil in seinem mysteriösen Spiel wie ein Junge, der in einem hinterwäldlerischen Dorf heran wächst. Martin "Rusty" Brown ist ein Knabe wie jeder andere, wild und auf Abenteuer versessen, neugierig und leichtsinnig. Die Begegnung mit dem Mädchen Laurel von den Fahrenden ist das einschneidende Erlebnis in seiner Jugend, denn sie erweckt in ihm seltsame Träume. Als Laurel verschwindet braucht Rusty längere Zeit, um über den Verlust hinweg zu kommen und sucht Trost bei einem Hund. Jahre später hat er alles vergessen und studiert Kartographie in der Hauptstadt. Da verändert während einer Exkursion eine Vision sein Leben. Michael spürt, dass er kein normaler Mensch ist, denn eine seltsame Gabe bringt ihn so durcheinander, dass er für einige Zeit den Verstand verliert und erst durch ähnlich seltsame Menschen geheilt wird, und auch Laurel tritt wieder in sein Leben, um ihm ein schreckliches Geheimnis zu enthüllen.

Der dritte im Bunde ist der Hofmagier Leonardo. Als er durch die Reformen des jungen, der modernen Technik mehr zugeneigten, Königs seine Stellung am Hofe und seine Arbeit verliert, verzweifelt er nicht, sondern beginnt ein neues Leben. Die Maschine mit der er die Gefühle anderer Menschen erkunden kann, ist eine Erfindung, die ihn von nun an nicht mehr los läßt.

 

"Die magische Münze" ist ein ziemlich merkwürdiges Buch, und wer hier klassische High-Fantasy erwartet wird sie nicht finden, denn das Buch benutzt kein mittelalterliches, sondern ein relatives modernes Setting (etwa zwischen 1890 und 1910) vor. Erfindungen wie Elektrizität und Eisenbahnen sind bereits in der Nutzung, noch fahren aber Pferdekutschen auf den Straßen, auf der anderen Seite besteht noch ein feudalistisches System und Magie ist aus dem Alltag der Menschen nicht weg zu denken, auch wenn diese sich ebenfalls von klassischen Darstellungen unterscheidet und ebenfalls mehr eine Wissenschaft, verbunden mit Geistesgaben zu sein scheint. Der Autor hat einen eigenen Kosmos geschaffen, in dem sich technische und mystische Elemente zu einer exotischen Mischung verbinden.

Zu dem ungewöhnlichen Hintergrund kommt noch eine verschachtelte Handlung, die zunächst keine Berührungspunkte zu haben scheint.. Die drei Haupt-Handlungsebenen (Victor Lazarus in seinem Haus, Rusty Browns Lebensweg und das Schicksal des Magiers Leonardo) entwickeln sich voneinander getrennt, erst zum Ende hin wird erkennbar, inwieweit sie miteinander verbunden sind. Und das wirft Fragen auf, denn die Geschichten der Personen scheinen nicht ganz linear zueinander verlaufen zu sein.

Hier tritt auch die Schwäche des Buches zu Tage. Der Leser bekommt nicht den kleinsten Hinweis, auf was der Autor eigentlich hinaus will, die fast 400 Seiten wurden überwiegend dazu verwendet, um die Personen und die Welt einzuführen und erste Andeutungen zu machen, alles weitere scheint auf den zweiten Band vertagt worden zu sein.

Auch ist der deutsche Titel irreführend - die magische Münze spielt weniger eine Rolle als die Versionen einer Legende über Wanderer und Inselbewohner, die allen drei Hauptpersonen vorgetragen wird und damit ihr Leben in eine bestimmte Richtung drängt. Sie ist der Schlüssel zu den Geheimnissen des Romans, kein Gegenstand.

Was bleibt ist ein vor allem durch sein überzeugend geschildertes exotisches Setting faszinierender Roman, der viele interessante Fragen aufwirft, aber leider zu wenige davon zufriedenstellend beantwortet, so dass der Geschichte zum Ende hin die Luft ausgeht und den Leser enttäuscht und verwirrt zurück läßt und nicht unbedingt auf den Folgeband neugierig macht.

 

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Buch

Titel: Die magische Münze

Autor: Steve Cockayne

Reihe: Die Glückssucher Bd.1

Broschiert - Blanvalet , München

Juli 2005

ISBN: 3442243289

379 Seiten

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 25.08.2005, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35