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Die Oger von Stephan Russbült

Reihe: Oger-Saga, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Eines muss man den „Herr der Ringe“-Filmen trotz aller Kritik an ihrer Umsetzung der literarischen Vorlage lassen – sie haben gerade in Deutschland zu einer extremen Renaissance der sogenannten High Fantasy geführt. Auch nach mehr als fünf Jahre haben Geschichten über exotische Völker und Rassen noch immer Hochkonjunktur, vor allem, wenn die Autoren sich denen zuwenden, die sonst immer nur als Handlanger des Bösen und namenloses Kanonenfutter gedient haben.

Der 1966 geborene Stephan Russbült, Großhandelskaufmann und begeisterter Rollenspieler liefert nun mit „Die Oger“ nicht nur einen weiteren Betrag zu diesem Thema, sondern auch sein Debüt ab.

 

Mogda ist ein typischer Oger. Nur mit minimaler Intelligenz ausgestattet, ist er auf der Suche nach dem, was ihn am Leben erhält. Als er dabei zufällig einen Magier tötet und dessen Glitzerdinge an sich nimmt, verändert er sich, weil er sich eines davon um den Hals legt. Ein besonderes magisches Amulett macht ihn über Nacht klug.

Zunächst fällt es dem Oger nicht gerade leicht, damit umzugehen, aber er gewöhnt sich schnell an die Veränderungen, öffnet sie ihm doch die Augen über das, was seinem Volk und ihm über viele Jahre angetan wurde. Immerhin dienen seine Rassegenossen als billige Kriegssklaven. Sie sind nicht mehr als Kanonenfutter für die Orks und ihre Hintermänner, die sie in die erste Reihe schicken, um die Menschen abzulenken, damit sie ihre eigenen Pläne verfolgen können.

Mogda bekommt es schon bald zu spüren, weil er in Gefangenschaft gerät. Dabei lernt er das Mädchen Cindiel kennen. Die junge Hexe ist mit anderen Kindern von den Orks verschleppt und aufgrund ihrer Aufsässigkeit von diesen getrennt worden. Auch wenn sie einander zunächst nicht wirklich trauen, gelingt ihnen die Flucht.

Die gemeinsamen Gefahren schmieden sie und andere Gefährten schließlich zusammen, so dass ihnen eines klar wird. Nur als Freunde können Menschen und Oger das drohende Verhängnis abwenden und all das, was sie kennen vor dem Untergang bewahren. Doch dazu müssen beide Seiten erst einmal eine Menge lernen.

 

Was „Die Oger“ von vielen der anderen Völker-Romane unterscheidet, ist die Erzählweise. Auch wenn Stephan Russbült einen Plot wählt, wie man ihn aus manch einer Rollenspielkampagne kennt, so stellt er doch die Figuren und deren Interaktion miteinander in den Vordergrund. Es gelingt ihm die Intelligenzsteigerung von Mogda glaubwürdig und lebendig umzusetzen, dabei aber nicht viel von seiner eigentlichen Natur zu nehmen.

Mogda ist im Grunde seines Herzens ein gutmütiger und freundlicher Geselle. Da er sich diese Wesenszüge auch später bewahrt, wird er schließlich zusammen mit Cindiel zu den Vermittlern zwischen den beiden Völkern. Die junge Hexe zwar ist das übliche pfiffige, respektlose und nicht auf den Mund gefallene Gör im Alter von zwölf Jahren, aber gerade die Wortwechsel zwischen ihr und Mogda oder seinen Ogerbrüdern sind die humorvollsten Stellen im Buch.

Natürlich vergisst er darüber das Abenteuer nicht. Die Gefährten stolpern in so manch eine gefährliche Situation, bekommen Ärger mit vermeintlichen Freunden und müssen schließlich ein Verbrechen begehen, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei zeigen die Oger durchaus auch, dass sie Kampfmaschinen sind, denen kein Kraut gewachsen ist.

Alles in allem bietet der Roman abwechslungsreiche Lektüre, die vielleicht nicht unbedingt großen Tiefgang besitzt, aber durch seinen Einfallsreichtum und so spannende wie warmherzige Schilderungen zu überzeugen weiß.

 

Das macht „Die Oger“ zu einem der besseren Völker-Romane. Gerade wenn man selbst abwechslungsreiche Romane oder Rollenspielrunden schätzt, bei denen nicht alles immer ganz ernst genommen wird, sollte man ruhigen Gewissens zugreifen, denn man wird in dieser Hinsicht nicht enttäuscht.

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Die Oger

Reihe: Oger-Saga, Bd. 1

Autor: Stefan Russbült

Broschiert, 494 Seiten

Lübbe, erschienen August 2008

Titelbild von Oleg Korsch

ISBN-10: 3404285212

ISBN-13: 978-3404285211

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.11.2008, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35