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Die Orks – Blutrache von Stan Nicholls

Reihe: Die Orks Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Herbst 2002. Heyne veröffentlicht Stan Nicholls Orcs: First Blood-Trilogie als dicken Paperback-Sammelband mit dem plakativen Titel »Die Orks«. Tatsächlich sollte es nicht lange dauern, bis das Buch in Deutschland eine Art Kult-Status inne haben sollte. Folglich dauerte es ebenfalls nicht lange, bis den Orks, ganz in Tradition des schlagkräftigen Titels mit seinen ungewöhnlich aufbereiteten »Helden«, in einem bis heute anhaltenden verlegerischen Trend-Marathon unzählige Nachahmer folgen sollten. Doch nun ist das Original zurück - mehr oder weniger...

 

Denn so wirklich »original« ist auch Nicholls schlagkräftige Truppe nicht mehr: Stryke und Co. sind träge geworden und haben, wie für Orks nicht anders zu erwarten, mittlerweile sogar mit der Langeweile ihres neuen Lebens in Wohlstand und verhältnismäßigen Frieden zu kämpfen. Da kommt es ganz gelegen, dass die Vergangenheit sie schließlich auch in ihrem neuen Refugium einholt. Ehe Stryke und die anderen sich versehen, packen sie wieder ihre Waffenbündel, springen auf Anweisung des Zauberers Seraphim und mit Hilfe der singenden Sternen durch die Dimensionen und sind unterwegs, diversen alten wie neuen Bösewichtern mächtig in den Hintern zu treten...

 

Und auch wenn das nun alles recht spritzig und leicht bekömmlich klingt: Auch an Nicholls Orks (Geburtsjahr: 1999) hat der Zahn der Zeit genagt. Daran ist nicht zuletzt die bereits erwähnte Flut an Franchise-Titeln Schuld, die das einstmals halbwegs innovative Konzept doch merklich ausgelaugt haben - insbesondere hierzulande, da bei den einschlägigen Verlagen die dicken Paperpacks inzwischen Standard im jährlichen Fantasy-Programm sind, spürt man den Verschleiß des Konzepts deutlich. Sicherlich ist es schön, die alte, leicht verjüngte Truppe um Stryke wieder reiten und fluchen und streiten und kämpfen zu sehen oder sich an der Derbheit der einfach gestrickten, aber irgendwo doch markigen Figuren und überhaupt der ganzen Zotigkeit des Originals zu erfreuen. Aber es ist einfach nicht mehr dasselbe wie vor fünf Jahren.

 

Zumal der erste Band der Rückkehr der Orks an vielen Stellen reichlich bemüht wirkt und häufig nur durch seine trashig umgesetzten Kämpfe überzeugen kann. War schon die erste Trilogie kein hochliterarisches Highlight, war sie doch zumindest eine homogene, spaßige Tour de Force durch eine recht unarchetypische Fantasy-Welt. In der Fortsetzung nun können die wenigen Subplots und Nebenhandlungen leider weder stilistisch, noch inhaltlich überzeugen, und zur Welt hat man bereits eine zu große Distanz. So ackert man sich dann auch eher unmotiviert durch diverse Kapitel, bis man es wieder zu einer gelungenen Hau-Drauf-Passage oder einer humorvollen Truppen-Szene mit den Vielfraßen geschafft hat. Ob das allerdings der Sinn einer Lektüre sein sollte, sei einmal dahin gestellt.

 

Die »Blutrache« der Orks bietet also bestenfalls extrem kurzweilige Dark Fantasy, deren Klingenschärfe über die Jahre von den Verlagen höchstpersönlich (und ohne größeres Verschulden von Nicholls Ork-Truppe) abgestumpft worden ist. So präsentiert sich das neueste Abenteuer der Vielfraße als stellenweise arg unmotiviertes Hauen und Stechen, das für Fans des ersten Sammelbandes trotzdem interessant sein dürfte. Alle anderen greifen dann aber doch lieber zum - buchstäblichen - Original.

 

 

Eure Meinung:


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Die Orks – Blutrache

Reihe: Die Orks Bd. 2

Autor: Stan Nicholls

Paperback, 500 Seiten

Heyne, Dezember 2007

ISBN 3453532015

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.12.2007, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35