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Die Rebellin von Trudi Canavan

Reihe: Die Gilde der Schwarzen Magier Bd.1

Rezension von Carmen Huber

 

In Imardin ist es Tradition, einmal jährlich die ganze Stadt durch eine „Säuberung“ zu reinigen. Hinter diesem harmlosen Wort verbirgt sich ein schockierender Akt menschlicher Grausamkeit und Ignoranz: Völlig willkürlich werden Bettler, Obdachlose und Straßenkinder, aber auch viele der hart arbeitenden, jedoch mittellosen Bevölkerungsschicht von den Soldaten des Königs und den Magiern der Gilde mitten im Winter aus der Stadt gejagt. Die so Vertriebenen haben keine Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen, denn durch ihre magischen Fähigkeiten sind die Magier sicher geschützt. Sie können lediglich hilflos alles mit ansehen und sich dann ein neues Quartier in den Elendsviertel vor der Stadtmauer, der sogenannten „Hüttensiedlung“, suchen.

 

Auch Sonea sowie ihre Tante und ihr Onkel werden von den Soldaten aus ihrer Behausung verjagt und müssen die Stadt verlassen. Als das junge Mädchen, voller Zorn angesichts dieser Ungerechtigkeit und ihrer eigenen Machtlosigkeit, einen Stein nach einem der Magier wirft, durchbricht sie dabei – sehr zur ihrer eigenen Überraschung – deren magische Barriere und trifft einen jungen Mann an der Schläfe. Entsetzt über ihre eigenen so unvermutet auftretenden Fähigkeiten und voller Angst vor den Vergeltungsmaßnahmen der Magier flieht sie und sucht bei alten Freunden aus ihren Kindheitstagen Hilfe. Doch einer der Magier hat sie erkannt, und von nun an beginnt für Sonea ein Albraum. Denn die Magier suchen sie überall, durchforsten die ganze Hüttensiedlung immer wieder aufs Neue und setzten sogar eine Belohnung auf sie aus. Zusammen mit ihrem Freund Cery flieht Sonea von einem Versteck zum nächsten. Die junge Frau misstraut den Magiern zutiefst, und für sie ist klar: Lieber will sie sterben, als deren Gefangene zu werden ...

 

Doch Sonea weiß nicht, dass die Magier nicht hinter ihr her sind, um sie für ihre Tat zu bestrafen. Denn das junge Mädchen gilt schon bald als magisches Naturtalent, da sich ihre Kräfte von selbst entwickelt haben – etwas, das nur sehr selten vorkommt und das es seit 500 Jahren nicht mehr gab. Gelingt es den Magiern nicht, sie zu finden und sie zu lehren, wie sie ihre Kräfte kontrollieren kann, wird sie zu einer großen Gefahr für sich selbst und für die Stadt. Aber nicht jeder in der Magiergilde hat nur das beste für Sonea im Sinn: Während vor allem die zwei Magier Dannyl und Rothen alles daran setzen, dem jungen Mädchen zu helfen, sind andere von der Idee weniger begeistert. Denn für gewöhnlich ist die Magie den wohlhabenden Bevölkerungsschichten vorbehalten, und Sonea ist ja nur ein Straßenkind – wenn nicht sogar Schlimmeres! Und so eine soll mit Adligen zusammen unterrichtet werden? Unvorstellbar! Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, bevor Soneas Kräfte außer Kontrolle geraten und sie sie selbst vernichten – doch das junge Mädchen scheint unauffindbar ...

 

 

Gleich von Anfang an beginnt „Die Rebellin“ sehr rasant, wenngleich auch das Geschehen zwischendurch wieder etwas ruhiger wird. Sonea ist fast andauernd auf der Flucht, und auch wenn sich die Hetzjagd in der Mitte des Buches doch recht lang hinzieht, so bietet das zugleich die Möglichkeit, Soneas Welt in aller Ruhe kennen zu lernen. Aber gegen Ende hin wird das Geschehen wieder sehr spannend und lässt einem als Leser kaum eine Atempause. Durch die Konfrontation zwischen Sonea und der Magiergilde treffen zwei komplett unterschiedliche Welten aufeinander: Während die arme Bevölkerung hart um ihr Überleben kämpfen muss und den Magiern – verständlicherweise – nur mit Hass und Misstrauen begegnet, genießen die Magier in ihren prächtigen Häusern jeden nur wünschenswerten Komfort; ja sie sehen sich selbst auch noch als Helfer und Beschützer des Volkes. Diese zwei kontrastreichen Seiten sind der Autorin sehr gelungen, sie geben der Geschichte eine ungewöhnliche und interessante Umgebung. Auch die Protagonisten können überzeugen. Die Personen wurden geschickt herausgearbeitet und facettenreich gestaltet, ihre Handlungen und ihre Motivation wirken glaubwürdig und realistisch. Wichtige Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen hat Trudi Canavan geschickt in ihre Geschichte einfließen lassen. Mit „Die Rebellin“ ist der Autorin ein interessanter Einstieg in ihre Trilogie gelungen, der schon neugierig auf die Fortsetzung macht.

 

„Die Rebellin“ ist ein recht dickes Taschenbuch mit einem wirklich schön gestalteten Coverbild, dass sehr gut zum Inhalt passt. Als Unterstützung gibt es neben einem – eher recht kurz gehaltenen – Glossar über Tiere, Pflanzen, Waffen etc. noch drei Karten. Bei einer davon handelt es sich um eine Landkarte von Kyralia, eine zeigt den Grundriss der Stadt und die dritte stellt eine Übersichtskarte von der Magiergilde dar. „Die Rebellin“ ist der erste Band der Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“, und zum Glück muss man nicht lange auf die beiden Fortsetzungsromane warten: Der zweite Teil „Die Novizin“ erscheint schon im Juli 2006, und der dritte und abschließende Band „Die Meisterin“ ist ab September 2006 erhältlich.

 

Alles in allem hat Trudi Canavan mit ihrem Erstlingsroman „Die Rebellin“ ein gelungenes Buch und einen vielversprechenden Auftakt für die Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“ geschaffen.

 

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Titel: Die Rebellin

Reihe: Die Gilde der Schwarzen Magier Bd.1

Autorin: Trudi Canavan

gebunden, 543 Seiten

cbt-Verlag, erschienen Mai 2006

ISBN: 3570303284

Titelbild von Steve Stonel

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.05.2006, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35