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Die Säulen der Erde

Rezension von Marcus Krug

 

„Die Säulen der Erde“ ist ein Spiel nach dem gleichnamigen, 1990 erschienenen, Roman von Ken Follet. Im Mittelpunkt dieses über 1000 Seiten starken Werkes steht der Bau einer Kathedrale im fiktiven, englischen Städtchen Kingsbridge. Um diese Kathedrale entspinnen sich die Lebensgeschichten verschiedener Personen, die direkt oder indirekt mit dem Bau der Kathedrale in Verbindung stehen.

Auch im Spiel geht es um den Bau der Kathedrale in Kingsbridge. Dazu müssen Handwerker angeheuert, Rohstoffe organisiert und bei allem natürlich die Kosten im Auge behalten werden. Zentraler Bestandteil sind dabei, wie auch im Buch, die Baumeister.

 

 

Aufmachung

Die grafische Gestaltung des Brettspiels setzt Maßstäbe in Sachen Optik, wenn auch vielleicht nicht in Sachen Übersichtlichkeit. Das Spielbrett ist dem Designer wirklich sehr gelungen und strotzt an Detailreichtum. Im Zentrum des Spielfeldes steht, wie könnte es anders sein, die Kathedrale, die während des Spiels langsam als 3D Holzmodell entsteht. Um sie gruppieren sich die aus dem Buch bekannten Lokalitäten.

Sämtliche Spielfiguren und die Rohstoffe für den Bau sind aus Holz, die Karten sind stabil und ebenfalls schön gestaltet.

 

Verständlichkeit der Spielregeln

Die übersichtlich gestalteten Spielregeln sind keine 8 Seiten lang und schnell gelesen. Nachdem sie einmal überflogen wurden, sollte man beim ersten Spiel stückweise vorgehen und sich an den Regeln entlang hangeln, dann kann Nichts schief gehen und die drei Phasen des Spiels werden schnell klar.

 

Spielziel

Gewonnen hat, wer am Ende des Spiels (es dauert immer genau 6 Runden) das Meiste zum Bau der Kathedrale beigetragen hat. Wie geschieht dies? Durch Umwandeln von Rohstoffen mittels Handwerker direkt in Siegpunkte. Je nach Fähigkeit des Handwerkers geht dies mehr oder weniger gut und häufig.

 

Spielvorbereitung

Beim ersten Spiel mag die Vorbereitung noch etwas aufwändig wirken, danach wird es aber schnell zur Routine und sollte nicht mehr als 5 Minuten dauern. Es müssen eigentlich nur die Spielerfarben verteilt, die Nachziehstapel vorbereitet und ein paar Karten und die Rohstoffe ausgelegt werden.

 

Spielablauf

Das Spiel ist klar in drei Phasen unterteilt. Die erste ist der Beschaffung der Rohstoffe und eines Teiles der Handwerker gewidmet, hier kommen die Arbeiterspielfiguren der Spieler zum Einsatz. In der zweiten Phase werden die Baumeister dazu genutzt die Handlungsmöglichkeiten für die dritte Runde zu bestimmen. Hier kann man ebenfalls neue Handwerker anwerben, am Markt Kaufen und Verkaufen, verschiedene Vorteile, z.B. Steuerfreiheit, Schutz vor Ereignissen erwirken und vieles Weiteres mehr. In der dritten Phase werden dann die gewählten Aktionen ausgeführt, die Mitspieler erhalten ihre Rohstoffe und können mittels ihrer Handwerker Siegpunkte erwirtschaften.

 

Das zum groben Ablauf, gehen wir etwas ins Detail.

 

Phase 1:

Am unteren Spielfeldrand werden immer 2 Handwerker, die jede Runde besser werden, ausgelegt, sowie 7 Rohstoffkarten. Es stehen drei Rohstoffe zur Verfügung, Stein, Holz und Sand. Die Spieler wählen nun solange reihum immer eine Rohstoffkarte oder einen der zwei Handwerker, bis kein Spieler mehr möchte, bzw. kann. Für die Handwerker muss Geld gezahlt werden, von dem den Spielern zu Beginn etwa 20 zur Verfügung steht. Für die Rohstoffkarten ist der Einsatz von 2 bis 10 der eigenen 12 Arbeiter notwendig, je nach Menge des Rohstoffes, den man erhält. So gibt es Karten, bei denen man für schon für 2 Arbeiter, wenn auch wenige, Rohstoffe bekommt, bei anderen muss man 10 Arbeiter einsetzen. Haben alle Spieler ihre Arbeiter eingesetzt und sind die Handwerker angeworben worden, bzw. will diese keiner, ist die 1. Phase zu Ende.

Hat ein Spieler Arbeiter übrig, werden diese auf die Wollmanufaktur auf dem Spielbrett gestellt und erwirtschaften pro Arbeiter ein Geld in Phase 3.

 

 

Phase 2:

In dieser Phase werden die Baumeister eingesetzt, von denen jeder Spieler 3 hat. Um die Reihenfolge des Einsetzzens zu bestimmen, zieht der Startspieler zufällig einen Baumeister aus dem beigelegten Säckchen. Einmalig kann er den gezogenen Baumeister zurück in den Sack werfen und erneut ziehen.

Der Spieler, dem der Baumeister gehört, kann diesen nun einsetzen, muss dafür jedoch Geld zahlen. Der erste eingesetze (nicht des einzelnen Spielers, sondern generell) Baumeister kostet 7 Geld, der nächste 6 und so weiter. Kann oder möchte der Spieler nicht soviel zahlen, kann er den Baumeister auf ein Wartefeld setzen. Sind alle anderen Baumeister eingesetzt, werden die Baumeister auf diesen Wartefeldern der Reihe nach kostenlos eingesetzt. Wichtig ist, dass die Kosten mit jedem Baumeister geringer werden, also auch mit denen, die auf das Wartefeld kommen.

 

Welche Möglichkeiten stehen nun für das Einsetzen der Baumeister zur Verfügung?

 

  • Es ist möglich sich vor der Ereigniskarte, die in Phase 3 gezogen wird, zu schützen,
  • direkt ein oder zwei Siegpunkte zu bekommen,
  • Sonderkarten zu erweben, die spezielle Rechte verleihen oder zusätzliche Rohstoffe verteilen,
  • man kann Steuerfreiheit wählen (der erste Spieler, der dies macht, bekommt ein Metall, was ein zusätzlicher Rohstoff ist, der nur hier erlangt werden kann),
  • den Markt zum Kauf und Verkauf von Rohstoffen besuchen,
  • man kann für eine Runde zwei weitere Arbeiter anwerben
  • einen von zwei ausliegenden Handwerkern engagieren (diesmal kostenlos) oder
  • sich selbst zum nächsten Startspieler bestimmen.

 

 

Für die meisen dieser Möglichkeiten steht nur eine begrenzte Anzahl Plätze bereit. Sind diese besetzt, kann kein weiterer Baumeister diese Aktion ausführen.

 

Phase: 3

In dieser Phase werden die Aktionen auf dem Spielbrett in einer festen Reihenfolge ausgeführt. Begonnen wird mit dem Ziehen einer Ereigniskarte, die gut oder schlecht sein kann. So kann man z.B. Siegpunkte verlieren oder auch Geld bekommen, usw. Hat jemand den Schutz mit seinem Baumeister gewählt, kann er sich nun vor diesem Ereignis schützen. Möchte er dies nicht, erhält er einen Rohstoff nach Wahl vom Markt.

Danach bekommen die Spieler, wenn mit einem Baumeister besetzt, die Vorteilskarten, das Geld von den in der Wollmanufaktur eingesetzen Arbeitern und die Rohstoffe, die sie in Phase 1 gewählt haben.

Anschließend würfelt der Startspieler mit einem Würfel, der Ergebnisse zwischen 2 und 5 anzeigt, und bestimmt so die Steuern, die die Spieler zahlen müssen, die keine Steuerfreiheit haben. Man erhält Zusatzarbeiter, kann auf dem Markt handeln und zum Schluss werden die Rohstoffe mit den Handwerkern in Siegpunkte umgewandelt. Diese Umwandlung durch den Bau der Kathedrale ist immer möglich, man muss dafür keinen Baumeister abstellen.

 

Umwandeln der Rohstoffe

Jeder Spieler hat zu Beginn des Spiels drei Handwerker, die, mehr schlecht als recht, Rohstoffe in Siegpunkte umwandeln können. So kostet hier ein Siegpunkt schnell drei Rohstoffe, was kein guter Umtauschfaktor ist. Jede Runde kommen bessere Handwerker ins Spiel, die die Spieler, wie oben gezeigt, anheuern können. Hierbei ist zu beachten, dass ein Spieler niemals mehr als fünf Handwerker haben darf. Hat er mehr, muss er einen, nach Wahl, abgeben. Die besseren Handwerker haben dann bessere Umtauschquoten und können 1 zu 1 oder noch besser umwandeln.

Das eigentliche Umwandeln ist sehr einfach. Man legt die notwendige Zahl Rohstoffe auf die gewünschte Handwerkerkarte, bekommt die entsprechende Zahl Siegpunkte und legt die Rohstoffe dann zurück zum allgemeinen Vorrat auf dem Spielbrett. Möchte man in einer Runde nicht umwandeln, weil man etwa erst einen besseren Handwerker erwerben will, kann man bis zu 5 Rohstoffe mit in die nächste Runde nehmen.

 

Rundenende:

Mit dem Umwandeln der Rohstoffe endet die Runde. Es wird ein Bauteil der Kathedrale auf das Spielbrett gestellt und die nächste Runde beginnt mit Phase 1. Dazu werden wieder neue Handwerker, Rohstoff- und Vorteilskarten ausgelegt.

 

Spielende

Das Spiel endet immer mit Ablauf der sechsten Runde. Wer zu diesem Zeitpunkt die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

 

Bewertung

„Die Säulen der Erde“ erinnert vom Mechanismus her deutlich an Caylus, hat aber auch Gemeinsamkeiten mit dem zeitgleich erschienenen Maestro Leonardo. Gleichzeitig hat das Spiel jedoch genug eigenen Charakter, um auch für Spieler interessant zu sein, die eines der genannten Spiele besitzen. Bei all diesen Spielen stehen dem Spieler verschiedene Aktionsmöglichkeiten zur Verfügung, die er jedoch nur ausführen kann, wenn er sie mit seinen Figuren auswählt. Spielziel ist es jeweils etwas zu entwickeln oder zu bauen. „Die Säulen der Erde“ geht hierbei jedoch einen leicht anderen Weg, indem mit dem Ziehen der Baumeister eine Glückskomponente integriert wurde. Darüber hinaus wurde der Grad der Komplexität reduziert. Dies alles macht den Einstieg in das Spiel deutlich einfacher und weniger verwirrend. „Die Säulen der Erde“ ist damit deutlich zugänglicher und für eine größere Zahl Spieler interessant, da es nicht nur auf Taktik und Strategie, sondern eben auch auf Glück ankommt. Dabei ist die Balance zwischen Strategie und Glück gut gewählt, das Spiel ist harmonisch und die Thematik mit dem Mechanismus gut umgesetzt. Wer das Buch gelesen hat, wird viele bekannte Orte auf der Karte finden und auch die Charaktere des Buches wurden ins Spiel eingebunden.

Der zeitliche Rahmen hält sich in Grenzen, das Spiel ist in unter 2 Stunden gut spielbar. Auch ist der Wiederspielwert sehr hoch, da genügend Möglichkeiten bestehen, auf das Spielgeschehen Einfluss zu nehmen. Dabei sollte jedoch nicht der Fehler gemacht werden, ein spielerisches Schwergewicht vom Schlage eines Caylus zu erwarten. Insbesondere Vielspieler werden mit Caylus wahrscheinlich länger Spaß haben. Aber gerade für die restlichen Spieler ist „Die Säulen der Erde“, nicht zuletzt wegen der hervorragenden optischen Umsetzung, die bessere Wahl. Hier sei nur der Rundenzähler, also die Kathedrale, angeführt. „Die Säulen der Erde“ verfügt über einen der übertriebensten Rundenzähler der Spielegeschichte, denn einen anderen Zweck hat die aus 6 Holzteilen bestehende Kathedrale nicht. Dennoch macht sie optisch einiges her.

Für Spieler, die Spiele mit Glücksfaktor, und bei den „Säulen“ kann dieser spielentscheidend sein, überhaupt nicht mögen, ist es dagegen genau umgekehrt, denn das Ziehen der Baumeister kann, insbesondere im 4-Personen Spiel schnell zu Frust führen.

Interessant wäre hier vielleicht eine funktionsfähige Variante mit einem Versteigerungsmechanismus. Allerdings würde dann der Handwerker, der als einziger Holz in Gold verwandeln kann, deutlich zu mächtig und müsste wohl aus dem Spiel genommen werden. Auch so ist es mit dieser Karte einfacher das Spiel zu gewinnen.

Eine ideale Besetzung, was die Anzahl der Spieler betrifft, gibt es meiner Ansicht nach nicht. „Die Säulen der Erde“ lässt sich in jeder Besetzung hervorragend spielen.

 

Fazit:

Vielleicht ein zukünftiges Spiel des Jahres? Möglich wäre es bei der gelungenen Mischung aus Strategie und Glück allemal.

chsten Runde.

 

Wer sich das Spiel vorher anschauen möchte, kann dies auch online auf der Brettspielwelt tun.

Eure Meinung:


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Die Säulen der Erde

Autoren: Michael Rieneck und Stefan Stadler

Verlag: Kosmos

Spielerzahl: 2-4

Spielbar ab: 12 Jahre

Spielzeit: ca. 90 - 120 Minuten

Erhältlich bei: Amazon

 

 

  • 1 Spielplan
  • 12 Baumeister
  • 4 große Arbeiter
  • 28 kleine Arbeiter
  • 4 kleine graue Arbeiter
  • 1 kleiner schwarzer Arbeiter
  • 82 Baustoffe
  • 8 Holzscheiben
  • 1 schwarzer Kostenstein
  • 36 Handwerkerkarten
  • 9 Baustoffkarten
  • 16 Vorteilskarten
  • 10 Ereigniskarten
  • 4 Übersichtskarten
  • 1 Kathedrale (6 Teile)
  • 1 Steuerwürfel

 


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Erstellt: 22.11.2006, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50