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Die Schlacht am Harzhorn – Roms letzter Feldzug nach Germanien

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Durch das sorgsam zelebrierte Medienereignis des 2000. Jahrestages der Varus-Schlacht wissen vermutlich viele von dem ersten großen Desaster, dass das Römische Reiche im Zuge seiner Ausbreitung miterleben musste. Doch haben sich die Römer wirklich nach dem Verlust eines Feldherrn und seiner Legionen hinter den Rhein, die Donau und den später erbauten Limes zurückgezogen und sich mit diesem Teil Germaniens zufrieden gegeben?

 

Oder hat es auch später noch Versuche gegeben, das wilde Land dem Reich hinzuzufügen. Lange Zeit gab es jedenfalls keine Beweise für einen weiteren großen Feldzug in das rechtsrheinische Gebiet. Das allerdings änderte sich 2008 mit dem Fund zweier Hobbyarchäologen.

Sie entdeckten auf dem Harzhorn, einem Höhenzug in Südniedersachsen einen Metallgegenstand, der sehr römisch wirkte und schließlich auch zweifelsfrei identifiziert werden konnte. Doch wie war er an diesen Ort gekommen?

Fachleute machten sich an die Arbeit und begannen das Gebiet systematisch nach weiteren Gegenständen abzusuchen. Schon bald machten sie dabei noch mehr Entdeckungen, vor allem Schuhnägel, die römische Legionäre zu benutzen pflegten. Nach und nach wurde ihnen dabei klar, dass sie hier auf die Spuren einer Schlacht gestoßen waren, die sich im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung abgespielt hatte, also gut 250 Jahre nach dem Kampf in und um den Teutoburger Wald.

Nach und nach rekonstruieren sie, wie sich das Drama abgespielt haben könnte und recherchieren anhand der Funde und im Abgleich mit vorhandenen Quellen, wer sich an diesen Ort gewagt hatte, und wie die Schlacht ausgegangen sein könnte.

 

Die Dokumentation ist zweigleisig aufgebaut. Auf der einen Seite werden noch einmal die Geschichte des Fundes und die darauf hin erfolgten genaueren Suchgänge und Ausgrabungen mit den realen Fach- und Hilfskräften nachgestellt.

Man erfährt so, wie die Profis arbeiten, wer eigentlich alles an einem solchen Projekt beteiligt ist und wie selbst kleine und unbedeutend scheinende Funde wie Schuhnägel sehr wichtig für die spätere Analyse sein könnten. Man geht darauf ein, wie allein die Lage der Gegenstände und die Funde gedeutet werden und welche Theorien sich daraus ergeben.

Auf der anderen Seite werden die Spekulationen szenisch umgesetzt. Die Regisseure und Produzenten haben dabei Reenactment-Vereine zu Rate gezogen, die sich in der Kultur der Römer und Germanen oft besser auskennen als sie und mit Begeisterung dabei sind, die einzelnen Szenen nachzustellen.

So entsteht für den Zuschauer ein verständliches und nachvollziehbares Bild. Er erhält damit nicht nur einen trockenen und eher wissenschaftlichen Einblick in die Vergangenheit, der eher distanziert bleibt, sondern wird mit in das Geschehen eingebunden und kann es damit besser begreifen und verinnerlichen – sowohl die akribische Arbeit der Archäologen in der heutigen Zeit als auch die Erkenntnisse über die Vergangenheit, die sie daraus gezogen haben. Am Ende der Stunde ist man jedenfalls in mehrfacher Hinsicht klüger – ohne dass man sich jedoch gelangweit hat.

Bild und Ton sind in angemessener Qualität, auch die Extras können sich sehen lassen. Das Making-Of stellt die Arbeit mit den Laien in den Spielszenen vor, während die Interviews eher die wissenschaftliche Seite des Ganzen abdenken.

 

Fazit:

 

Alles in allem ist „Die Schlacht am Harzhorn – Roms letzter Feldzug nach Germanien“ eine gelungene Dokumentation, die nicht nur Einblick in sehr aktuelle Forschungsergebnisse gibt, sondern diese auch spannend und unterhaltsam aufzubereiten weiß.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205173457741e43c9
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DVD:

Die Schlacht am Harzhorn – Roms letzter Feldzug nach Germanien

Dokumentation, Deutschland, 2009

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 2

FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 1. September 2010

Spieldauer: 63 Minuten

Extras: Making-of, Bildergalerie, Interviews

 

ASIN: B003TT7318

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 21.10.2010, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01