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Die Schlümpfe

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 14

Rezension von Christian Endres

 

Vor über vierzig Jahren stellte der belgische Comickünstler Peyo seinen beiden sympathischen Helden Johann und Pfiffikus (»Johan et Pirlouit«) eine Schar kleine blaue Gnomenwesen mit magischen Kräften zur Seite, um gegen den schurkischen Bruno Böse und eine von just jenen Wesen hergestellte Zauberflöte in dessen Besitz zu bestehen. Noch im gleichen Jahr begann der Siegeszug eben dieser daumengroßen Wichtelmänner (und später auch -frauen) im weißen Strampelhosen-Einheitsdress; Wichtelmänner, die beinahe auf der ganzen Welt als die Schlümpfe bekannt werden sollten, und denen der vierzehnte Band der Klassiker der Comicliteratur gewidmet ist.

 

Wie bei den meisten der in der Regel 256 Seiten starken Klassiker-Bänden galt es auch diesmal wieder für die Redakteure des FAZ-Feuilletons, ein glückliches Händchen bei der Auswahl der besten oder markantesten Schlumpf-Abenteuer aus über fünfundvierzig Jahren zu beweisen – und bis auf die etwas deplaziert wirkende Füller-Geschichte jüngeren Datums mit dem Babydrachen am Ende des Bandes ist es ihnen auch durchwegs gelungen, den Lesern hier eine gute und vor allem abwechslungsreiche Zusammenstellung zu präsentieren. Vor allem der erste Auftritt der Schlümpfe in der spritzigen Geschichte um die Zauberflöte aus Johann und Pfiffikus sowie die intelligente Story um den Finanzschlumpf wissen zu begeistern, während die restlichen der ausgewählten Abenteuer immerhin stets solide Schlumpf-Kost mit einer charmant-witzigen Note und natürlich tollem, detailreichem Artwork und lustigen Szenen sowie unschlagbar liebenswerten Hauptdarstellern bieten. Im Detail nun ergibt sich daraus folgende Zusammenstellung für den vierzehnten Klassiker-Band:

 

Johann und Pfiffikus – Die Schlümpfe und die Zauberflöte

Der Schwarzschlumpf

Der fliegende Schlumpf

Schlumpfine

Die Schlümpfe und der Krakakas

Der Finanzschlumpf

Zuviel des Guten

Die Schlümpfe und die wilden Riesenmöhren

Die Schlümpfe und der kleine Drache

 

Sind die Schlümpfe in der ersten Geschichte nur ein Teil von dieser und nicht zwingend die Protagonisten, so wird dieser Eindruck in den folgenden, wirklich reinen Schlumpf-Abenteuern korrigiert. Gemeinsam agieren die kleinen blauen Wichte – nun in der Rolle der Hauptakteure – gegen eine gefährliche Krankheit und die infizierten Schwarzschlümpfe oder balgen sich um Gargamels neueste Waffe gegen seine blaue Nemesis: Schlumpfine. Doch man rauft sich wieder zusammen, wenn es gegen Krakakas, den Schrecken aus der Luft, geht, und auch nach den Eskapaden des fliegenden Schlumpfes oder auch denen des Finanzschlumpfes gibt es wieder ein friedliches Miteinander. Denn auch gegen die Riesenmöhren besteht man nur gemeinsam, wohingegen auch aller kollegialer Zusammenhalt sinnlos ist, wenn mehrfach duplizierte Zwerge einem einzelnen Schlumpf dabei helfen, die gesamte Ernte von Farmy wegzufuttern, oder ein kleiner Drache das halbe Dorf in Brand setzt ...

 

In Schlumpfhausen nichts Neues, denn in Punkto Aufmachung gibt es auch beim vierzehnten Band der Klassiker-Bibliothek nichts wirklich Neues zu berichten. Wieder einmal überzeugt die Gestaltung des Taschenbuchs auf ganzer Linie: Ein ebenso reichlich wie hübsch und exemplarisch bebildertes Vorwort (das dafür leider inhaltlich diesmal ein wenig schwächelt), sowie ein schönes, wie üblich an den Rest der Reihe angepasstes Buch-Design mit einem schönen Cover (jeder hätte einen Schlumpf-Band grundliegend einmal blau gemacht, oder? Nicht so der/die Gestalter dieser Reihe – hier wurde der Rot-Ton der Zunge (!) des Coverschlumpfes ausgemessen und für die restliche Gestaltung verwendet, womit man einen prächtigen Kontrast geschaffen und das typische Schlumpfblau natürlich noch hervorgehoben hat. Das ist schlichtweg genial ...) machen den Band zu einem optisch zwar angenehm herausragenden, jedoch nicht aufdringlichem Comic, der leider nur wieder ein wenig unter seiner eher dürftigen Papierqualität zu leiden hat. Die Verkleinerung haben die Schlümpfe hingegen gut überstanden, und ihre farbenprächtige mediävale Fantasy-Welt kommt auch im handlichen Taschenbuchformat noch gut weg.

 

Fazit: Verschlumpft noch mal!, das war schon wieder ein angenehm überraschendes Leseerlebnis binnen kürzester Zeit. Ähnlich wie bei den Simpsons aus Band zwölf der Klassiker-Bibliothek habe ich die kleinen blauen Titelhelden bisher nur aus dem Fernsehen gekannt (wo sie es immerhin auf an die dreihundert Episoden geschafft haben). Dennoch muss ich sagen, dass mir auch die in diesem Band versammelten Comicabenteuer der Schlümpfe alles in allem durch die Bank sehr gut gefallen und durchaus Lust auf mehr – sowohl von den Schlümpfen, als auch von Johann und Pfiffikus – gemacht haben.

 

Sowohl der erste Auftritt der blauen Winzlinge als auch ihre eigenen Geschichten später können trotz ihres Alters und ihres doch eher märchenhaft-naiven Charmes und ihrem im Grunde recht einfachen Humors auf ganzer Linie überzeugen. Einzig und allein an den Namensunterschieden zur Fernsehserie bzw. denen zwischen den auch hier im Band vorliegenden verschiedenen Übersetzungen (Brillenschlumpf, Moralschlumpf, Schlaubi – um mal das griffigste Beispiel herauszunehmen) habe ich mich ein wenig gestört, doch hat das die Freude und den Spaß an diesem Band nur geringfügig getrübt.

 

Ein verschlumpft guter Band also, den man auf keinen Fall verschlumpfen sollte.

 

Eure Meinung:

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Comic:

Die Schlümpfe

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 14

Autor: Peyo u. a.

Verlag: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3899810996

Anzahl Seiten: 256

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 04.12.2005, zuletzt aktualisiert: 01.05.2020 11:16