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Die Seele des Feuers von Terry Goodkind

Reihe: Das Schwert der Wahrheit

Rezension von Olaf Kieser

 

Zu Beginn eine Klarstellung. Bei dem Roman „Die Seele des Feuers“, der hier besprochen wird, handelt es sich nicht wirklich um eine Neuerscheinung. Vielmehr hat man sich beim dem Verlag blanvalet dazu entschlossen, den ehemals in zwei Paperbacks veröffentlichen Roman in einem Taschenbuch neu herauszubringen und so dem amerikanischen Original zu entsprechen. Rein optisch ist das eindeutig gelungen und ansprechend. Der Umschlag ist schwarz gehalten, was das stimmungsvolle Cover-Bild und die silbernen Schriftzüge besonders zur Geltung kommen lässt und das Auge erfreut. Im Bücherregal der Privatbibliothek macht sich das auf jeden Fall gut. Eine Karte über die Welt, in der die Geschichte spielt, findet man vorne und hinten im Buch. Und mit seinen 976 Seiten kommt das Buch mit einem recht mächtigen Umfang daher. Man ist gespannt, in was für eine Tasche das passen soll. Aber schnöde Transportfragen sind hier ja gar nicht von Interesse.

 

„Die Seele des Feuers“ ist das fünfte Buch der Reihe „Das Schwert der Wahrheit“ des amerikanische Autors Terry Goodkind. Goodkind wurde 1948 in Omaha, USA, geboren und war nach seinem Studium zunächst als Rechtsanwalt tätig. 1994 erschien sein erster Roman „Das erste Gesetz der Magie“, der weltweit zu einem großen Erfolg wurde und den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Sagas aller Zeiten bildet. Marion Zimmer Bradley etwa sieht in Goodkind den Erben von J.R.R. Tolkien.

 

Um ihren geliebten Richard zu retten, befreite Kahlan die Chimären. Jetzt terrorisieren diese geheimnisvollen und gefährlichen Geschöpfe die Midlands, stehlen Seelen und drohen das Land jeglicher Magie zu berauben. Bereits kurz nach ihrer Hochzeit bei den Schlammmenschen entdeckt Richard mysteriöse Anzeichen auf das Wirken dieser Wesen. Und so brechen Richard und Kahlan nach Anderith auf, um dort nach dem Tagebuch eines Magiers zu suchen, in dem der einzige Weg zur Rettung beschrieben sein könnte. Doch Anderith ist durchzogen von Intrigen und außerdem das Ziel der Eroberungspläne des grausamen Kaisers Jagang und seiner gewaltigen Streitmacht. Richard und Kahlan bleibt nicht viel Zeit, um sich durch den Sumpf der Intriegen zu graben. Da wird Kahlan von einem fehlgeleiteten jungen Mann brutal überfallen – und Richard muss sich fragen, ob das dekandente Anderith es wert ist, gerettet zu werden...

 

„Die Seele des Feuers“ beginnt recht gemächlich. Die Hochzeitsnacht von Richard und Kahlan wird ausführlich beschrieben. Dabei werden zurückliegende Ereignisse diskutiert. Da es sich ja um den fünften Band der Reihe handelt, versteht man nicht alles. Es braucht auch eine Weile, bis die Personen zugeordnet werden können. Dies gilt natürlich nur für diejenigen Leser, die die anderen Bände nicht gelesen haben. Große Ereignisse haben stattgefunden und Schurken sind gestürzt worden. Anscheinend tobt ein Krieg zwischen zwei Reichen, eines angeführt von Richard, dem Helden der Geschichte. Er ist dabei, ein Bündnis aus verschiedenen Völkern zu schmieden, die bereit sind, sich gegen die Imperiale Ordnung zur Wehr zu setzen. Letztere ist die finstere Bedrohung der Welt. Es dauert nicht lange um zu verstehen, wer Gut und wer Böse ist. Möglicherweise ist dies einer der Gründe für den Erfolg der Reihe. Es wird dem Leser leicht gemacht, sich mit den Helden zu identifizieren und Interesse für ihr Schicksal aufzubringen. Deutlich wird dies etwa an Richard, der um das Wohlergehen der gesamten Welt ist. Dies führt zwar manchmal dazu, dass man ihm mit Unverständnis begegnet, doch er hält unbeirrt an seiner Überzeugungen fest. Stein, ein Botschafter der Imperialen Ordnung, macht alleine durch seine Kleidung deutlich, dass er mit voller Überzeugung im Dienste einer brutalen Macht steht. Er trägt einen Umhang aus menschlichen Skalps. Das Äußere ist hier Spiegel des Inneren. Das ist zwar etwas plakativ, doch viele erfolgreiche Romane und Filme haben eine eindeutige Gut – Böse Einteilung. Man denke nur an Star Wars oder an den Herrn der Ringe, um nur einige zu nennen. Auch bei der Beschreibung der Kulturen und Schauplätze, setzt sich diese klare Einteilung in positiv und negativ fort. Der erste Schauplatz des Romans ist ein Dorf der Schlammmenschen. Wie der Name dieses Volkes schon andeutet, so sind diese Menschen sehr der Natur verbunden und führen ein einfaches Leben, in dem Ehre und Gastfreundschaft wichtige Elemente sind. So richten sie für Richard und Kahlan ein bemerkenswertes Hochzeitsfest aus und sehen sie als Teil ihres Volkes. Die Schlammmenschen sind edle Wilde. Ein anderer wichtige Schauplatz des Romans ist der Hof des Ministers für Kultur. Das Volk der Anderier zeichnet sich durch eine komplizierte, höfische Kultur aus. Intrigen sind hier zumindest bei der politischen und wirtschaftlichen Elite an der Tagesordnung, da es gilt, Ansehen und Macht zu erlangen und zu sichern. Und diejemigen, die Macht haben, nutzen sie nicht nur dazu, die Geschicke des Landes zu lenken. So ist ausgerechnet der Minister immer auf der Jagd nach Frauen, die ihm bei seinen sexuellen Ausschweifungen zu Willen sind. Gelegentlich schreckt er aber auch nicht vor einer Vergewaltigung zurück. Daneben trägt die Gesellschaft der Anderier faschistische Züge. Die Anderier haben anscheinend vor einiger Zeit das Volk der Hakenier unterworfen. Die Hakenier, die früher wohl sehr gewalttätig gewesen sein müssen, dienen als Arbeitsvolk für die über ihnen stehenden Anderier. Daneben erscheint der Hof des Ministers als dekandent. Nicht nur der Minister ist sexuell sehr aktiv. Nahezu alle anderische Frauen kleiden sich bei festlichen Gelegenheiten mehr als freizügig und sind anscheinend immer bereit, ihren Rock für einen Mann von Stellung zu heben. Auch der bereits erwähnte Stein weckt bei den Damen Lust auf ein Abenteuer.

 

Das ist alles durchaus spannend und gelegentlich auch ein wenig humorvoll erzählt, doch wirklich neues präsentiert Goodkind hier nicht. Seine stärksten Momente hat der Roman, wenn es um das Wirken der Chimären geht. Da gelingt es Goodkind, ein unheimliche Atmosphäre aufzubauen, die an Horror-Romane erinnert. Beim Lesen hat man jedoch immer wieder mal das Gefühl, das irgendwo schon einmal gelesen zu haben oder in einem anderen Zusammenhang gehört zu haben. Beispielsweise gehört Cara, die Leibwächterin von Richard, dem Orden der Mord-Sith an. Sith? Waren das nicht die Gegner der Jedi-Ritter? Das mag Zufall sein, doch etwas mehr Phantasie wäre hier doch schön gewesen. Auf der sprachlichen Ebene fallen leider immer wieder unpassende Formulierungen auf. Die Welt in der „Das Schwert der Wahrheit“ spielt, ist eine von Magie geprägte Fantasy-Welt, die zeitlich irgendwo im Mittelalter anzusiedeln wäre. Da mag es sicherlich Fischfang geben, jedoch keine Fischindustrie. Auch sind die Feste am Hof des Ministers bestimmt mehr als bloße Partys. Die Beschreibung der Gestik der Figuren lässt diese manchmal unvorteilhaft als theatralisch erscheinen. Unverständlicherweise ist der Roman nicht an die neue Rechtschreibung angepasst worden, obwohl er im Januar 2009 erschienen ist.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass „Die Seele des Feuers“ ein solider Fantasy-Roman ist, der dem Leser einen epischen Kampf zwischen Gut und Böse präsentiert. Goodkind entspricht den Konventionen des Genres. Nicht mehr und nicht weniger. Stilistisch ist das Ganze leider nicht immer überzeugend. Fans der Reihe werden den Roman sicherlich lesen und schätzen. Auch Neueinsteiger werden sich schnell zurechtfinden und möglicherweise Gefallen an den Abenteuern von Richard, Kahlan und all den anderen Figuren finden..

 

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Die Seele des Feuers

Reihe: Das Schwert der Wahrheit

Autor: Terry Goodkind

Übersetzung: Caspar Holz

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 976 S.

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsdatum: Januar 2009

ISBN-10: 3442371058

ISBN-13: 978-3442371051

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.02.2009, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28