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Die Stunde Null – Europa nach dem Krieg

Filmkritik von Christel Scheja

 

Etwas mehr als siebzig Jahre liegt der zweite Weltkrieg hinter Europa, aber er ist immer noch unvergessen, und die ein oder anderen Probleme aus dieser Zeit werden immer noch entdeckt – nicht explodierte Bomben und Granaten. Da sich aber die politische Lage langsam wieder zum Schlechten wandelt, ist es um so wichtiger an das zu erinnern, was zwei bis drei Generationen vor uns passiert ist. „Die Stunde Null – Europa nach dem Krieg“ zeigt, was in den ersten drei bis vier Jahren nach dem Krieg vor allem in Deutschland passierte.


Am 8. Mai 1945 war der zweite Weltkrieg zwar offiziell zu Ende, aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis vor allem Mitteleuropa wirklich zur Ruhe kam. Kämpfe flammten ebenso wie Vergeltungsmaßnahmen immer wieder auf, vor allem Russland versuchte aus den Trümmern Vorteile für sich zu schlagen.

Während die Siegermächte im Westen zwar ordentlich aufräumten, die Kriegs-Verbrecher entsprechend bestraften, so sorgten sie doch dafür, dass das Land langsam wieder auf die Beine kam und die Bevölkerung der alten Ideologie abschwor. Landgebiete wurden aber nicht vereinnahmt. Anders im Osten, wo sich die Sowjetunion an den Ostgebieten Polens bedienten, dessen Grenzen dafür aber auch in den Westen verschoben. Interessant ist auch, dass sie mit aller Kraft daran arbeiteten, einen starken Ostblock zu schaffen, und viele Länder unter ihre Kontrolle zu bekommen – was dann später zum Kalten Krieg führte.

Aber auch das Leid der Bevölkerung, Vergeltungsmaßnahmen, die vor allem die Menschen in Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetenland zu spüren bekamen, bis hin zu der Vertreibung aus den Gebieten, in denen bereits Generationen vor ihnen gelebten hatten, sind ein Thema, genau so wie der langsame Wiederaufbau und die Luftbrücke, als die drei Zonen der Westmächte komplett abgeschottet wurden, weil die Russen ganz Berlin für sich haben wollten.


Zwei Folgen mit jeweils 45 min Laufzeit schaffen es vielleicht nicht, das Thema ausführlich zu behandeln, aber sie geben einen guten Überblick über das, was die einfache Bevölkerung miterlebte, bis hin zu den großen politischen Entwicklungen im Hintergrund, die den Grundstein für die nächsten vierzig Jahre legen sollten.

Es wird nicht ins Detail gegangen, und mache der Informationen mögen leicht überholt sein – immerhin wird die Bedeutung der „Trümmerfrauen“ mittlerweile angezweifelt, was aber nicht erwähnt wurde – aber man bekommt durch zahlreiche Archivbilder und – filme, die zum Teil koloriert wurde, sehr viel von den Entwicklungen mit.

Die beiden Folgen konzentrieren sich zwar ziemlich auf Deutschland, werfen aber auch einen interessanten Blick auf die umliegenden Länder, gerade die östlichen Gebiete, die ebenso neu organisiert werden wie die Mitte Deutschlands. Man bekommt ein wenig von der damaligen Propaganda mit.

Interessant ist auch, welche Konsequenzen die Juden in dieser Zeit zogen und was letztendlich zur Gründung Israels führen sollte. Denn auch als die Nazis weg waren – leicht gemacht wurde es den meisten nicht mehr.

Es mag den teilweise recht drastischen Originalbildern geschuldet sein, dass die Dokumentation erst ab sechzehn Jahre ist, aber sie wird nicht explizit. Die auch nach dem Krieg noch vorherrschende Gewalt wird angedeutet, aber die Erklärungen nicht weiter ausgeführt. Auch merkt man durchaus, dass die Folgen Pro-Westlich ausgerichtet sind – an Greueltaten werden hauptsächlich die in den Ostgebieten erwähnt.

Aber wer bisher noch überhaupt nichts über die ersten Nachkriegsmonate und -jahre wusste oder nur unzureichende Kenntnisse hatte, erhält hier einen ersten Überblick über die Ereignisse die sich politisch in Europa ereigneten, aber auch über die Situation der Gesamtbevölkerung.

Bild und Ton sind gut aufbereitet, die Zusammenstellung spannend. Extras gibt es allerdings keine.

 

Fazit:

Experten für die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg werden in „Die Stunde Null – Europa nach dem Krieg“ sicherlich keine neuen Erkenntnisse gewinnen, wer aber bisher kaum etwas darüber wusste, wird hier eine gute Übersicht finden, die auf alle Bereiche, die das Leben der Menschen damals betreffen, eingehen, wenn auch nicht ausführlich. Aber genau das wird sich je nach Interesse vertiefen lassen.

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DVD:

Die Stunde Null – Europa nach dem Krieg

Regisseur: David Korn-Brzoza

Format: Dolby, PAL, Region 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 16

Polyband/WVG, Erscheinungstermin: 25. August 2017

Produktionsjahr: 2016

Spieldauer: 90 Minuten

 

ASIN: B071Z8FC5Z

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 13.09.2017, zuletzt aktualisiert: 13.09.2017 18:51