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Die Tränen der Isis

Reihe: Ishanti, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Kaum eine andere Epoche hat die francobelgischen Comiczeichner so fasziniert wie das alte Ägypten. Das exotisch-fantastische Szenario erweckt die Pracht des alten Orients wieder zum Leben und die Künstler können frei mit den reichhaltigen Mythen des Landes spielen, ohne dass sie jemanden damit verletzen würden.

Und nicht zuletzt begünstigt das heiße Klima des Landes am Nil die Möglichkeit viel nackte Haut und einiges an erotischen Spielen zu zeigen ohne sich dafür eine glaubwürdige Erklärung abringen zu müssen.

 

Das ist auch bei der Reihe „Ishanti“ so. Die „Tränen der Isis“beginnt so wie viele Geschichten in Ägyten ihren Anfang nehmen. Des Nachts steigen Grabräuber in eine alte Gruft ein. Sie wecken in ihrer Vermessenheit ein uraltes Übel und öffnen ihm weit Tür und Tor.

Langsam und schleichend beginnt es sich auszubreiten und dem Pantheon der Götter Ärger zu bereiten. Alte Allianzen zerbrechen und neue werden geschmiedet. Die Veränderungen geben sie auch an ihre Priesterschaft weiter, und so gerät einiges in der Tempelstadt hinter den Kulissen in Bewegung.

Davon ahnt die junge Ishanti jedoch nichts. Zusammen mit ihrem rotgefellten Kater Ramses lebt sie in einem der angegliederten Paläste und hofft eines nicht all zu fernen Tages in die Riege der Tempeltänzerinnen der Isis aufgenommen zu werden.

Allerdings ist das gar nicht so einfach. Da sie aus einfachen Verhältnisse und sozusagen von der Straße kommt, sehen die zumeist adligen Mädchen auf sie herab und haben nur Hohn und Spott für sie übrig, genauso wie für ihren Kater, dessen Farbe sie für eine Unglücksbotschaft halten.

Zudem fällt es Ishanti schwer, während der Übungen in Reih und Glied mit den anderen zu bleiben. Sie lässt sich von der Musik davon treiben und folgt einem eigenen Rhythmus, was allerdings von der Lehrerin nicht gewürdigt wird.

Wirkliches Interesse bekundet nur der Steinmetz Tyi. Aber um ihres Traumes willen, ist sie noch nicht bereit, seinen Wunsch zu erhören und ihn zu heiraten, so sehr er auch in sie dringt.

So sind die Tage in der Tempelstadt ein ständiges Auf und Ab.

Ishanti fragt sich, ob sie jemals vor den Göttern und dem Pharao tanzen wird und verliert fast schon die Hoffnung, als jemand in den Unterricht kommt, der ihr wahres Talent erkennt und beschließt sie zu fördern.

 

Düstere Intrigen und eine fröhliche junge Heldin, die dem Leben noch offen und hoffnungsvoll ins Gesicht lacht, das sind die Ingredienzien dieser Geschichte, die im ersten Band zunächst nur die Weichen stellt, aber noch nicht viel von dem verrät, auf was die Geschehnisse hinaus laufen werden.

Während die Hintergrundgeschichte noch sehr kryptisch bleibt, nutzen die Künstler den großen Teil des Albums, Ishanti und ihre Welt vorzustellen. Manchmal geschieht dies aus der Sicht des unschuldigen und lebensfrohen Mädchens, dann wieder aus der des launigen, frechen Katers, der sein faules Leben schätzt und nicht so gerne aufgeben möchte.

Noch wirkt die Weltsicht Ishantis sehr naiv, aber man merkt doch, dass sie instinktiv spürt, wenn etwas nicht so ist wie es sein sollte. Vor allem als sie zusammen mit Tyi ein altes Grabmal besucht, dessen Inschriften sie beide zwar nicht entziffern können, dessen Bilder ihnen aber kalte Schauder über den Rücken rinnen lassen.

Weiter geht die Geschichte aber nicht. Sie setzt mehr die humorvolle Schilderung des Lebens in den Tempelhallen und die Darstellung der Beziehungen der Figuren zueinander. Vor allem Ramses neigt dazu, eine eher ernste Szene mit seinen Eskapaden aufzulockern.

Immer wieder eingestreute Informationen zu Göttenr und Mythen vertiefen die märchenhafte Stimmung des Comics, der weniger auf Action als stille Intrigen und eine langsame Entwicklung setzt.

 

Auch wenn Didier Crisse nur einen Teil der Zeichnungen beigesteuert hat, und von Fred Besson auch die Farben stammen, so merkt man doch in allem seine Handschrift.

Ähnlich wie die jungen Heldinnen aus „Das Kristallschwert“ und „Atalante“ oder gar „Canari“ist auch Ishanti lebenslustig, munter und manchmal ein wenig übermütig, auch wenn sie selbst keine Kämpferin ist. Ebenso typisch für ihn sind großen schillernden Augen seiner Heldin, die in dem niedlich wirkenden Kätzchengesicht dominieren. Sie sollen Unschuld und Natürlichkeit vermitteln und gleichzeitig auf den wahren Charakter Ishantis hindeuten, Nicht umsonst ist ihr engster Vertrauter Ramses.

Die Panels schwelgen in opulenten Details wobei hier auffällt, dass sie durch die Ton in Ton gehaltenen Farben zwar sehr atmosphärisch wirken, aber nicht unbedingt die erwartete Tiefe besitzen. Gut gewählt sind sie allerdings, da sie die Stimmung der jeweiligen Szene exakt wieder geben - Dunkel und kalt sind die Panels, in denen die Verschwörer ihre Taten planen und ausführen, in warmen, wenn auch nicht immer hellen Tönen und einem mal goldbraunen, mal rötlichen Schimmer gehalten sind die in denen Ishanti auftaucht.

 

Da der erste Band noch nicht viel von zukünftigen Ereignissen verrät ist es schwierig, jetzt schon ein Urteil über die Qualität der Geschichte zu fällen. Noch haben die Künstler nicht verraten, welche Rolle Ishanti spielen wird und welche Geheimnisse sie noch enthüllen darf.

Sicher ist nur, dass die Reihe was den Ideenreichtum und Humor angeht nicht sehr gegenüber den anderen Reihen Crisses zurückstehen muss.

Als Beispiel seit hier nur „Atalante“ erwähnt, wo sich der Autor und Künstler mit der Fahrt der Argo und den damit zusammen hängenden griechischen Mythen (goldenes Vlies etc.) beschäftigte.

Eure Meinung:


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Comic:

Die Tränen der Isis

Reihe: Ishanti, Bd. 1

Autor: Didier Crisse

Zeichner: Fred Besson

Hardcover-Album, 48 Seiten

Splitter, Februar 2007

ISBN: 978-3939823-23-0

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.10.2007, zuletzt aktualisiert: 07.04.2019 17:49