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Die Tränen des Lichts von Deborah Chester

Reihe: Lichtbringer-Saga, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Deborah Chester schreibt seit mehr als zwanzig Jahren und hat inzwischen mehr als dreißig Romane veröffentlicht, von denen allerdings die wenigsten nach Deutschland gekommen sind. Zudem unterrichtet sie an der Universität von Oklahoma das Fach „Kreatives Schreiben“ vor allem in den Bereichen Roman und Kurzgeschichte. „Die Tränen des Lichts“ ist der erste Teil ihrer vermutlich auf zwei Teile angelegten Saga um den „Lichtbringer“.

 

Caelan, dem neuen Kaiser des Reiches ist es gelungen, seinen Vorgänger zu stürzen und eine alte Prophezeiung zu erfüllen. Als „Lichtbringer“ gibt er seinen Untertanen die Hoffnung, dass das Leben nun leichter und freier für alle sein wird, da er als Sklave selbst die Ketten der Knechtschaft kennen gelernt hat.

An seiner Seite steht Prinzessin Lea, die durch ihr reines Herz und ihre heilenden magischen Kräfte von allen Menschen geliebt wird. Ihren Gaben wird dadurch Ausdruck verliehen, dass sie Tränen weint, die zu Perlen werden.

Anders als ihr Bruder bleibt sie nicht nur im Palast, sondern ist hin und wieder auch im Land unterwegs. Als sie von einer längeren Reise nach Hause zurück kehren will, muss Lea allerdings feststellen, dass nicht alle dem Banner ihres Bruders folgen wollen, denn der Trupp wird plötzlich von einer wilden Horde von Banditen überfallen. Angeführt werden sie von dem finsteren Shadrael, der seine Seele dem Bösen verschrieben hat und dazu auch noch über Schattenkräfte gebietet. Während viele ihrer Begleiter niedergemetzelt werden, wird sie von diesem Mann persönlich ergriffen und entführt.

Während die Überlebenden ihrer Eskorte unter der Führung von Hauptmann Hervan die Verfolgung aufnehmen und auch ihr persönlicher Leibwächter Thirbe nach Lea sucht, muss diese feststellen, dass der Mann, der sie in ihrer Gewalt hat, um einiges vielschichtiger ist, als sie gedacht hat.

Auch er scheint ungewöhnliche Seiten zu haben, die zum einen nicht zu seinem Rang und Ruf passen, zum anderen ihre Seele ohne es zu wollen zum Klingen bringen. Lea spürt schon bald, dass sie enger miteinander verbunden sind, als sie beide wollen.

 

„Tränen des Lichts“ scheint auf den ersten Blick eine klassische Romanze zu sein, in der eine schöne Prinzessin vom bösen schwarzen Ritter entführt sind, der jedoch mehr ist, als er zu sein scheint. Das mag auch stimmen, aber Deborah Chester gelingt es dennoch, die Geschichte gekonnt abzuwandeln und den Figuren Leben zu verpassen.

Die meisten von ihnen verhalten sich eher normal und zeigen zwei Seiten – so sind Soldaten – egal auf welcher Seite sie stehen, immer bereit, ihre toten Kameraden auszuplündern, der Hauptmann ein arroganter und aufgeblasener Gockel, der Lea gerne herum kriegen möchte, um so durch sie als Schwager des Kaisers an Macht zu gewinnen. Selbst Lea ist keine ätherische Heilige sondern eine Frau mit Schwächen und Unzulänglichkeiten. Ähnliches trifft auf ihren Bruder zu, der vielleicht nicht so ganz der „Lichtbringer“ ist, für den ihn alle halten und durchaus auch seinen eigenen dunklen Leidenschaften frönt.

Alles in allem konzentriert sich die Autorin vor allem auf die Interaktion zwischen den Figuren, wodurch die Handlung eher dünn wirkt. Zwar lockern dramatische Konfrontationen und Gefahren hin und wieder die Geschichte auf – wirklich viel neben der Entführung passiert eigentlich nicht.

Zwar erfüllt sie das ein oder andere Klischee, was die Liebesbeziehung zwischen zwei gegensätzlichen Charakteren angeht, aber alles in allem bleibt die Geschichte doch ansonsten frei von Liebeschwüren und emotionalen Exzessen. Statt dessen müssen die Figuren mit ihren bisherigen Überzeugungen und den verwirrenden Gefühlen zurecht kommen, die ihr Weltbild so nachhaltig durcheinander bringen.

Ein Punkt, der allerdings sehr störend wirkt ist, dass immer wieder Bezug auf die „Ruby Throne“-Trilogie genommen wird, die den Ereignissen voran geht und schildert, wie Caelan überhaupt erst an die Macht gekommen ist und wie er zu seiner Kaiserin steht, die auch schon mit seinem Vorgänger verheiratet war. Allerdings sind diese Romane niemals auf Deutsch erschienen und auch in der englischen Originalausgabe längst vergriffen.

 

Alles in allem ist „Die Tränen des Lichts“ ein durchaus interessanter Fantasy-Roman mit interessantem Hintergrund, in dem eine Romanze zwar eine wichtige Rolle spielt, aber nicht alles beherrscht. Wer mehr als nur Liebesgeflüster lesen will, ist hier genau richtig, auch wenn action- und abenteuerverwöhnte Leser eher zu kurz kommen.

 

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Eure Meinung:

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Marion
Mittwoch, 29. Juni 2011 19:36 Uhr
Ich bin mit "Tränen des Lichts" nun fast fertig und sehr zweigeteilt. Einerseits ist es ein spannender und vielschichtiger Fantasy-Roman der Lust auf mehr macht, andererseits nervt es ungemein, dass mit Begriffen und magischen Wörtern um sich geworfen wird, die in keinster Weise erklärt werden. Eher ist es so, dass die Autorin davon ausgeht, dass der Leser weiss, von was sie schreibt.
Ich hätte mir daher vom Verlag gewünscht, eine Seite mit Begriffserklärung anzuhängen. Oder die alles erklärende Trilogie (Rubinthron) gleich mit zu verlegen.
Vielleicht bei der nächsten Auflage.

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Die Tränen des Lichts

Reihe: Lichtbringer-Saga, Bd. 1

Autor: Deborah Chester

Original: The Pearls, USA 2007

Broschiert, 381 Seiten

Goldmann, erschienen April 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Inge Wehrmann

Titelbild von Frank Fiedler

ISBN-10: 3442470250

ISBN-13: 978-3442470259

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.05.2009, zuletzt aktualisiert: 13.07.2019 19:34